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Eine Eskalation der Menschlichkeit. Kings Bedeutung für Amerika heute

Der Autor Stewart Burns spricht mit Julie Polter von Sojourners über Kings Bedeutung für Amerika heute.

Sojourners: Was über Martin Luther King hat Amerika versucht, zu vergessen?

Stewart Burns: Viele möchten King nur so ehren wie er im August 1963 am Lincoln Memorial stand und über seinen Traum von der Gerechtigkeit sprach. Doch King lebte noch fünf weitere Jahre, während denen er sein Verständnis der amerikanischen Gesellschaft vertiefte, besonders hinsichtlich dessen, was an Lösungen gebraucht wurde.

King hatte sich mit den urbanen Rebellionen in Städten quer durch die Vereinigten Staaten auseinandergesetzt, die durch die verzweifelte Armut und die zerschlagenen Erwartungen entstanden waren. Die Leute in Ghettos sagten: Nun, wenn wir jetzt Freiheit haben sollen, wo ist sie? Wir haben keine Jobs, wir haben massive Arbeitslosigkeit, Ratten greifen unsere Babies an. King, der in einem Haus der Mittelklasse aufgewachsen war, verstand Armut nicht wirklich bis zur Watts Revolte von 1965 (1), als er dorthin ging und zu den Menschen sprach. Dann übernahm er die Führung und konzentrierte die Bürgerrechtsbewegung auf wirtschaftliche Gerechtigkeit und einen breiten Umfang an Menschenrechten. Und er wurde zum starken und entschiedenen Gegner des Vietnamkriegs.

All dies hatte fürchterliche Auswirkungen auf seine Glaubwürdigkeit als Führer der Bürgerrechtsbewegung. Er war genial gewesen in dem, was ich eine radikale Moderation nenne, aber er gelangte an den Punkt, wo seine Radikalität sich schließlich durchsetzte und er nicht länger ein gemäßigter Führer sein konnte. Er wurde zum gewaltfreien Revolutionär im Sinne eines überzeugten Festhaltens am amerikanischen Glauben an Freiheit, Gleichheit und Demokratie und dem Engagement, um das für alle zu verwirklichen.

Sojourners: Warum brauchen wir ein weiteres Buch über King?

Burns: Diese Nation befindet sich in einer Art verzweifelter Lage, der Seelenkrankheit, die King in den späten 60er Jahren prophezeit hat. Als er vorhersagte, Amerika sei verloren, wenn wir nicht diese miteinander verwobenen Probleme des Rassismus, der Ausbeutung und des Militarismus lösten, war es, als spräche er wirklich über das 21. Jahrhundert.

Es gibt eine Anzahl ausgezeichneter Bücher über King, aber sie neigen dazu, nur gewisse Dimensionen seines Lebens und seiner Führerschaft darzustellen ohne den ganzen Menschen zu zeigen. Ich versuche, Kings Bürgerrechts- und Menschenrechtsführerschaft zusammenzuführen mit seiner fundamentalen spirituellen Lebensreise.

Sojourners: Was könnten die heutigen Aktivisten von King lernen?

Burns: In seinen letzten Lebensjahren steigerte er deutlich seinen Kampfgeist - er sprach von der Notwendigkeit, massiven zivilen Ungehorsam zu begehen, der Amerikas Städte durcheinander bringen würde. Doch während er in seiner Taktik zunehmend militant wurde, nahm auch seine Menschlichkeit zu. Er widmete sich mehr und mehr gewaltfreien Taktiken.

Es ist ziemlich phänomenal, zu sehen, wie er sich so leidenschaftlich einsetzte, die Armut zu beseitigen, sein letzter großer Kreuzzug, und doch gleichzeitig fast fanatisch bestrebt war, sich an gewaltfreie Prinzipien zu halten. Viele Aktivisten tun heute großartige Dinge für die Bewegung der globalen Gerechtigkeit, sehr kreative gewaltfreie Aktionen. Aber sie vergrößern nicht ihr humanes Anliegen für ihren Gegner. Sie vergrößern ihr Engagement für Gerechtigkeit, aber nicht ihr Mitgefühl. King war ein bemerkenswertes Beispiel dafür, beides gleichzeitig zu tun.

Anmerkung:
(1) Watts, Schwarzenghetto in Los Angeles: mehrtägige Revolte im Sommer 1965.

Stewart Burns ist der Autor von: “To the Mountaintop: Martin Luther King Jr.’s Sacred Mission to Save America” wurde von Harper, San Francisco im Januar 2004 zu Kings 75. Geburtstag veröffentlicht. Er war der Herausgeber der King Blätter an der Stanford University und lehrt zur Zeit am College of the Redwoods in Nord-California.

Quelle: Sojourners magazine 21.01.2004. Übersetzung: Heidi Schimpf/Michael Schmid. Originalartikel: “‘America, You Must Be Born Again’. How Martin Luther King Jr. moved from reform to revolution” by Stewart Burns

Reprinted with permission from Sojourners. (800)714-7474. www.sojo.net .

Hinweis:
Siehe auch Auszüge aus dem Buch Stewart Burns in deutscher Übersetzung: “‘Amerika, du musst neu geboren werden’. Wie Martin Luther King von der Reform zur Revolution gelangte”

Veröffentlicht am

09. Februar 2004

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