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Das Totschlagsargument

von Andrea Noll - ZNet Kommentar 25.04.2003

Wenn es gilt, diesen Irak-Krieg zu verteidigen, ist Hitler ‘die Mutter aller Argumente’: “Wie wollt ihr mit eurer Friedensbewegung einen Diktator stoppen! Hitler konnte nur gestoppt werden, weil ihn damals die Alliierten besiegten und das deutsche Volk befreiten”. Ich möchte versuchen, diese Begründung aus deutscher Sicht zu entkräften.

“Nie mehr Faschismus, nie mehr Krieg!”

So lautet seit 1945 das Motto der deutschen Antifaschisten. Während der jüngsten Antikriegs-Proteste in Deutschland sah man sie häufig - Seite an Seite mit Demonstranten, die ihre Enkel oder Urenkel hätten sein können - , stolze alte Leute mit VVN-Abzeichen an ihren Mänteln, Abzeichen, die sie als Mitglieder der Organisation VVN/Bund der Antifaschisten auswiesen. Gegründet wurde die Organisation von deutschen Antifaschisten - Kommunisten, Sozialdemokraten, Juden, Christen - die das Hitler-Regime überlebten, einige im Exil, die meisten jedoch im KZ. Viele von ihnen wären heute nicht mehr am Leben, hätten die Alliierten Hitlers Armeen nicht bekämpft und schließlich besiegt. Wie kann es also kommen, dass ausgerechnet diese Überlebenden gegen den Krieg sind? Warum stellen sich 80-, 85- oder gar 90-jährige auf die Straße und protestieren gegen einen Angriffskrieg, den die Retter von einst (Amerika, Großbritannien) gegen einen irakischen Diktator führen?

Befreiung

Es geschah im April ‘45. Eine Bombe schlug in das Haus einer armen schwäbischen Bauernfamilie ein. In Panik rannte die Familie aus der Vordertür - die Mutter mit dem Baby auf dem Arm, der Vater und drei geistigbehinderte Jungen im Alter zwischen 6 und 12. Draußen warteten bereits die alliierten Tiefflieger. Ich frage mich, was Piloten denken, die eine komplette Familie mit Maschinengewehrfeuer niedermähen? Der Vater war auf der Stelle tot. Die Mutter überlebte schwerverletzt, das (nichtbehinderte) Baby erlitt einen Streifschuss am Kopf. Die drei behinderten Jungen, die sich instinktiv weggeduckt hatten, überlebten unverletzt. Sobald die Flugzeuge verschwunden waren, rannten die drei in Panik zum gegenüberliegenden Haus meines Großvaters, suchten Schutz in dessen tiefem, dunklem Keller. An dem Tag wurde unser Keller für sie zum Symbol für Schutz und Sicherheit. Ich bin in den 60gern geboren, aber solange ich denken kann, kamen jedesmal, sobald es donnerte, die ‘Jungs’, inzwischen erwachsene Männer, im Gänsemarsch über den Hof, klopften an die Tür und verschwanden mit schockgeweiteten Augen in unserem Keller: Blitz und Donner assoziierten sie mit dem Fallen der Bomben. Meine Mutter stammt aus einer christlich-antifaschistischen Familie. Als junges Mädchen terrorisierten die Nazis im Ort sie mit den Worten: “Warte, bis wir den Krieg gewonnen haben. Dann deportieren wir dich und deinen Bruder in unsere neuen Ostgebiete, dann werdet ihr Sklaven”. Ihr Bruder war zur Wehrmacht eingezogen. Er fiel in Frankreich. Ich frage mich, wieviele irakische Soldaten, die jetzt gefallen sind, Wehrpflichtige waren wie er, ohne Chance auf Desertation. Wieviele von ihnen wurden zur Armee gezwungen und starben in der Uniform eines Regimes, das sie hassten - wie mein Onkel. Der alliierte Luftangriff auf unser Dorf im April ‘45 erfolgte Wochen vor dem Ende des Kriegs in Europa. Weit und breit keine Militäreinrichtungen. Der Angriff war purer Bombenterror, Rache und Kollektivbestrafung für die Nazi-Terrorangriffe auf europäische Städte wie Rotterdam oder London. Man denke nur an das britische Coventry, gegen das 1940 einer der schlimmsten Nazi-Luftangriffe geflogen wurde. ‘Coventrisieren’ ging in den Wortschatz der Nazis ein - als Bezeichnung für eine massive Bombardierung ziviler Ziele (so gesehen wurden dieser Tage auch die Bewohner Bagdads und Hillahs ‘coventrisiert’). Aber was soll’s, könnte man sagen. Damals galt: Ihr killt unsere Zivilisten, wir killen eure. Der Unterschied ist: Die Alliierten wollten Deutschland angeblich ‘befreien’ - während die Nazis eben nur Nazis waren, Faschisten, für die Terror ein ganz normales Mittel zur Verfolgung ihrer imperialen Ziele war. Eine halbe Million deutscher Zivilisten überlebten ihre ‘Befreiung’ nicht. Im Irak dürften es jetzt mehrere tausend sein. Was ging in den Köpfen jener US-Soldaten vor, die vom Flugzeug aus Bomben auf schwäbische Dörfer abwarfen? Was dachten die Bordschützen, die Zivilisten Auge in Auge abknallten? Menschen, die aus ihren bombardierten Häusern flüchteten oder Brände löschen wollten. In unserem Dorf gab es keine Truppen, keine Flakabwehr. Und noch etwas ist äußerst irritierend: Die drei behinderten Nachbarskinder, die um ein Haar erschossen wurden, waren zuvor mit knapper Not Hitlers sogenanntem ‘Euthanasieprogramm’ entgangen (‘Euthanasie’ war damals der euphemistische Ausdruck für das ‘Vergasen’ schwerbehinderter Menschen). Während des Zweiten Weltkriegs starben in Großbritannien 62 000 Zivilisten (fast alle im deutschen Bombenhagel), in Frankreich waren es 470 000 Zivilisten, in der Sowjetunion 7 Millionen (!) Zivilisten, in Deutschland 500 000 Zivilisten. Also vergessen wir ‘Befreiung’. Befreiung war noch nie Motiv für eine Invasion. Im Falle Deutschlands / 1945 ging es um Rache, im Falle Iraks geht es um Macht und Öl. Um was wird es in Syrien gehen? Im Iran? In Nordkorea?

Massenvernichtungswaffen

Gleichfalls im Frühjahr 1945 - also nur Wochen vor Kriegsende in Europa - spielte sich im schwäbischen Haigerloch ein Hitchcock reifer Thriller ab. Haigerloch ist eine Kleinstadt, 5 km von meinem Heimatdorf entfernt. Es ging um Hitlers Atomwaffenprogramm - die ‘deutsche Bombe’ - vor der während des Kriegs alle Welt zitterte. Die Furcht, Nazi-Deutschland könnte als erstes Land Atomwaffen besitzen, wurde stets als Hauptmotiv für die Schaffung des sogenannten ‘Manhattan Project’ genannt (eine Gruppe Wissenschaftler, die die erste (amerikanische) Atombombe herstellen sollten). Das Projekt brachte im Sommer 1945 den gewünschten Erfolg; die ‘erste Atombombe’ wurde im August desselben Jahres an den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki ‘getestet’. Das deutsche Nuklearforschungsprogramm andererseits hatte einige der renommiertesten Wissenschaftler in Nazi-Sold (u.a. den Nobelpreisträger Werner Heisenberg). Das Projekt firmierte unter dem Kodenamen ‘Operation Epsilon’. Zuerst fanden die Forschungen in Berlin statt. Aber nachdem die alliierten Luftangriffe stärker wurden, verlagerte man die Laboratorien (inklusive eines kleinen Experimentalreaktors) in die Provinz - ins schwäbische Haigerloch (2000 Einwohner). Die ‘Bombe’ der Amerikaner war damals noch nicht produktionsreif. In dieser gefährlichen Zwischenphase beschloss Amerika, die sogenannte ‘Alsos Mission’ ins Leben zu rufen. Diese Sondereinheit, bestehend aus Wissenschaftlern, Militärs und CIA-Agenten, wurde beauftragt, das deutsche Atomprogramm unschädlich zu machen - um jeden Preis. Aber schon Winter ‘44 konnte Alsos vorsichtig Entwarnung geben. Man hatte in Straßburg und andernorts Dokumente sichergestellt, aus denen hervorging, dass das deutsche Atomprogramm mehr oder weniger ein Hype war. Wenn überhaupt, so würden Jahre vergehen, ehe Deutschland im Besitz von Atomwaffen war. Aber damit war die Gefahr noch längst nicht gebannt - zumindest nicht für Haigerloch. Am Ende des Kriegs änderte sich der Auftrag für ‘Alsos Mission’: Dokumente über das deutsche Atomprogramm bzw. dessen Material dürften auf keinen Fall in die falschen Hände geraten (d.h. in die Hände der eigenen alliierten Verbündeten, insbesondere nicht in die Hände Frankreichs oder (Gott bewahre!) Russlands). Ein Rennen um Haigerloch setzte ein. Würde es Alsos nicht gelingen, vor den französischen Besatzungstruppen dort zu sein, sollte die ganze Gegend vor Ankunft der Truppen in die Luft gejagt werden. Jede Spur von ‘Operation Epsilon’ sollte vernichtet werden - in welchem Fall ich wahrscheinlich nicht geboren wäre. Glücklicherweise kam es anders. Zwar stand die ganze Region bei Eintreffen der Alsos-Einheit bereits unter Kontrolle der französischen Besatzungstruppen, aber Haigerloch und den Atomkeller hatte man für Alsos ausgespart. Die Sondereinheit betrat als Erste und Einzige den Atomkeller, stellte Dokumente sicher und vernichtete anschließend den kleinen Reaktor. Die deutschen Wissenschaftler, die an dem Projekt beteiligt waren, nahm man fest. Aber warum hatte Amerika diese extreme Angst, das verbündete Frankreich könnte Einzelheiten über das deutsche Atomprojekt erfahren? Und, zweite Frage, warum wurde das amerikanische ‘Manhattan Project’ nicht umgehend gestoppt, als die Bedrohung durch deutsche Atomwaffen ausgeschaltet war? Weshalb brachte man die Forschung vielmehr zu Ende und ‘testete’ das Ergebnis an Japan? Die einzig plausible Antwort: Amerika wollte die einzige Macht auf Erden im Besitz einer Atomwaffe sein. Es ging also keineswegs darum, eine mögliche Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen auszuschalten, vielmehr war Ziel, diese Bedrohung zu monopolisieren - wobei wir wieder beim Irak wären. Wie ging die Sache weiter: Der Bombenabwurf auf Hiroshima war insbesondere für die Sowjetunion ein Schock. Eiligst wurde ein eigenes Atomprogramm auf die Beine gestellt - Geburtsstunde des heißen ‘Kalten Kriegs’. Aber was wäre geschehen, hätte Amerika es tatsächlich geschafft, das Wissen um die Atomspaltung dauerhaft zu monopolisieren? Kaum vorstellbar, welch unkontrollierbare Macht dies impliziert hätte.

Übrigens: jene von ‘Alsos Mission’ verhafteten deutschen Wissenschaftler, die an ‘Operation Epsilon’ beteiligt waren, wurden nach England transferiert, wo man sie sehr feudal in einem Landhaus bei Cambridge (Farmhall) unterbrachte. Dort wurden sie vom amerikanischen und britischen Geheimdienst mehr befragt denn verhört, die Aufenthaltsräume verwanzt. Zweck der Übung: Man wollte wissenschaftliche Informationen über das deutsche Atomprogramm gewinnen; diese sollte dazu beitragen, die amerikanische Atombombe fertigzustellen. Keiner dieser Wissenschaftler auf Hitlers Lohnliste wurde je bestraft (man darf gespannt sein, wie in dieser Hinsicht mit den irakischen WMD-Wissenschaftlern verfahren wird). Nach einem halben Jahr ‘Kavaliershaft’ entließ man die deutschen Wissenschaftler in die süße Freiheit, wo sie weiter an ihren Karrieren basteln konnten. Die gleiche Logik übrigens, die Wernher von Braun im Jahr 1955 die amerikanische Staatsbürgerschaft verschaffte. Von Braun, der später als ‘Vater des amerikanischen Raketenprogramms’ berühmt wurde, war immerhin bis 1945 Mitglied der SS und was vielleicht noch schlimmer ist, Möchtegern-Vater von Hitlers hochgejubelter ‘Wunderwaffe’ V-2. Aber kommen wir nun auf die eigentlichen Täter zu sprechen, die wirklichen Nazi-Schweine. Ungefähr zur gleichen Zeit, als die verhinderten Haigerlocher Atomwissenschaftler nach England eskortiert wurden, um “Gäste ihrer Majestät König George VI” zu sein, traf meine drei behinderten Nachbarn die gerechte Kollektiv-Strafe. Sie wurden Opfer jenes traumatischen alliierten Luftangriffs, bei dem ihr Vater umkam und die Mutter schwerverletzt wurde.

Hitlers Helfer

Zurück zur Ausgangsfrage: Wäre Hitler auch ohne militärische Gewalt zu stoppen gewesen? Ganz sicher - zumindest in den ersten 6 Jahren seiner Herrschaft, vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Frage, warum hat man ihn nicht gestoppt? Antwort: Tyrannen, wie Hitler oder Saddam Hussein sind keine Außerirdischen, sie fallen nicht vom Himmel. Hitler wurde aufgebaut - politisch wie ökonomisch. Hitler hatte mächtige Freunde und einflussreiche Helfer an höchster Stelle - dito Saddam. Über Amerika schreibt ZNet-Autor Paul Street in seinem Essay “Wer ist hier ‘undankbar’?” (ZNet, 20. Februar 2003) “… dass es die USA zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg durchaus nicht ungern sahen, wie sich das Dunkel des Faschismus über Europa senkte”. Schließlich betrachtete man die faschistischen Parias (Hitler, Mussolini, Franco, etc.) als durchaus nützliches Gegengewicht zum Sowjetkommunismus - den damals viele als die eigentliche Bedrohung ansahen. Und dann war da ja noch Chamberlains ‘Appeasement-Politik’. Hitlers wichtigste Freunde allerdings befanden sich innerhalb Deutschlands. Man könnte von ‘Konzern-Faschismus’ sprechen, zumal viele große deutsche Firmen aktiv in Hitlers Verbrechen involviert waren, von ihnen profitierten und auch Hitlers Imperial-Agenda teilten. Ein berühmter Nazi-Ausdruck lautete: ‘Hart wie Krupp-Stahl’. Alfried Krupp bzw. seine Dynastie verfügten über ein riesiges Stahl- und Waffenimperium, ohne das Hitler seine Kriegsmaschinerie nie hätte aufbauen können. Nach dem Krieg fand sich Alfried Krupp auf der Anklagebank von Nürnberg wieder, wo er schuldig gesprochen und zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde - wundersamerweise ‘amnestiert’ kehrte er aber bald wieder auf den Chefsessel seiner Krupp-Werke zurück (heute: Thyssen-Krupp-Steel). Auch Hitlers wichtigste Munitions- und Waffenschmiede, die Oberndorfer Mauserwerke (Ableger: Heckler & Koch), überstand die Entnazifizierung seltsamerweise unbeschadet. Und ich bin sicher, die bewährten ‘Produkte’ Marke Oberndorf haben auch in diesem Irak-Krieg wieder - auf allen Seiten - eine entscheidende Rolle gespielt. So gut wie alle größeren deutschen Firmen in den 30gern waren involviert in das Nazi-Regime. Daher die Frage: Warum gab es nie einen wirklichen, konsequenten und internationalen Boykott gegen deutsche Firmen und deutsche Banken? Warum wurde hier nicht konsequent der Hebel angesetzt, um das faschistische Regime zu stürzen? Zumindest die Juden wären so zu retten gewesen (die Judenverfolgung in Deutschland setzte schon kurz nach Hitlers ‘Machtergreifung’, also 1933, ein). Menschenrechte scheinen jedoch nur zu zählen, wenn sie sich mit den eigenen pragmatischen Interessen decken - siehe Saddam. Und noch eine unbeantwortete Frage: Warum hat das (westliche) Ausland die deutschen Antifaschisten nie konsequent unterstützt? Viele Antifaschisten hatten ja versucht, Hitler von innen zu stoppen - später vom Exil aus. Liegt es daran, dass handfester Widerstand gegen Hitler vor allem Sache der Linken war? Das westliche Ausland schreckte davor zurück, antifaschistische ‘Rote’ zu unterstützen. Das ging so weit, dass deutsche Sozialisten und Kommunisten, die im Ausland Zuflucht suchten, nach Deutschland abgeschoben und somit in den sicheren Tod deportiert wurden.

Es besteht kein Zweifel: Hitler wäre vor dem Krieg nichtmilitärisch zu stoppen gewesen - vom Ausland her bzw. aus Deutschland. Als er in Polen einfiel, stand man natürlich vor einer anderen Lage. Aber selbst wenn man akzeptiert, dass nach 1939 nur noch militärischer Widerstand gegen Hitler möglich war, bleibt die Frage: Kann man Hitler mit Saddam Hussein vergleichen? War Milosevic oder die Taliban mit Hitler vergleichbar? Was ist mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong II, was mit dem Regime in Iran oder mit Syriens Assad? Keine dieser Schmalspurdiktaturen hat sich je imperial hervorgetan. In diesem Sinne ähnelt George Bush Hitler wesentlich mehr als es Saddam Hussein tat (wenngleich ich Bush nicht ernsthaft mit Hitler vergleichen möchte: erstens ist Amerika kein faschistischer Staat, und zweitens würde Bush nicht aus rassistsischem Hass 7 Millionen Juden ermorden). Im Zweiten Weltkrieg versuchten die Alliierten, einen Imperialisten zu stoppen, der mit dem Motto antrat: “Heute Deutschland und morgen die ganze Welt”. Saddam hingegen hat nie imperialistische Ziele verfolgt. Im Jahr 2003 stellte er noch nicht mal mehr eine Bedrohung für die Region dar. Dieser jüngste Krieg ist vielmehr Produkt einer amerikanisch-britischen Imperial-Agenda, und ich bin sicher, sie werden es nicht dabei belassen. Schon jetzt bedroht man Syrien mit demselben diffusen Totschlagsargument: Massenvernichtungswaffen. Die klugen alten Leute von der VVN wissen es aus erster Hand, mussten es leidvoll erfahren: Schiebt man (faschistischer?) imperialer Gier keinen Riegel vor, führt dies zum Krieg. Kriege produzieren Imperien und Imperien Krieg. In diesem Sinne: ‘Nie mehr Faschismus, nie mehr Krieg’.

Der Luftangriff auf unser Dorf ist jetzt genau 58 Jahre her. Einer der ‘Jungs’ aus der Nachbarschaft lebt noch immer im elterlichen Haus. Inzwischen ist er über 70 und das Trauma, das er erlebt hat, 60 Jahre her. Aber meine Mutter erzählt: Sobald ein Gewitter am Himmel steht, kommt er nach wie vor über den Hof gerannt, um sich zu verstecken. Die Wunden des Kriegs heilen nie.

Quelle: ZNetDeutschland vom 25.04.2003. Orginalartikel: “The Killer Argument”

Veröffentlicht am

25. April 2003

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