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Kinderkrebs um Atomkraftwerke - Erfolg der Protestaktionen

Pressemitteilung des Arbeitskreis Atomenergie der IPPNW vom 19.03.03 __________________________________________________________________

Die Öffentlichkeitskampagne der IPPNW aus dem Jahr 2001 mit über 10.000 Protestbriefen zum Thema Kinderkrebs um Atomkraftwerke hat konkrete Spuren hinterlassen und ein neues wissenschaftliches Forschungsvorhaben hervorgerufen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erklärt heute auf Ihrer Homepage, dass die Studie “Kindliche Tumoren in der Umgebung westdeutscher Leistungsreaktoren” begonnen habe. Am 18.03.03 hatte dazu ein neu benanntes Expertengremium zur Studienbegleitung getagt. Absolut neuartig und ungewöhnlich für Forschungsvorhaben dieser Art ist, dass es gelungen ist, nicht nur wissenschaftliche Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, sondern auch mit extrem unterschiedlichen Auffassungen konstruktiv gemeinsam einzubinden.

Zur Erinnerung: Nach Veröffentlichung einer von der Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW initiierten Untersuchung durch Dr. Körblein im Februar 2001 und einer anschliessenden umfangreichen Information der Öffentlichkeit entstand eine breite Protestbewegung mit über 10.000 Protestbriefen aus der Bevölkerung an Politiker und Behörden. Im Juli 2001 räumte das BfS erstmalig die Tatsache einer erhöhten Kinderkrebsrate in der Umgebung von Atomkraftwerken ein und gab der Forderung der IPPNW nach, die Ursachen weiter abzuklären. Im weiteren Verlauf kam es zwar zu einer Reihe von Verzögerungen, aber es gelang trotz mancher kontroverser Diskussion der o.g. Studienbeginn. Beauftragt wurden vom BfS eine Forschergruppe um das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz.

Die zentral zu klärende Frage dieser neuen Untersuchung ist: “Haben die radioaktiven Emissionen, die im Grunde von jedem Atomkraftwerk ausgehen, ursächlichen Einfluss auf die Häufung von Kinderkrebserkrankungen, die im Nahbereich der Atomkraftwerke festgestellt wurde ?”

Dafür werden zwei, sich ergänzende Fall-Kontroll-Studien begonnen. Darüber hinaus soll eine Machbarkeitsstudie zu angeborenenen Fehlbildungen bei Kindern in der Umgebung von Atomkraftwerken durchgeführt werden. Erste Ergebnisse sollen Ende 2004, bzw. Anfang 2006 vorliegen.

Ausgangspunkte der vorausgegangenen kontroversen Diskussion waren folgende Studien: · Die Studie des Mainzer Institutes für Medizinische Statistik und Dokumentation (IMSD) zu Krebsraten bei Kindern um die 20 Standorte von kerntechnischen Anlagen (KTA) in Deutschland. 1997. Diese Studie ergab nach Interpretation der Verfasser keinen auffälligen Befund und so sah das IMSD in dieser Frage keinen weiteren Forschungsbedarf mehr. · Die Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zu Krebsraten bei Kindern für 5 bayerische Standorte kerntechnischen Anlagen (KTA) 1995. Auch sie ergab nach Meinung der Autoren keine Auffälligkeiten bei kindlichen Krebsfällen.

In Reanalysen beider Studien konnte jedoch unter Verwendung des selben Datenmaterials signifikant erhöhte Kinderkrebsraten nachgewiesen werden, wenn nur die Atomkraftwerke untersucht wurden, die mit hoher atomarer Leistung viel Strom produzierten. Am höchsten war die Kinderkrebsrate am Standort des AKW Gundremmingen, Deutschlands grösster Siedewasser-Reaktor-Anlage. Unter Verzicht auf die “verdünnenden” Daten kerntechnischer Anlagen (KTA), die nur wenig atomare Leistung erbracht hatten, erhielt man signifikant erhöhte Kinderkrebsraten.

Internet
www.ippnw-ulm.de
www.ippnw.de

Kontakt
Reinhold Thiel
Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, Regionalgruppe der IPPNW 07346-8407 (8169)

und
Henrik Paulitz
Koordinator für Atomenrgiefragen in der IPPNW
06221-758877

Veröffentlicht am

19. März 2003

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