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Ein immenses Blutbad ist vorprogrammiert

Von Michael Schmid

Der Beginn der Militärinvasion in den Irak war nicht mehr zu stoppen. Obwohl sich weltweit Millionen und Abermillionen Menschen in bisher nicht bekanntem Umfang gegen den Krieg engagierten, konnte der Feldzug nicht verhindert werden. Er war von der US-Administration von langer Hand geplant worden. Jetzt wird das verbrecherische Abschlachten des irakischen Volkes eiskalt durchgezogen.

Hatten in den ersten Tagen die amerikanischen und britischen “Erfolgsmeldungen” dominiert, die einen “schnellen” und “sauberen” Sieg im Blitzkrieg suggerierten, so wurde am gestrigen Sonntag erstmals militärischer Widerstand der Irakis sichtbar. Allerdings ist trotz TV-Dauerberichterstattung den Bildern und Berichten alleine kein Glaube zu schenken. Die Süddeutsche Zeitung stellt in ihrer Ausgabe vom heutigen 24.3.03 fest, es “läuft auf den Bildschirmen der Welt eine bunte Schlacht der Lügen, eine Inszenierung des Kriegs als tägliche Abenteuer-Serie, in der sich Reporter quotensteigernd mit Gasmasken zeigen oder doch mindestens mit Stahlhelm”.

Vom Ausmaß des Verbrechens, das angerichtet worden ist, werden wir, wenn überhaupt, erst nach Kriegsende erfahren. Klar ist, das bereits angerichtete Blutbad wird unvorstellbare und noch viel furchtbare Ausmaße annehmen, wenn der Krieg nicht sofort beendet wird.

Leo Gabriel aus Wien, Organisator des europäischen Teils der Friedensmission “in letzter Minute”, an der sich auch bekannte Aktivsten aus den Philippinen, Thailand, Indonesien, Indien und Pakistan beteiligten, hat am 15. März 2003 folgende Einschätzung im Telegrammstil aus Bagdad übermittelt:

“1) Den Irak in der derzeitigen Verfassung militärisch besiegen zu wollen ist ein wahnsinniges Vorhaben. Im Süden können Bodentruppen relativ rasch vorrücken, aber über Bagdad müßte schon eine Wasserstoffbombe abgeworfen werden, um diese Festung von 5 Millionen Einwohnern einzunehmen.

2) Wenn Bush & Blair das trotzdem tun, dann müssen sie mit Vietnam II rechnen. Denn so sicher wie sie aus der ersten Phase als Sieger hervorgehen werden, so sicher ist auch der guerra popular prolongada (verlängerter Volkskrieg), der darauf folgen wird.

3) Das hat weniger mit der militärischen Stärke der irakischen Armee zu tun, als mit der Verteidigungsstrategie: es wird in der zweiten Phase einen Territorialkrieg geben, wo jeder Meter mehrfach kontrolliert ist. Man steigt auf jedem beliebigen Fleck im Land aus dem Auto aus und innerhalb von Sekunden sind Militärs, Baath-Parteigänger und Sicherheitsbeamte zur Stelle.

4) Das diktatorische System ist durch die US-Aggression gestärkt worden. Der Zusammenhalt der Bevölkerung ist (mit Ausnahme der Gebiete im Norden) größer denn je.

Das alles bedeutet nichts Gutes: ein immenses Blutbad ist vorprogrammiert.”

Soweit Leo Gabriels Einschätzung direkt aus Bagdad, unmittelbar bevor die Invasion begonnen wurde (entnommen dem E-RUNDBRIEF Nr. 8 - Maerz 2003 des Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit, Bad Ischl).

Angesichts des mörderischen Wahnsinns müssen Protest und Widerstand weitergehen! Es ist erfreulich, daß auch nach dem “Tag X” Millionen Menschen weiter auf die Straßen gehen. Es gilt überall und bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf hinzuwirken, damit dieser Krieg schnellstens beendet wird. Weiter gilt es die USA dazu zu bringen, dass sie ihre weiteren Planungen für den nächsten Angriffskrieg gegen sogenannte “Schurkenstaaten” aufgibt. Und schließlich kommt es entscheidend darauf an, sich mit langem Atem und mit brennender Geduld langfristig dafür zu engagieren, dass Gewalt überwunden, Frieden entwickelt, soziale Gerechtigkeit hergestellt wird und eine ökologisch verträgliche Lebensweise um sich greift.

Veröffentlicht am

24. März 2003

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