Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Es gibt nicht nur die Alternativen Krieg oder einfach weiter die Duldung der Diktatur Saddam Husseins

Michael Schmid, in: Rundbrief des Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. Nr. 36, März 2003.

Im Moment leben wir in einem aufreibenden Schwebezustand am Rande einer Militärinvasion in den Irak. Es deutet leider viel darauf hin, dass das blutige Gemetzel in Kürze bereits begonnen wird. Eine schwere Zeit. Und gleichzeitig eine sehr hoffnungsvolle. Denn das hat es ja in der Menschheitsgeschichte überhaupt noch nie gegeben: eine derartig große, phantastische weltweite Antikriegs- und Friedensbewegung - und das, bevor der Krieg überhaupt begonnen worden ist! Diese beispiellose internationale Bewegung hat gemeinsam mit zufälligen weltpolitischen Konstellationen der Bush-Regierung schon ganz schön zugesetzt. Die New York Times schrieb nach dem großartigen Antikriegsereignis “15. Februar” davon, es gebe nun zwei Supermächte: die USA und die weltweite öffentliche Meinung gegen den Irak-Krieg. Hoffen wir, dass letztere genügend Stärke zeigt, um die bisherige Weltmacht Nr. 1 in ihrem Kriegskurs zu bremsen.

Aber wenn dies nicht gelingen, wenn ein unmoralischer und verhängnisvoller Krieg geführt werden sollte, gerade dann wäre es wichtig, mit Protest und Widerstand nicht aufzuhören.

Sagte ich Krieg? Von “Krieg” zu sprechen trifft nicht den Tatbestand dessen, was gegen den Irak geschehen wird! Denn wenn im Namen der “Zwangsabrüstung” eines Regimes, das heute so geschwächt ist wie nie zuvor, eine erneute Militäraktion an dem geschundenen, dezimierten und gänzlich verarmten irakischen Volk vollstreckt werden sollte, dann wäre dies ein Akt ungeheurer Barbarei. Es ist geplant, zum Auftakt eines Irak-Krieges “an einem Tag” 300 bis 400 Marschflugkörper und insgesamt 8.000 sich selbst lenkende Bomben und Raketen abzufeuern - und damit mehr als im gesamten Golfkrieg 1991. Das kann nicht mehr als “Krieg” bezeichnet werden, vielmehr sind “Abschlachtung aus der Luft” und “Massenmord” an einem wehrlosen Volk die korrekten Begriffe. Wer dies betreibt, wer solche Massenvernichtungen vorbereitet, durchführt und unterstützt, ist ein Terrorist oder bildet mit anderen eine terroristische Vereinigung!

Das Lebenshaus ist stark beteiligt an den Antikriegs-Aktivitäten. Sei es an Demonstrationen wie in Berlin, Stuttgart, Kehl, Tübingen, Oberndorf, etc., sei es an wöchentlich von uns organisierten Mahnwachen in Gammertingen. (…)

Wenn ich sehe, zu welchen nächtlichen Zeiten manche FriedensarbeiterInnen ihre Emails versenden, dann geht es wohl vielen ähnlich wie mir: die nächtlichen Schlafzeiten haben sich in den vergangenen Wochen auf ein Minimum reduziert. Wir wollen alles tun, was in unseren Kräften steht, um das drohende Blutbad möglichst noch verhindern zu helfen. Doch gleichzeitig gilt es sich einzuüben in Geduld und Bescheidenheit. Denn wir können ja mit unserem eigenen Handeln nicht alles bewirken, was wir gerne möchten. So kann es ohne weiteres sein, dass der jetzige Protest zu spät kommt, um eine auf Hochtouren rollende Kriegsmaschinerie von ihrem grausamen und mörderischen Tun abzuhalten.

Gerade weil kurzfristige Erfolge in diesen Fragen nur selten zu erringen sind, kommt es auch darauf an, das Engagement für Frieden und Gerechtigkeit so langfristig anzulegen, dass wirklich eine neue Welt möglich wird. Es gilt Strukturen zu überwinden, die sich der direkten oder indirekten Gewalt bedienen. Es gilt, sich für die dafür notwendigen tief greifenden Veränderungen einzusetzen, sie auch möglichst im eigenen Leben zu praktizieren. Mit dem Lebenshaus Schwäbische Alb haben wir uns dieser langfristigen Friedens- und Gerechtigkeitsarbeit verschrieben.

Vor rund fünf Jahren haben wir eine aus dem Irak stammende Familie kennengelernt, mit der wir seither freundschaftlich verbunden sind. Nizar Rahak war gemeinsam mit seiner Frau zehn Jahre im Widerstand gegen das Regime Saddam Husseins. Schließlich blieb nur noch die Flucht. Vor 13 Jahren kamen sie nach Deutschland. Im Gegensatz zu verschiedenen Exil-Irakern, welche sich nun im deutschen Fernsehen und in Zeitungen für eine Militärinvasion der USA in den Irak aussprechen und sich bei dieser Forderung auf die irakische Bevölkerung beziehen, die dies angeblich in ihrer großen Mehrheit auch so wolle, lehnt Nizar dies entschieden ab. Er möchte nicht, dass der Irak durch die USA “befreit” wird (siehe hierzu das Interview “Wir wollen weder den schlimmen Diktator, noch den fürchterlichen Befreiungskrieg der USA!” ).

Nicht zuletzt durch Erzählungen unserer irakischen Freunde wissen wir um die grausame Diktatur von Saddam Hussein. Um also keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen: unser Engagement gegen das von den USA geplante Blutbad ist kein Wegsehen vor den schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen des Diktators. Aber es gibt nicht nur die Alternativen Krieg oder einfach weiter die Duldung der Diktatur Saddam Husseins. Es geht darum, die Diktatur durch zivile Mittel zu überwinden!

Veröffentlicht am

13. März 2003

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