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Wenn die mächtigsten Nationen der Welt beschließen würden, die USA mit Gewalt zu Fall zu bringen…

Jim Winkler, US-Amerikaner und Generalsekretär des Friedensausschusses der weltweiten Methodistenkirche (General Board Of Church and Society), hat die Berliner Erklärung der Kirchen mitinitiiert und jetzt in den USA auch die Europ. Kirchenführern in den USA empfangen und gemanaged. Er hat sich am 26. Februar 2003 in einer eindrucksvollen Erklärung erneut zu einem möglichen Krieg im Irak zu Wort gemeldet. Hier seine Stellungnahme:


“Die vorherrschende Annahme der Regierung in den Vereinigten Staaten ist, dass ein Krieg mit dem Irak unvermeidlich ist. Als Christ empfinde ich dies als unannehmbar. Viele von uns fahren fort, inbruenstig an einer friedlichen Loesung in dieser Krise zu arbeiten und sind an zahlreichen Gebetstreffen und Gottesdiensten, Maerschen und Versammlungen, Friedenskonferenzen und Besprechungen mit Regierungsbeamten beteiligt, um einen beabsichtigten Krieg abzuwenden.

Ich bin dankbar, dass die Schwestern und Brueder aus Europa dazu gekommen sind, solidarisch mit uns gegen einen Krieg zu sein. Vor zwei Wochen traf ich den deutschen Bundeskanzler Gerhard Schroeder, um seine Anstrengungen zu unterstuetzen, einen Krieg zu verhindern. Ich habe bei den Bemuehungen um ein Treffen von Religionsfuehrern mit dem Praesidenten Bush geholfen. Durch den Nationalen Rat der Kirchen waren mehrere von uns daran beteiligt, Treffen zwischen US-Kirchenleitern und Regierungsbeamten und Kirchenleitern im Irak, Grossbritannien, Deutschland, Russland, Frankreich und Italien zu arrangieren. Die einzige Regierung, die sich weigert, mit Kirchenleitern zu sprechen, ist unsere eigene.

Nichts, was ich von Jesus Christus verstehe, fuehrt mich dazu zu glauben, dass eine Unterstuetzung von Krieg und Gewalt notwendige oder tolerierbare Taten fuer Christen seien. Eines Tages werden Christen vor die Wahl gestellt sein, zu waehlen zwischen ihrem Glauben an Gott und dem Friedensfuersten und ihrer Bereitschaft, am Krieg teilzunehmen. Warum nicht heute? Krieg ist eine unmoralische Wahlmoeglichkeit. Dies bedeutet nicht, dass ich nicht fuer diejenigen bete, die sich freiwillig in den Dienst der Armee gestellt haben. Ich arbeite fuer den Frieden, so dass sie nicht toeten muessen oder moeglicherweise getoetet werden.

Die vorgeschlagene nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten stellt eine dunkle Vision des ewigen Kriegs dar. Die neue Doktrin eines Praeventivkriegs ist unmoralisch und eine Uebertretung der internationalen Gesetzgebung. Wir, die Jesus Christus folgen, koennen diesen Verlauf nicht unterstuetzen. Die Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten den Irak durch eine militaerische Invasion und die ganze Region in eine demokratische, pro-westliche Zone wieder herstellen koennen, ist eine Fantasie. Ich bin besorgt, wie wenig Amerikaner einen Sinn fuer den Nahen Osten und die islamische Geschichte und Kultur haben. Ganz gleich, wie verachtenswert Saddam Hussein ist, das irakische Volk will keinen US-Armeegeneral als ihren neuen Diktator, Vizekoenig oder Statthalter. Weiter verheisst der fast vollstaendige Mangel an Bereitschaft unserer Regierung, die urspruenglichen Ursachen fuer den israelisch-palaestinensischen Konflikt anzusprechen, nichts Gutes fuer die Besiedlung der ganzen Region.

Stellen Sie sich vor, wenn die maechtigsten Nationen in der Welt beschliessen wuerden, dass die Regierung der Vereinigten Staaten mit Gewalt zu Fall gebracht werden und durch eine auswaertige Herrschaft ersetzt werden muesste, weil wir gewaltige Mengen von Massenzerstoerungswaffen produzieren und besitzen wuerden, einen ungewaehlten Fuehrer haetten, die groessten Zerstoerer der globalen Umwelt waeren und weit mehr von den Ressourcen der Welt verbrauchen wuerden, als uns zustehn, uns mit verdeckten Aktionen beschaeftigen wuerden, die zum Sturz und zur Destabilisierung von souveraenen Nationen fuehren, unseren Reichtum an Reiche auf Kosten der Armen verteilten wuerden und eine gewalttaetige, rassistische Gesellschaft waeren. Selbst wenn dies alle wahr waere und eine Invasion berechtigt waere, um eine nahe bevorstehende Bedrohung fuer den Weltfrieden abzuwenden, wuerde sie ernsthaft unsere Gesellschaft verzerren und unsere Bevoelkerung daraus folgern lassen, dass wir ausserstande seien, unsere eigenen Probleme anzugehen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass eine solche Invasion Verzweiflung, Aerger und gewalttaetige Antworten bei unseren Leuten hervorrufen wuerde.

Weiter bin ich zutiefst besorgt wegen der Wirkung einer Invasion auf das irakische Volk. Die Haelfte der irakischen Bevoelkerung sind Kinder. Denken Sie ueber das nach. Die Vereinten Nationen haben ermittelt, dass 1,26 Millionen irakischer Kinder im Fall eines Kriegs in Gefahr sind. Unser Militaer beabsichtigt, in den ersten Tagen der Invasion Hunderte von Marschflugkoerpern einzusetzen. Ein militaerischer Sprecher ist zitiert worden, der sagte, dass es keinen sicheren Ort in Bagdad waehrend der Angriffe mit Marschflugkoerpern geben wird. Wir beabsichtigen, die Hoelle auf den Irak und auf all diese Leute, nicht nur Saddam Hussein, loszulassen. Ich habe mit irakischen Christen Gottesdienste abgehalten und bin durch die Strassen von Bagdad gegangen. Die Menschen im Irak sind nicht unsere Feinde.

Die Leute, die die fuerchterlichen Angriffe vom 11. September ausfuehrten, waren ernsthaft fehlgeleitet. Fundamentalismus in allen Religionen rund um die Welt ist eine gefaehrliche Kraft. Wir muessen die Organisationen und Fuehrer, die den Terrorismus unterstuetzen, vor Gericht bringen. Diese Art von Auffassungsvermoegen und die Polizeiarbeit sollten unterstuetzt werden. Ich bin vom Wunsch erfuellt, zu sehen, dass das Netz von Al-Qaida demontiert wird.

Mein Widerstand gegen einen Krieg ist zutiefst in meinem Glauben verwurzelt. Ich kann mich nicht zu Christus als meinen Heiland bekennen und gleichzeitig einen Praeventivkrieg unterstuetzen. Ich kann Jesus leugnen und Krieg unterstuetzen, aber ich werde es nicht tun. Mein Glaube an Gott, von einigen als unwissenschaftlich angesehen, ist echt und erfahrbar fuer mich. Mein Widerstand gegen einen Krieg ist nicht ein idealistischer Wunschtraum, sondern eine Antwort aus dem Glauben. Wir sind heute hier, weil uns Jesus einen besseren Weg gezeigt hat.”


Quelle: EMKNI (Schweizer methodistisches News-Team EMKN vom 11.3.2003) Email: emknews-redaktion@umc-europe.org Internet: http://www.umc-europe.org/sozialefragen .

Die Veröffentlichung auf dieser Seite erfolgt mit freundlicher Genehmigung der EMKNI-Redaktion

Kontaktperson zu Friedens- und Gerechtigkeitsfragen in Deutschland: Paul Gräsle, GFS-Sekretär der EmK Deutschland; Augelbaumstr. 12; 74211 Leingarten T. 07131/901221, Fax 07131/901222, Email: EmK.GFS.Graesle@t-online.de

Veröffentlicht am

13. März 2003

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