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26. April 1986: Super-GAU in Tschernobyl

Michael Schmid

Vor 17 Jahren passierte der Super-Gau in Tschernobyl. Der bis dahin unbekannte Name eines Ortes in der Ukraine wurde mit den katastrophalen Ereignissen in der Nacht zum 26. April 1986 zum Symbol für eine Energiepolitik, deren Gefahrenpotential untragbar ist. Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist die größte technische Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Ganze Landstriche sind seither radioaktiv verseucht. Zehntausende Menschen starben. Dabei schlug der Krebs (zuerst: Schilddrüsenkrebs) schleichend zu. Vor allem unter Kindern sind außer Krebserkrankungen auch epidemische Immunschwächen verbreitet. Kindersterblichkeitszahlen und Fehlgeburten stiegen in den betroffenen Gebieten der Ukraine, Weißrusslands und der damaligen Sowjetunion dramatisch an. Wie viele Krebs-Todesfälle in den nächsten Jahrzehnten mittelbar auf Strahlung oder Immunschwäche zurückzuführen sein werden, ist nicht abzuschätzen. Die Zahlen der bisherigen Todesopfer schwanken zwischen 10.000 und 250.000. Im “Tschernobyl Informationszentrum” vor Ort wird von bisher 100.000 Toten gesprochen.

Der 17. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl mahnt unerbittlich: Der Atomtod bedroht uns alle immer noch. Er bedroht auch zukünftige Generationen. Der Betrieb von Atomkraftwerken birgt ein “Restrisiko” von ungeheurem Ausmaß. Auch die angeblich sichere westliche Technik beinhaltet so große Risiken, dass sie sich weder moralisch noch politisch rechtfertigen lässt. Weder die Betreiber noch irgendeine Landes- oder Bundesregierung könnten tausende von Toten und ganze verstrahlte Regionen verantworten. Heute und in Zukunft müssen und können wir auf die Atomenergie verzichten. Die Atomanlagen in Deutschland sind sofort stillzulegen und nicht erst nach Jahrzehnten, wie es im “Atomkonsens” festgelegt worden ist. Es darf auch nicht auf ein zweites Tschernobyl in Brokdorf oder Biblis gewartet werden, bis entsprechende Konsequenzen gezogen werden.

Es ist wichtig, gegen den im “Atomkonsens” festgeschriebenen Weiterbetrieb von Atomkraftwerken zu opponieren und zu protestieren. Dabei akzeptiert die mächtige Atomlobby in Wirtschaft und Politik , welche einen neuen Kurs blockieren, noch nicht einmal diesen “Konsens” wirklich. Diesen Lobbyisten gilt es eine deutliche Absage zu erteilen.

Und wir sollten weiter für eine konsequente Umsetzung einer neuen Energiepolitik eintreten, welche neben der Einsparung an Energie auf der Nutzung der natürlichen Energiequellen Sonne, Wasser, Wind und Biomasse aufbaut. Eine solche Energiepolitik schwört weder Gefahren herauf wie die Atomkraft, noch trägt sie zur Klimakatastrophe und Gesundheitsgefährdung durch die Vergiftung der Umwelt bei. Sie verbraucht auch keine knappen und nicht erneuerbaren Rohstoffe wie Öl, Kohle, Gas und Uran. Deshalb muss sie auch nicht diese begrenzten Rohstoffquellen in aller Welt “verteidigen”, d.h. Angriffskriege führen wie jetzt die angloamerikanischen Invasoren dies im Irak taten. Die Verknappung der Ressourcen birgt ohne deutliche Energiewende die Gefahr militärischer Konflikte in sich. Dagegen ist die Nutzung erneuerbarer Energien nicht an wenige Lagerstätten gebunden, die Potenziale sind weit verbreitet und dezentral nutzbar. Ein konsequenter Wechsel zu erneuerbaren Energien wirkt sich friedensfördernd aus. Frieden durch die Sonne statt Krieg um Öl!

In Deutschland sind erste Ansätze zur Förderung alternativer Energien, wie Wind, Solar und Kraft-Wärme-Kopplung, durch das Erneuerbare-Energie-Gesetz gemacht worden. Von der Bundesregierung ist zu fordern, dass sie eine umfassende Mobilisierung erneuerbarer Energien zu ihrem strategischen Schwerpunktprojekt für eine nationale, europäische und internationale Politik des Friedens, des Umweltschutzes und der Versorgungssicherheit macht.

Jede und jeder kann für die erneuerbaren Energien aktiv werden. Wir alle können auch im privaten Bereich etwas tun, z.B. durch den Bau einer Solaranlage oder durch die Entscheidung für atomstromfreien Strom aus erneuerbaren Energien, z.B. der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) , von denen wir im Lebenshaus seit einiger Zeit unseren Strom beziehen. Die EWS, bundesweit auch unter dem Namen “Stromrebellen” bekannt, sind das erste Energieversorgungsunternehmen, das aus einer Bürgerbewegung hervorgegangen ist. Den “Stromrebellen” ist es nach jahrelangem Kampf im Juli 1997 gelungen, die Stromversorgung ihrer Gemeinde zu übernehmen, um modellhaft eine umwelt- und klimafreundliche Energieversorgung ohne Atomstrom zu verwirklichen. Seit Mitte 1999 bietet EWS bundesweit allen KundInnen ihren Markenstrom zu konkurrenzfähigen Preisen an.

Hinweise

>> Das Umweltinstitut München e.V. hat seine Studien zu den Folgen des bislang größten Unfalls in der Geschichte der Atomenergienutzung zusammengefasst. Sie werden aktuell zum Tschernobyl-Jahrestag vom Otto-Hug-Strahleninstitut veröffentlicht. Die Studien ergeben einen zeitlichen Zusammenhang zwischen radioaktiver Belastung der Schwangeren und Erhöhung der Sterblichkeit von Neugeborenen in Deutschland, Polen, der Ukraine und Weißrussland nach Tschernobyl. Mehr…

>> Zahlreiche Artikel und Hinweise rund um die erneuerbaren Energien finden sich z.B. auf den Websites von EUROSOLAR und Sonnenseite .

Veröffentlicht am

26. April 2003

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