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Krieg ist auch Umweltzerstörung

Von Franz Alt

Ein Irak-Krieg bedeutet nicht nur den Tod von vielen Tausend Menschen, er bedeutet auch zusätzlich Klimabelastung und Umweltzerstörung. Schon der Aufmarsch von jetzt 100.000 US-Soldaten mit ihren Fahrzeugen und ihrem Kriegsmaterial setzt große Mengen an CO2-Treibhausgasen frei. Vielen Menschen sind noch die monatelang brennenden Ölfelder des letzten Golfkrieges in Erinnerung. Damals wurden 340.000 Menschen ermordet.

Soeben machte auch Klaus Töpfers UN-Umweltorganisation auf den fatalen Zusammenhang von Krieg und Klimakatastrophe aufmerksam: Mehr als zwei Jahrzehnte Krieg in Afghanistan haben nicht nur Millionen Menschen das Leben gekostet, sondern auch die Lebensgrundlagen von Millionen Überlebenden zerstört.

“Mehr als 80 Prozent des afghanischen Volks leben in ländlichen Regionen, und ihre wichtigsten Ressourcen sind Wasser für die Bewässerung sowie Bäume für Nahrung und Brennholz - das ging in nur einer Generation verloren”, sagte Töpfer.

Satellitenbilder belegen die dramatische Entwicklung. So zeigten Aufnahmen von 1977 in den nördlichen und östlichen Gegenden des Landes noch Wälder. Auf Bildern von 2002 waren sie verschwunden. Ursache dafür ist der Zusammenbruch der Energieversorgung und der öffentlichen Ordnung sowie die kriegsbedingten Flüchtlingsströme.

Im sehr trockenen Afghanistan können meist nur die Regionen nahe den Flussebenen landwirtschaftlich intensiv genutzt werden. Dafür sind ausgeklügelte Kanalsysteme Voraussetzung. Viele dieser unter- und oberirdischen Kanäle sind unbrauchbar geworden, zum Teil, weil sie bei Kämpfen zerstört wurden, zum Teil, weil die Menschen aus den Dörfern flohen und niemand für die Instandhaltung sorgte.

Wasser ist das wichtigste Gut für das Wohlergehen der Menschen in den Städten. Aber, so schätzt Klaus Töpfer, in afghanischen Städten haben Anfang 2003 nur 12 Prozent der Städter eine ausreichende Wasserversorgung. Große Teile des städtischen Trinkwassers sind mit Bakterien belastet. Hauptsächlich Kinder sind die Leidtragenden.

Der Druck auf die natürlichen Ressourcen wird noch zunehmen, denn 2002 sind zwei Millionen Flüchtlinge nach Afghanistan zurückgekehrt. 2003 werden es wohl nochmals eineinhalb Millionen sein. Auch die Tierwelt Afghanistans hat unter den Kriegen gelitten. Felle der vom Aussterben bedrohten Schneeleoparden werden in Kabul feilgeboten und sibirische Kaninchen wurden seit 1986 nicht mehr gesehen.

Der UNO-Flüchtlingskommissar geht davon aus, dass bei einem Irak-Krieg weit über eine Million Menschen aus dem Kriegsgebiet fliehen werden. Die derzeitige US-Regierung ist nicht mal bereit, das Kyoto-Protokoll zu unterschreiben. Ob bei ihren aktuellen Kriegsplänen Umweltschutz und Sorge um Flüchtlingsströme eine Rolle spielen, darf bezweifelt werden. Die Aussicht, künftig über die Tankstelle Irak zu verfügen, dominiert alle anderen Überlegungen. Immerhin besitzt der Irak nach Saudi-Arabien die zweitgrößten Ölreserven der Welt. Und die Ölversorgung der USA steht für den Öl-Mann George W. Bush auf Platz eins seiner politischen Agenda. Die Energielobby der USA hat dafür gesorgt, dass er Präsident wurde. Die Alternative “Krieg um Öl oder Frieden durch die Sonne” sieht er nicht.

Soeben haben 41 US-Nobelpreisträger vor einem Angriff der USA auf den Irak “ohne eine breite internationale Zustimmung” gewarnt. Die Wissenschaftler appellieren: “Krieg ist durch Überraschung, menschliche Verluste und unerwartete Konsequenzen gekennzeichnet. Selbst bei einem militärischen Sieg werden die medizinischen, wirtschaftlichen, ökologischen, moralischen, geistigen, politischen und rechtlichen Folgen eines präventiven amerikanischen Angriffs der Sicherheit und dem Ansehen der USA in der Welt schaden.” Ein Krieg könnte auch für die USA ähnlich verlaufen wie der Flug ihrer “Columbia”-Weltraumfähre. Die Trümmer der Columbia stürzten auf den Heimatstaat des Präsidenten, Texas.

Dieser Text wird hier mit freundlicher Genehmigung von franz alt - www.sonnenseite.com veröffentlicht.

Veröffentlicht am

06. Februar 2003

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