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Der “Sieg” der Alliierten

Was wir voraussehen, trifft selten ein.
Was wir am wenigsten erwarten,
das geschieht meistens.

Benjamin Disraeli
Quelle: Auf den Spuren der Weisheit
Gedanken für jeden Tag des Jahres aus den Religionen der Welt
Für 10. April


Ein Sieg ist kein Grund für laute Freude;
Wer sich dennoch über einen Sieg freut,
der hat auch Freude am Töten von Menschen.
Wer Freude hat am Töten von Menschen,
kann sein Ziel in der Welt nicht erreichen.

ein Krieg ist vergleichbar mit einem Begräbnis.
Wenn viele Menschen getötet werden,
sollte man sie mit Tränen des Mitleids beweinen.
Aus diesem Grund lässt sich ein Sieg im Krieg
Mit einem Begräbnis vergleichen.

Lao Tse im 31. Kapitel von Tao Te King

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Der “Sieg” der Alliierten

Von Werner Dierlamm

Bagdad hat sich wider Erwarten ohne schweren Häuserkampf ergeben. Noch vor wenigen Tagen hörte ich Militärhistoriker sagen, das hätte es noch nie in der Geschichte gegeben, dass eine Millionenstadt erobert wurde. Ich dachte allerdings an Berlin 1945 und auch an Moskau 1812, das von den Russen gegen Napoleon nicht verteidigt wurde.

Der dritte Golfkrieg sei noch nicht zu Ende, heißt es. Was bisher geschah, war schrecklich - mit vielen Opfern unter den Zivilisten und Soldaten des Irak, deren Zahl noch niemand kennt. Wie es weitergeht, was noch kommt, kann wiederum niemand mit Sicherheit voraussagen.

Aber schon gestern, am 9. April 2003 wurde Bagdad eingenommen, das Standbild von Saddam Hussein von seinem Sockel gestürzt und ein großer Sieg gefeiert. Das von den einen erhoffte, von den anderen gefürchtete neue Vietnam, Stalingrad oder Waterloo hat es für die Alliierten nicht gegeben.

Präsident Bush und seine Leute, Rumsfeld, Cheney, Wolfowitz, Condoleezza Rice, haben viel Anlass bekommen, zu triumphieren. Die Friedensbewegung kann eingestehen, dass sie eine Niederlagen erlitten hat und manche Voraussagen nicht eingetroffen sind. Sie konnte den Ausbruch des dritten Irak-Krieges trotz gewaltiger, weltweiter Demonstrationen nicht verhindern und sie muss sich von Kommentatoren sagen lassen, der befürchtete GAU sei nicht eingetreten: weder hätte es die angesagte Umweltkatastrophe gegeben noch den erbitterten Häuserkampf um Bagdad noch stünde jetzt der ganze Mittlere Osten in Flammen, vielmehr begrüße die Bevölkerung ihre Befreier. Wir können über den Sieg der Alliierten nicht jubeln, denn er ist mit mörderischen Waffen auf grausame Weise zustande gekommen. Wir können aber trauern mit allen Familien, die Angehörige verloren haben, es seien Zivilisten oder Soldaten im Irak oder in den USA oder in England. Wir können uns freuen mit den Menschen im Irak, dass sie einen brutalen Diktator losgeworden sind. Wir können mit ihnen hoffen, dass ihre Zukunft besser wird als ihre Vergangenheit war.

Das Wichtigste ist, dass wir nicht vergessen, wie dieser Krieg unter Bruch des Völkerrechts zustande kam und dass sein eigentliches Ziel nicht die Zerstörung von Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein und nicht die Befreiung des unterdrückten irakischen Volkes war, sondern die Kontrolle der Ölfelder und des Ölgeschäfts und der weitere Ausbau der Weltherrschaft der USA. Das Wichtigste ist, dass die andere Großmacht, nämlich die “Großmacht der öffentlichen Meinung” (New York Times), die am 15. Februar 2003 in Erscheinung trat, ihre Argumente gegen diesen Krieg nicht vergisst, die noch immer gültig sind. Das Wichtigste ist, dass die weltweite Friedensbewegung nicht aufhört, für eine wirkliche demokratische Friedenspolitik einzutreten, in der Leute wie George W. Bush und Saddam Hussein keine Macht mehr in die Hand bekommen und die Zukunft unserer Kinder und die Geschicke der Menschheit nicht mehr bestimmen dürfen.

Werner Dierlamm 10. April 2003

Veröffentlicht am

10. April 2003

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