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Die Weihnachtsbotschaft vom “Frieden auf Erden” will die Hoffnungslosigkeit und Resignation überwinden

Pfr. Dr. Konrad Raiser, der nach 11 Jahren als Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) Ende Dezember 2003 aus dem Amt scheidet, hat sich bereits zu Beginn dieses Jahres entschieden gegen die von den USA angeführte militärische Invasion des Irak und für eine friedliche Lösung dieses Konflikts gewandt. Gemeinsam mit dem ÖRK war und ist er überzeugt, dass “Kriege nicht gewonnen werden können, nur der Frieden”.
Nun spricht der scheidende Generalsekretär in seiner Weihnachtsbotschaft davon, wie eng Frieden und Gerechtigkeit mit dem Evangelium verbunden sind, und er warnt vor der Bedrohung unserer Welt durch andere, weniger sichtbare Gefahren, insbesondere HIV/AIDS.
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Weihnachstbotschaft

Von Konrad Raiser

“Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden”, so singen die Engel in der Geburtsgeschichte Jesu im Lukasevangelium, und seit 2000 Jahren spornt dieser Lobgesang auf Gott und den Frieden die Menschen an. Gott wird Mensch, und beendet so den Streit, der die Wurzel alles Streites ist, den Streit zwischen Gott und Menschen. Wenn Menschen Gott die Ehre geben, dann verlieren alle menschlichen Streitursachen ihre Gültigkeit. Das gilt auch und gerade dort, wo Konflikte religiös legitimiert werden.

“Friede auf Erden” ist kein Wunsch, sondern eine Zusage. Frieden ist uns geschenkt mit der Geburt Jesu. Seither gilt der Friede Gottes mit den Menschen. Er ist eine Gabe Gottes an uns. Gottes Friede ist mehr als eine schriftliche Erklärung, ein Abkommen oder ein Programm. Er zielt nicht einfach auf Ruhe, Harmonie und die Abwesenheit von Konflikt und Streit. Die Bibel hat eine umfassende Vorstellung vom Frieden. Ihr geht es um ein Leben in gerechten Beziehungen, um das Wohlergehen aller, nicht allein der Menschen, sondern der ganzen Schöpfung. Es herrscht Friede, wenn ? und weil es nach Gottes Willen - für alle genug gibt von dem, was zum Leben notwendig ist.

Das Evangelium ist die Einladung zu einem solchen Leben. Diese Botschaft gilt es weiterzutragen, gerade am Ende dieses Jahres, das von Krieg und Gewalt geprägt war. Indem Christen und Kirchen sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, wie in ihrem einmütigen Protest gegen den Krieg in Irak, bekräftigen sie den Friedensschluss Gottes mit den Menschen. Die Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt - im Jahr 2001 vom Ökumenischen Rat der Kirchen ausgerufen - wird mittlerweile von vielen Kirchen und Gruppen aufgenommen, unterstützt und weiterentwickelt. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, einzelne Christen/innen und Kirchen in ihrem Einsatz für eine gerechte und damit friedliche Welt zu bestärken und Wege für gewaltfreie, friedliche Konfliktlösungen aufzeigen.

Ein wichtiger Teil unserer Pflicht, die Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit in das Leben aller Menschen zu tragen, ist die Antwort der Kirchen auf die Herausforderung durch die HIV/AIDS-Epidemie. Täglich fallen über 8000 Menschen dieser vermeidbaren und kontrollierbaren Krankheit zum Opfer; das sind weit mehr als die Opfer aller Konflikte in der heutigen Welt zusammengenommen. Wenn die Kirchen weiter schweigen oder diese Realität leugnen, machen wir uns mitschuldig am Tod von Menschen, deren Leben hätte gerettet werden können. Die Friedensbotschaft vom Leben in der rechten Beziehung mit Gott ist ein Aufruf, gegen die Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen, die mit HIV und AIDS leben, vorzugehen. Sie ist eine dringende Aufforderung, alle unsere Kräfte zu mobilisieren und uns für Aufklärung, Prävention und die Bereitstellung von Medikamenten für alle einzusetzen. Vor allem anderen aber fordert sie von uns, dass wir einander Fürsorge, Mitgefühl und Achtung in unseren menschlichen Beziehungen entgegenbringen.

In beiden Zusammenhängen, der Überwindung von Gewalt und der Antwort auf die Bedrohung durch HIV and AIDS, geht es darum, Gottes Friedensschluss mit den Menschen sichtbar werden zu lassen in den verschiedenen Bereichen des Lebens: in den Beziehungen zwischen Mann und Frau; in den Familien, die oft genug Orte von Gewaltausübung sind; in der Politik, die vom Streben nach Macht und Herrschaft über andere geprägt wird; und in einem Wirtschaftssystem, das Krieg führt gegen Arme und Benachteiligte. Die Weihnachtsbotschaft vom “Frieden auf Erden” will die Hoffnungslosigkeit und Resignation überwinden und Mut machen zu kleinen und großen Schritten. Sie lädt alle Menschen ein, Friedensstifter und damit Gottes Kinder zu werden (Mt 5,9), die einstimmen können in den Lobgesang der Engel zur Ehre Gottes.


Konrad Raiser, Pastor, Professor und Theologe, Mitglied der Evangelischen Kirche Deutschlands, beendet ein 11-jähriges Mandat als Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen Ende Dezember 2003.

Quelle: Ökumenischer Rat der Kirchen vom 02.12.2003.

Kleine Auswahl von Links zur Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt:

- Dekade zur Überwindung von Gewalt (2001-2010). Kirchen für Frieden und Versöhnung. Website des ÖRK

- Projektstelle zur Ökumenischen Dekade im Kirchenamt der EKD

- Überwindung der Gewalt - Württemberg

- Die Ökumenische Dekade in Württemberg

- Amt für Gemeindedienst der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers zur Ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt

- Arbeitsstelle “Gewalt überwinden” - Nordelbien

- Zusammenschluß von Netzwerken und Gruppen www.gewaltueberwinden.de

- eMail-Liste zur Dekade zum Informationsaustausch von Einzelpersonen und Gruppen

Veröffentlicht am

16. Dezember 2003

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