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“Die Bomber kommen - und wir sind ohne jeden Schutz !”

Basrah: Dramatische Lage für die Bevölkerung im südlichen Irak

Pressemitteilung von Elias Bierdel, Cap Anamur


Köln, 18.03.2003: Wenn die Sirenen heulen, läßt man sich am besten nichts anmerken. Schließlich gehören die alliierten Luftangriffe innerhalb der südlichen “Flugverbotszone” seit mehr als 10 Jahren zum Alltag. Kaum jemand kümmert sich darum, wenn die Bomber über die Stadt jagen.

Am Freitagmorgen werden wir gegen 6 Uhr vom dumpfen Grollen der Detonationen geweckt. Später erfahren wir, daß eine Stellung der irakischen Armee nahe der Stadtgrenze getroffen wurde. Mehr als hundert Soldaten sollen getötet worden sein. Eine Woche zuvor waren die Bomben mitten in der Stadt eingeschlagen. Immer wieder gibt es auch Tote und Verletzte unter der Zivilbevölkerung.

Wir sitzen in der winzigen Wohnküche von Edita und trinken Tee. Ihre vier Töchter, zwischen 8 und 12 Jahre alt, haben dunkle Ringe unter den Augen. “Sie schlafen schlecht”, erklärt die Mutter. “Seit auch in unserer Nachbarschaft bombardiert worden ist, weiß ich nicht mehr, wie ich die Kinder trösten soll.” Sie zeigt uns ihre Vorräte. Es sind ein paar Flaschen Wasser, ein Sack Reis, Mehl und etwas Zucker. Zum Abendbrot gibt es heute ausnahmsweise eine Tomate für jedes der Mädchen.

Wieder heult die Sirene los. Hans-Joachim Witzel, der Chirurg in unserem Team, erinnert sich an seine Kindheit: “Damals ging es dann immer ab in den Bunker.” Aber für die Menschen in Basrah gibt es keine Bunker, nicht einmal Keller. Der Grundwasserspiegel ist zu hoch. Die Stadtbevölkerung, weit mehr als eine Million Menschen, ist deshalb jedem Angriff vollkommen schutzlos ausgeliefert.

Am Abend trifft sich die kleine Christengemeinde zum Friedensgebet in der kaldäisch-katholischen Kirche. Bischof Gabriel Kassab spricht in seiner Predigt von einem “göttlichen Wunder”, auf das man nun hoffen müsse. Und er erinnert an die Kuba-Krise 1962. Damals habe der Papst auch alle Christen zum Friedensgebet aufgerufen - und der große Krieg sei noch einmal abgewendet worden. Die Gemeinde singt inbrünstig ihre Lieder. Der Organist, der sie begleitet, ist Soldat der irakischen Armee. Die Woche über hat er sich mit seiner Einheit im Wüstensand eingegraben - jetzt stimmt er auf dem Keyboard die uralten Choräle an. Ob sich der Krieg tatsächlich noch verhindern läßt? Die Nachrichten aus New York und Washington sprechen eine andere Sprache.

Zurück in Jordanien: In Rowajshid, einige Kilometer hinter der Grenze, entstehen die Lager zur Aufnahme irakischer Flüchtlinge. Wieviele werden es sein? Niemand kann das sagen. Nur eines ist klar: Die kleine staatliche Gesundheitsstation mitten im Ort wird den Ansturm nicht bewältigen können. Wir haben entschieden, dort die aus Deutschland mitgebrachte Chirurgie aufzubauen. In mehreren Großzelten entsteht eine Notfall-Ambulanz. Unsere Ärzte sind bereit, weitere können kurzfristig eingeflogen werden.

Veröffentlicht am

18. März 2003

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