Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Eine bessere, gerechtere, zukunftsfähige Welt ist möglich

Wolfram Frommlet - Rede zur Eröffnung Oberschwäbische Friedenswochen, 08. November 2003, Ravensburg

“Teufelskreise verlassen”, ist das Motto der Friedenswochen dieses Jahr - das klingt biblisch, religiös - ist doch der Teufel nicht nur in der christlichen Religion der Widersacher Gottes. Doch die Teufelskreise, die Millionen Menschen weltweit in Friedensgruppen, in Menschenrechtsorganisationen, in Sozialen Bewegungen verlassen, um für eine menschlichere, eine gerechtere Welt zu kämpfen, diese Teufelskreise sind von Menschen gemacht - und sie zerstören alles, was der Menschen würdig und heilig wäre -, egal an welchen Gott der Weltreligionen wir glauben mögen, oder seien es die großen zivilen Errungenschaften der Menschheit: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, oder der Glaube dass vor Gott alle Menschen gleich sind, oder die Errungenschaft der Menschrechte, oder das grundgesetzliche Bekenntnis zur unantastbaren Würde des Menschen, oder die bislang noch nicht illegale Forderung, dass Eigentum verpflichte, oder die allgemeine Übereinstimmung in allen Demokratien, ja selbst in traditionellen Gesellschaften, dass Menschen ein Recht auf Wahrheit haben - und kein Recht auf Lügen.

Von diesen Forderungen, die doch wohl Menschen jeder Religion und Nationalität unterschreiben können - rücken wir jeden Tag weiter weg.

Der Teufelskreis der Verdummung, der Verblödung -
“Zu Tode werden wir uns amüsieren”, prognostizierte schon vor über 20 Jahren der jüngst verstorbene amerikanische Medienwissenschaftler und Philosoph Neill Postman. Er sollte in schrecklicher Weise recht behalten - nie hat ein gigantischerer globaler Kampf um die Köpfe und die Seelen der Menschen stattgefunden - die mediale Gleichschaltung eines Goebbels war ein Nichts dagegen. Ein teuflisches Gebräu aus machiavellistischer Machtbesessenheit, missionarischem christlichem Fundamentalismus, Großkapital, Konzernen und Zynikern kauft die Wahrheit und verbreitet Lügen. Es muss gelacht, gegackert, gebrüllt und geballert werden ? damit wir die Welt als Spaß begreifen, und die Teufel für Clowns halten ? Murdoch und Berlusconi, General Electric und Disney, RTL, Sony, AOL, Time Warner, Viacom, CNN, Burda, Endemol - um nur ein paar der Giganten zu nennen.

Gigi gaga Heiterkeit, Sex und Gewalt - doch nicht die in Liberia, im Kongo, wo es um das Koltran für unsere Handys geht, um Kautschuk für Dunlop und Diamanten für unsere westliche Industrie und für jene Schickimickies und adligen Apanagenschmarotzer, von denen wir das Rasierwasser und die Hersteller ihrer Unterwäsche kennen. Als wären wir im Mittelalter, rührt das Volk das Leiden des fürstlichen Gefreiten Thurn und Taxis - aber nicht das Elend der Millionen Kindersoldaten. Wir wissen, wie Prince William geruht, für ein paar Hunderttausend Pfund bewacht, auf einer australischen Farm zu arbeiten - aber wie dort gearbeitet wird, wo das Soja und Tapioka für unsere Schweinemasten, wo der Kaffee für Tchibo, die Bananen für Dole geerntet werden - das wissen wir leider nicht, denn das ist nicht zum Ablachen - da kriegt man keine Ejakulation.

Die globale Verdummung macht Sinn - mit Geheimdienstlügen wurde das amerikanische Volk für den Vietnamkrieg mobilisiert, für den zweiten, für den dritten Golfkrieg; je mehr Berlusconi, der Präsident eines zu seinem Bedauern noch immer demokratischen Staates, je mehr er sich den Diktatoren afrikanischer Prägung angleicht, desto mehr wird in seinen Medien gelogen und abgelenkt. Das ist nicht neu - nur inzwischen ausgefeilter. Neu vielleicht auch, dass ein Tyrann wie Berlusconi, der den Zynismus besitzt sich als Christ aus zugeben, geknutscht wird von anderen vorgeblichen Christen - Blair und Merkel, Bush und Aznar, wie auch von Wladimir Putin - aber auch dass passt zusammen, denn besäße Putin die mediale Macht seines Freundes Silvio, würde man kein Wort mehr erfahren über den Völkermord in Tschetschenien.

Heute, am 8. November, eröffnen wir die Friedenswochen.
Morgen, am 9. November, jährt sich ein Datum, das mit Teufelskreisen zusammenpasst - auch und gerade mit dem Teufelskreis der Propagandaschraube des Unterhaltungs- und Ablenkungsterrors, die sich schon einmal in Millionen Herzen und Hirne gebohrt hat - 9. November 1938.
Aus einem kleinen Brand in Berlin entstand ein Weltbrand, aus zerschlagenen Scheiben eine zerschlagene Welt. Haben wir gelernt?
Sehen wir noch, wer welche Teufelskreise in Bewegung setzt und in Bewegung hält, Brände legt, die für Millionen - wie damals in den brennenden Städten - zum Fegefeuer werden?

Der Teufelskreis der Verarmung -
1987 hatten die Staaten der Dritten Welt 1.160 Mrd. US$ Schulden,
zehn Jahre später bereits 2.070, heute sind es über 2.400 Mrd. Dollar Schulden.

Gebracht haben diese Schulen den Armen noch mehr Armut - die Mehrheit kann sich keine Schulgebühren, kein Schulbuch, keinen Klinikbesuch mehr leisten, in nur zehn Jahren hat die Zahl derer, die unter dem Existenzminimum von 2 Dollar pro Tag lebt, um 100 Millionen Menschen zugenommen. 2.800 Milliarden Menschen - fast die Hälfte der Weltbevölkerung - lebt jenseits all dessen, was man auch nur als die geringsten Grundbedürfnisse nach Wasser, Nahrung, Kleidung, einem Stück Land oder einem Dach über dem Kopf bezeichnen kann. Von einer Alterssicherung nicht zu reden, von gesicherter Arbeit, von einem Grundlohn oder Bildung.

Merkwürdig, und vermutlich ganz ohne jeden Zusammenhang, dass in diesem Zeitraum das private Geldvermögen der Deutschen auf 3.658 Mrd. Euro gestiegen ist. Dank unserer deutschen Mentalität zu harter Arbeit. Aber, Jammer auf hohem Niveau, wie es einer Kulturnation angemessen ist - zum ersten Mal seit der Währungsreform, im Jahre 2001 ist es zum ersten Mal um 15 Mrd. gesunken! Wer soll sich da noch einen Maybach für 175.000 Euro leisten können, oder den bescheideneren Porsche Carrera. Da bleiben keine Tränen für die Armen - weinen wir über die neue Armut von Ärzten und Gattinnen.

Doch die Schulden sind nicht nur ein Teufelskreis für die Armen, sondern auch für die Schöpfung - in unserer Gier nach Rohstoffen, nach immer gigantischeren Konsumbedürfnissen werden ganze Kontinente geplündert - mit Zustimmung jener korrupten und korrumpierten Dritte-Welt-Eliten, die der Westen gepäppelt, bis an die Zähne bewaffnet hat - weil sie die falschen Entwicklungsmodelle mit diktatorischer Unterdrückung durchpeitschten - Agrobusiness, Freihandelszonen, Mega-Staudämme, Plünderung der Wälder und des Bodens ? und vertrieben werden Millionen Kleinbauern, vernichtet wird Jahrtausende altes traditionelles Wissen.

Das ist gut für uns - und unsere Teufelskreise des Wachstums:
denn importiert werden muss für die falsche, die am Westen orientierte Entwicklung des Südens, die Technologie aus dem Norden, das gentechnisch manipulierte Saatgut des amerikanischen Konzerns Monsanto, zusammen mit den Pestiziden und Düngemitteln. Um die Schulden zurückzubezahlen, werden immer mehr Bauern von Indien bis Brasilien von ihrem Land vertrieben, als Verschiebemasse in die Gigastädte gespült - denn nur mit den Produkten des cash crop, der Exportkulturen der Plantagen, können die Devisen erwirtschaftet werden, mit denen sich Schulden zurück zahlen lassen.

Doch eine teuflische Spirale dreht sich rapide weiter: der westliche Lebensstandard steigt und steigt, jede Einwegspritze, jeder Traktor, jedes Bewässerungsrohr wird damit teurer - doch wir sind nicht bereit, unser Modell an andere anzugeben: dass wir alle alles haben wollen, jetzt hier und heute - Arbeiter und Angestellte, der klassenlose Genuss. Die Welt gehört uns!
Bananen und Kaffee, Fleisch und Orangensaft, Seidenwäsche und Leder, Baumwolle und Stahl, Aluminium und Kakao - bis zum Abwinken.
Aber bezahlen wollen wir nicht.

Eines von unendlich vielen Beispielen:

1984 hat Tansania, abhängig vom Export von Tee, Kaffee, Sisal und Pyrethrum, für seine Agrarprodukte 153 Mio. US $ bekommen;
nur sieben Jahre später für dieselben Mengen gerade noch die Hälfte ? 77 Mio. $.
1985 musste ein westafrikanisches Land für einen deutschen Kleinstlaster 7,6 Tonnen Kakao exportieren; fünf Jahre später bereits 29 Tonnen.
Diese Liste ließe sich endlos weiterführen.

Zu einfach wäre es, die Teufel, die sich dieses System der globalen Ungerechtigkeit ausdenken, auf ein paar Namen, ein paar Rohstoffkonzerne zu reduzieren - Nestlé und Unilever, Nabisco und Eduscho, C&A und United Fruit.
Irgendjemand muss ja eine teuflische Freude daran haben, Kaffee zu trinken und Orangensaft, Seidenschals und Baumwollhosen zu tragen, an denen Blut klebt und Tod, Tränen und Schweiß. Haben nicht die Teufel uns alle geritten?

Doch eine bessere Welt ist möglich -
Mit jedem Kilo Tee und Kaffee ermöglichen wir es, dass Kooperativen im Süden eine Schule bauen, einen Lehrer oder Impfungen für ihre Kinder bezahlen können.
Was vor über 20 Jahren die Max Havelaer Stiftung in Holland ins Leben rief ? fair trade, Gerechten Handel ? was sie, vor allem mit christlichen Basisgruppen als ersten Erfolg buchte: dass im holländischen Kaffee nur noch “fairer Kaffee” ausgeschenkt wird, kann jeder von uns zu Hause, bei Freunden, an seiner Arbeitsstelle in der Kantine durchsetzen.

Eine bessere Welt ist machbar -
Wie ein Lauffeuer hat sich an amerikanischen Universitäten die Bewegung “students against sweatshops” verbreitet: Studenten in den renommierten Baseball Teams, die herausgefunden hatten, wo ihre von NIKE gesponserte chice Sportskleidung hergestellt wird und unter welchen Bedingungen. Das hat diesen Konzern getroffen und den Sklavenarbeitern in den Freihandelszonen eine Stimme gegeben.

Amerika ist doch immer das große Vorbild in Deutschland. Na also - nachahmen! Die Christliche Initiative Romero, die ökumenische Organisation Südwind in Deutschland, Gruppen in der Schweiz, in England, in den Niederlanden haben die Konzernzentralen großer Bekleidungshäuser, H&M, C&A. Woolworth und Adidas mit Tausenden von Anfragen nervös gemacht ? wo, unter welchen Bedingungen ihre Baumwolle geerntet, ihre Kleider hergestellt werden. Diese Gruppen sind an die Öffentlichkeit gegangen - es hat Wirkung gezeigt. Die Bedingungen in vielen Freihandelszonen, zum Beispiel auf Sri Lanka, haben sich verbessert, die Unternehmen verpflichten sich neuerdings zu einem “code of conduct”, einem Verhaltenskodex. Nie hätten die Manager dies ohne den Druck von unten getan.

Wir alle können Politik mit dem Einkaufskorb machen -
wer zwingt uns, Produkte jener Unternehmen zu kaufen, die für ihre Fischstäbchen die Meere leer fischen, mit den Pestiziden die Bananenpflücker, die Baumwollbauern vergiften, mit falschen Versprechungen, mit Lügen über ihr Wundersaatgut Kleinbauern im indischen Andrah Pradesh in den Ruin, Tausende in den Suizid treiben; die Namen dieser Konzerne sind alle bekannt; französische, britische, amerikanische Getränkekonzerne - Evian, CocaCola, AfricaCola reißen sich in der Dritten Welt die Wasserversorgung unter den Nagel - ob in Delhi oder in Accra - das trinkbare Wasser musste ich von diesen Gangstern in Plastikflaschen kaufen. Die Mehrheit wird sich kein Wasser mehr leisten können. Wer eigentlich zwingt uns, diesen Teufeln hier das Zeug abzukaufen?
Wie viel Mut braucht es, wie viel Energie, bei unserem Bekleidungshaus nachzufragen, wo der Mantel herkommt, das Leder fürs chice Jäckchen?

Wie viel Dummheit, wie viel Blindheit müssen wir denn ertragen, ohne uns zu schämen, und Spaß daran zu haben, die Flasche Olivenöl nochmals um einen Euro billiger bei Lidl oder Aldi gekauft zu haben, ohne zu begreifen, dass es die Bauern sind, in Griechenland, auf Sizilien oder in Anatolien, die dafür nicht mehr überleben können; wie viel Dummheit braucht es eigentlich noch, um zu begreifen, dass ein Kilo Mehl zu 49 Cent nur noch unter Bedingungen angebaut werden kann, nicht nur in der Dritten Welt, sondern vor unserer Haustür, unter Bedingungen, die unseren Kindern keine Schöpfung mehr lassen wird. Aber dann im Lodenanzug zu den Kastelruther Spatzen und das Heimatlied anstimmen.

Teufelskreis ? nicht nur in der Dritten Welt, sondern auch bei uns.
Von Kultur ist nur noch im Englischen, Französischen, Italienischen die Rede bei dem, was mit Nahrung zu tun hat - agriculture, agriculture, agricoltura - Landwirtschaft heißt konsequent das deutsche Wort. Eben! Wirtschaft. Sonst nichts. Ein System das tötet.
Vier von zehn Bauern haben aufgegeben in Baden-Württemberg, zwischen 1986 und 96 ? die Zahl steigt; ein Drittel der Höfe werde überleben, rechnete die vorige Landwirtschaftsministerin Staiblin. Damit stirbt nicht nur eine Kulturlandschaft, die Natur, Sortenvielfalt und Wissen, was daraus hervorgeht ist noch einmal tödlich:
Es überlebt ein Agrobusiness, das nicht nur ökologisch ein täglicher Dolchstoß gegen die Schöpfungsvielfalt ist, sondern gegen die Kleinbauern der Dritten Welt:
ein Agrarsystem, das Überschüsse produzieren muss - anders funktioniert es nicht.
Die werden mit Milliarden subventioniert - Fleisch, butter oil, Milchpulver, Weizen.
Mehr als das Dreifache der jährlichen sogenannten Entwicklungshilfe geht in Agrarexporte, die Millionen von Kleinbauern, Viehzüchtern in den Ruin treiben - weil sie mit ihrem Sorghum, ihrer Milch, ihrem Fleisch, ihren Fladen nicht wettbewerbsfähig sind gegen die “Hilfe” aus der EU, aus dem amerikanischen Weizengürtel. Sie werden in die Städte getrieben, in Elend, in Kriminalität, entwurzelt, verbittert - leichte Beute von Fundamentalisten.

Global denken, lokal handeln - ist nicht nur das Motto von attac, von Umweltbewegungen, sondern auch von kirchlichen Landfrauen, von Landjugendgruppen, die diesen Teufelskreis durchbrechen.
Und jeder von uns kann daran Teil haben: mit jeder Flasche regionalen Saftes, mit jedem Stück Käse, Butter und Fleisch, das klein- und mittelständische bäuerliche Strukturen erhält und wo nicht “alles Müller” drauf steht, verhindern wir, dass an unserer Milch die anderen sterben. Bewahren wir die Schöpfung.

Eine bessere, eine gerechtere, eine zukunftsfähige Welt ist möglich - aber sie wird uns nicht auf NeunLive und RTL geliefert werden. Wir werden um sie kämpfen müssen ? andere haben dies erfolgreich vorgemacht, haben sich von ihren Karrierefesseln befreit, haben sich auf die andere Seite begeben.
Einige hoffnungsvolle Beispiele von “oben”.
Der ehemalige Vizepräsident der Weltbank, Nobelpreisträger für Ökonomie, Joseph Stiglitz, - ausgestiegen. Sein Wissen stellt er nun Alternativen zur neoliberalen Globalisierung zur Verfügung;
oder Professor Mohammed Yusuf, Weltbank Executive, kehrte dieser Weltorganisation für Massenverarmung den Rücken und schuf eine der weltweit erfolgreichsten Banken für die Armen, die Ärmsten - für Frauen in Bangla Desh. Die Grameenbank. Heute ein Exportmodell für Kleinbanken, für Kooperativen in ganz Asien. Aus Millionen Kleindarlehen entstand ein alternatives Unternehmen:
Grameen Knitwear, “Saubere Kleidung”, Textilien aus sozial abgesicherten Produktionsformen;
oder der deutsche Topmanager Peter Eigen, ein Banker in Washington, bei jenem Bankmonster, das die blutigsten Diktatoren der Dritten Welt mit Krediten fütterte. Vor zehn Jahren stieg er aus, gründete in Berlin “transparency international”, eine Nichtregierungs-Organisation, die gegen die milliardenschwere Korruption antrat - und nun Beobachter, Informanten, Büros in der ganzen Welt unterhält - Milliarden an Korruptionsgeldern konnte inzwischen für alternative Ziele freigesetzt werden, multinationale Konzerne für eine neue Unternehmens-Ethik gewonnen werden.

Hoffnungsvoller aber noch als der Ausbruch aus den Teufelskreisen an der Spitze, die endlose Liste der NGOs, der NROs in aller Welt, die Widerstand leisten gegen die Zerstörung des Planeten - friends of the earth, SOS, save our seeds, BUND, Robin Wood oder Urgewald, die christlichen Basisbewegungen, im Geiste der Befreiungstheologie, die Landlosen und Straßenkindern, Kleinbauern und indigenen Minderheiten helfen, ihr Wissen zu bewahren, die Schulen gründen für ein alternatives, ein kollektives Wissen, ein angepasstes, Wissen das den Menschen dient, der Zukunft für die Armen, und nicht der Zukunft von Exxon und Halliburton, ITT und Chrysler.

Niemand kann behaupten, er könne “doch nichts ändern am Lauf der Welt” - jeder kann Zeit und Geld investieren in gerechte Produkte, in den Schutz unseres Planeten, mit jedem Joghurt, jeder Flasche Bier, jeder Erdbeere, die nicht durch halb Europa transportiert werden musste

Gerade das Internet dient Tausenden von alternativen Bewegungen als neue, rasend schnelle und billige Wissensquelle und als Vertrieb unterdrückter Wahrheiten - auch daran kann (inzwischen fast) jeder teilnehmen ? Luther hat seine Thesen noch an die Kirchentüren geschlagen - mit einem Klick können wir Hunderte von Emails mit alternativem, subversivem Wissen an Freunde in unserer Nähe, an Gruppen, vor allem in der Dritten Welt, verschicken. Wir müssen gegen die Murdochs und Berlusconis eine Gegenbewegung aufbauen.

Die Welt gehört uns, den weltweiten Koalitionen gegen die neoliberalen Gewinnmaximierer, für “global justice and peace”, für globale Gerechtigkeit und Frieden, und dies kann sehr lustvoll sein.
Denn wir können lachen und pfeifen, wenn wieder einer sich auf das Christentum beruft in C seiner Partei und Blutgeld von Waffenhändlern verschoben hat;
wir können mit unseren Füßen abstimmen, wenn ein Kardinal in Köln glaubt, dass die große Gefahr der Menschheit von Schwulen und Lesben komme, und nicht von den Christenbrüdern Bush & Wolfowitz, Blair & Rumsfeld.

Wer zwingt uns denn, Politiker zu wählen, ja überhaupt noch wahrzunehmen, die Frauenhäuser austrocknen und Bibliotheken, alternative Energieforschung und ökologischen Landbau, aber den Bau des Transrapid von der Münchner Innenstadt zum neuen Flughafen ? damit die Herren mit den Hermes-Köfferchen schneller zum nächsten Teufelsdeal kommen.

Hunderttausende haben wir bejubelt, als sie in Dresden und Leipzig ein verrottetes Regime mit ihrem Mut davon jagten.
Aber wo sind wir, mit Tomaten und Eiern, mit Pfeifen und, bitte schön, dem christlichen Parteibuch in der Hand, wenn in München mit Champagner der neue Eurofighter begossen wird?
In Israel haben junge Piloten gewagt, sich zu weigern Palästinensergebiete zu bombardieren - Unschuldige zu töten, die Spirale, den Teufelskreis der Gewalt wieder und wieder anzuziehen.
Und wir wagen es nicht, jenen Politikern den Zugang zu Schulen und Kirchen zu verweigern, die der Aufrüstung der EU zustimmen - und dem Wahnsinn jenes amerikanischen Fundamentalisten gleich - 674 Milliarden Euro hat sein “war against terrorism” seit dem legendären 11. September gekostet. Eine Schande für die zivilisierte Menschheit - was hätte man damit an Sozialprogrammen finanzieren können, an alternativen Arbeitsplätzen für eine verlorene Jugend in der Dritten Welt, und hätte sie damit dem Fundamentalismus entzogen.
Aber das sichert keine Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie.
Lernt endlich von den Lamas aus den Anden ? niemand spuckt sicherer als sie!

Allein machen sie dich ein ? ja, richtig. Aber gemeinsam sind wir stark -
Wir müssen unser Sektierertum überwinden, unsere Berührungsängste, vielleicht auch hin und wieder unsere Rechthaberei gegeneinander -
Die Welt gehört uns ? wir müssen werden wie ein Schwarm Moskitos - sie treiben des Nachts auch den Stärksten zum Wahnsinn und man kriegt sie nicht.
Ein alter Sponti-Spruch lautet - “wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt.”

Probieren Sie es mal aus ? Sie werden sehen, es macht Spaß!

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Wolfram Frommlet
Untere Breite Str 43, D - 88212 Ravensburg
Tel 0751-35 21 00 fax 35 21 09 mobil 0170-904 5206 www.frommlet-wolfram.de

Veröffentlicht am

08. November 2003

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