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Vanunu ist “frei” - Er fordert Verzicht Israels auf Atomwaffen

Von Michael Schmid

Am 21. April 2004 ist Mordechai Vanunu nach 18 Jahren Haft aus dem Schikma-Gefängnis in der israelischen Küstenstadt Aschkelon entlassen worden. Er hatte 1986 eine britische Zeitung über das israelische Atomwaffenprogramm informiert und war wegen Hochverrats und Spionage verurteilt worden.

Bei seiner Freilassung aus dem Gefängnis feierten ihn seine AnhängerInnen, darunter etliche Prominente wie die britische Schauspielerin Susannah York, frenetisch als “Friedensheld”. Auf riesigen Postern mit seinem Bild sagten sie “Danke, Mordechai Vanunu”. Sie forderten die volle Freiheit für Vanunu.

Eine Delegation von 80 Personen aus 12 Ländern sowie mehrere hundert UnterstützerInnen hatten den 49-jährigen bei seiner Entlassung empfangen. Allerdings gab es auch hasserfüllte GegendemonstrantInnen, die ihn mit Buh-Rufen schmähten und als Verräter beschimpften. In einer aktuellen Umfrage hatte fast die Hälfte der befragten Israelis erklärt, Vanunu solle überhaupt nicht entlassen werden oder nicht, solange er eine Sicherheitsgefahr darstelle. Nur 17 Prozent befürworteten seine Freilassung ohne Einschränkungen und Auflagen. Die öffentliche Aufregung um Vanunu zeigt, dass Israel mit dem so genannten “Atomspion” noch immer nicht fertig ist. Die Israelische Führung und Justiz sind weiter überzeugt, dass Vanunu noch mehr Geheimnisse aus Dimona auszuplaudern habe und dies auch tun wolle.

Der Freigelassene präsentierte sich ungebeugt und zornig, mit den Händen formte er das Sieges-Zeichen und erklärte: “Ich bin stolz auf das, was ich getan habe.” Weiter sagte Vanunu, in der Haft sei er brutal behandelt worden. Die Geheimdienstagenten hätten versucht, ihm den Verstand zu rauben. “Ich sage dem Schin Bet und dem Mossad, ihr habt es nicht geschafft”, sagte er.

Als man Vanunu fragte, ob er ein Held sei, antwortete er, all diejenigen, die ihn unterstützten, seien Helden. “Ich bin ein Symbol des Freiheitswillens”, ergänzte er.

In einer seiner ersten Äußerungen nach seiner Entlassung forderte Mordechai Vanunu einen Verzicht Israels auf Atomwaffen und internationale Inspektionen im Reaktorzentrum in Dimona.

Für den Friedensforscher Jan Oberg weist diese Aussage Vanunus den Weg: “Er hat recht, wenn er sagt, dass Israels Atomwaffenprogramm Gegenstand internationaler Inspektionen sein sollte und dass Israel keinen Bedarf für Atomwaffen habe.”

Es sei sehr mutig von Vanunu, sich zu einem Zeitpunkt gegen Atomwaffen auszusprechen, in dem die USA deren taktischen Einsatz zur Doktrin gemacht haben. Es sei nun Zeit für die Europäische Union und andere, fordert Oberg, “Israel nicht nur routinemäßig zu verurteilen, sondern konkreten politischen und wirtschaftlichen Druck auszuüben, bis diese Politik endet.”

Haiko Lietz geht in seinem Telepolis-Artikel “Richtet den Blick auf Israels Atomwaffen” vom 22.04.2004 ausführlich auf die israelische Atombewaffnung ein.

Die Friedensorganisation Gush Shalom wird am 23.04.2004 in einer Anzeige in der israelischen Zeitung “Haaretz” fordern:

  • DIE SCHIKANIERUNG VON
    MORDECHAI VANUNU MUSS
    BEENDET WERDEN.
    LASST IHN GEHEN.
    LASST IHN REDEN.
    ABER NOCH WICHTIGER:
    DIE ZWEIDEUTIGKEIT ÜBER
    ISRAELS ATOMWAFFEN
    MUSS BEENDET WERDEN.
    LASST UNS DARÜBER EINE
    OFFENE DEBATTE FÜHREN.
    UNSER LEBEN STEHT AUF DEM SPIEL.

Mordechai Vanunu selber will nun die nächsten Wochen in einer anglikanischen Kirche in Jerusalem verbringen. Dutzende seiner Unterstützer feierten in dem Gotteshaus Vanunus Entlassung nach 18 Jahren Haft.

Vanunu will mit Israel nichts mehr zu tun haben, doch er darf nicht weg. Zu den strengen Auflagen, die vor allem seine Kontakte mit Ausländern einschränken, gehört auch, dass er ein Jahr lang das Land nicht verlassen darf. Bei der Anordnung stützt sich Israel auf eine Notstandsgesetzgebung, die noch aus britischer Mandatszeit stammt, was einen Proteststurm der Bürgerrechtler in Israel und dem Ausland auslöste.

Es läuft eine internationale Kampagne , um die Restrictionen gegen Mordechai Vanunu aufzuheben. Wer sich daran beteiligen möchte, wende sich an die israelische Botschaft seines Landes und fordere die Aufhebung der Restrictionen für Vanunu.

  • Botschaft des Staates Israel - Berlin
    Botschafter Shimon Stein
    Fax 030-8904 5500
    email: botschaft@israel.de;

Israeli embassy contact details

  • Washington, DC
    Political Department
    Tel; (202)364-5581, 5582
    Fax: (202)364-5490
    Press Office
    Tel: (202) 364-5538
    Fax: (202) 364-5610
  • Ottawa, Canada
    Tel: (613)587-6450
    Fax: (613)237-8865
    Email: embisrott@cyberus.ca
  • London, United Kingdom
    Tel: 0207 957 9500
    Fax: 0207 957 9555
    Email: Info-assist@london.mfa.gov.il
  • The Hague, The Netherlands
    Tel: 070-3760500
    Fax: 070-3760555
    Email: ambassade@lsrael.nl

Veröffentlicht am

22. April 2004

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