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Auswahl kirchlicher Stimmen gegen den Krieg

Kirchen betonen Hoffnung auf Frieden - Papst: Sinnlose Spirale der Gewalt stoppen - Friedensgebete in vielen Gottesdiensten (epd 26.12.02)

Frankfurt a.M. (epd). Die Hoffnung auf Frieden im Irak und im Heiligen Land hat an den Weihnachtstagen die Predigten in den christlichen Kirchen geprägt. Der Krieg im Irak sei “mit dem Einsatz aller vermeidbar”, sagte Papst Johannes Paul II. in seiner Weihnachtsbotschaft. Die Gläubigen aller Religionen in Israel forderte er auf, “die sinnlose Spirale blinder Gewalt zu stoppen”. In vielen Gottesdiensten beteten die Menschen für den Frieden.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, rief dazu auf, gegen den Irak-Krieg “aufzustehen”. Als “Kontrast zu Hassparolen und Säbelrasseln” habe die Kirche die Botschaft von den Hirtenfeldern Bethlehems zu verkünden. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sagte, an Weihnachten zeige Gott selbst durch die Geburt seines Sohnes, “was Menschenfreundlichkeit ist”. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz rief zu einem neuen Umgang mit Kranken, Behinderten und Armen auf.

Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper sagte, ein Angriffskrieg gegen Irak sei “durch nichts zu rechtfertigen”. Der Berliner Bischof Wolfgang Huber warnte ebenfalls vor einem Krieg. In den USA seien ihm viele Menschen begegnet, die keinen “gerechten Krieg” gesucht hätten, “sondern Wege zu einem gerechten Frieden”. Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Peter Steinacker rief die Christen dazu auf, “die Hoffnung auf friedliche Konfliktlösungen nicht aufzugeben”.

Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner kritisierte die Belagerung von Bethlehem durch die israelische Armee. Aus der Geburtsstadt Jesu sei ein Schauplatz des Krieges und ein “Symbol von Hass, Krieg, Konflikt und Tod geworden”, beklagte der Kardinal im Kölner Dom. Pilger trauten sich heute nicht mehr, die Geburtsgrotte zu besuchen.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann erklärte, der Heilige Abend stehe für den Wunsch nach Frieden. Gerade in dieser Zeit hätten Christen einen “ungeheuren Schatz” anzubieten. Der Stall in Bethlehem sei das Zeichen für die Hoffnung. Der Kasseler Bischof Martin Hein appellierte an die Christen, angesichts der unsicheren Weltlage “etwas dazu beizutragen, dass friedliches Zusammenleben gelingt”. Dies könne in der eigenen Partnerschaft und Familie eingeübt werden.

Das Jesus-Kind von Bethlehem ist nach den Worten der Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter ein Aufruf, sich tatkräftig für den Frieden auf Erden einzusetzen. Ein neuer Krieg gegen den Irak müsse verhindert werden und Verhandlungen an die Stelle von Gewalt treten. Die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen sagte, Weihnachten sei auch ein Fest des Kräftesammelns. Gott zeige sich den Menschen in diesen Tagen ganz nahe und lasse sie nicht verzagen.


Kock will mit Friedensgottesdiensten gegen Irak-Krieg protestieren

Düsseldorf. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, will gegen einen Irak-Krieg mit Friedensgottesdiensten protestieren. Die Ablehnung eines solchen Krieges müsse öffentlich zum Ausdruck gebracht werden, forderte der rheinische Präses am Montagabend vor Journalisten in Düsseldorf. “Ich bin davon überzeugt, dass die Menschen in unserem Land keinen Krieg wollen”, sagte Kock. Er hoffe, dass die Bundesregierung stark genug sei, um eine Beteiligung Deutschlands an einem möglichen Krieg zu verhindern.

Kock bekräftigte seine Kritik an den Kriegsvorbereitungen der USA. Es gebe eine “Marketingstrategie, diesen Krieg für führbar oder geboten zu erklären”. Zur Begründung werde versucht, den irakischen Staatschef Saddam Hussein als “Hort des Terrorismus” darzustellen, sagte Kock: “Dagegen spricht eigentlich alles.” Er bezweifle, dass durch einen Krieg gegen den Irak Terrorismus und der mögliche Besitz von Massenvernichtungswaffen wirksam bekämpft werden könnten. Kock äußerte den Wunsch, dass die Friedenskräfte in den USA an Bedeutung gewinnen. epd


Die Tagesschau am 25.12.02:

Papst will drohenden Krieg mit Einsatz Aller abwenden

“Die päpstliche Weihnachtsbotschaft war klar und eindeutig: Ein drohender Krieg im Nahen Osten müsse mit dem Einsatz Aller abgewendet werden, forderte Johannes Paul II.

Im Wortlaut sagte der Papst u.a.: “4. Weihnachten ist ein Geheimnis des Friedens! Aus der Grotte von Bethlehem erhebt sich heute der dringende Ruf, daß die Menschheit dem Mißtrauen, dem Zweifel und dem Argwohn nicht nachgebe, auch wenn das tragische Phänomen des Terrorismus Unsicherheit und Angst zu verbreiten droht.

Im Verein mit allen Menschen guten Willens sind die Gläubigen einer jeden Religionen aufgerufen, jedwede Form von Intoleranz und Diskriminierung zu ächten und den Frieden aufzurichten: insbesondere im Heiligen Land, um die sinnlose Spirale blinder Gewalt zu stoppen, und im Nahen Osten, um das unheilvolle Flackern eines Konfliktes, der mit dem Einsatz aller vermeidbar ist, auszulöschen; sodann in Afrika, wo verheerende Hungersnöte und tragische innere Zwistigkeiten die schon prekären Lebensbedingungen ganzer Völker verschlimmern, auch wenn es nicht an Hoffnungsschimmern fehlt; schließlich in Lateinamerika, in Asien und in anderen Teilen der Welt, wo politische, wirtschaftliche und soziale Krisen nicht wenige Familien und Nationen aus dem Gleichgewicht bringen. Möge doch die Menschheit die weihnachtliche Friedensbotschaft aufnehmen!”


Führer und Schorlemmer rufen zu Mahnwachen gegen Irak-Krieg auf

Oberursel. Zu Mahnwachen, Protesten und Aktionen gegen einen drohenden Irak-Krieg haben zwei prominente Vertreter der friedlichen Revolution in der DDR aufgerufen. Wer in der Kirche “Oh du fröhliche gnadenbringende Weihnachtszeit” singe, müsse auch auf der Straße den Mut haben, gegen Krieg und für Frieden einzutreten, erklärten die evangelischen Pfarrer Christian Führer (Leipzig) und Friedrich Schorlemmer (Wittenberg) in einem Aufruf, den die Zeitschrift “Publik Forum” (Oberursel bei Frankfurt) in ihrer neuesten Ausgabe veröffentlicht hat.

Darin rufen beide dazu auf, von Heiligabend (24. Dezember) bis zum Tag der Heiligen Drei Könige (6. Januar) auf öffentlichen Plätzen eine Mahnwache mit Kerzen zu bilden. Wo möglich sollten zudem Menschen aus der Krisenregion in Nahost in die Familien oder in Gottesdienste eingeladen werden, um sie zu Wort kommen zu lassen. Im Herbst 1989 hätten die Menschen in der DDR im Lichtermeer der Kerzen “Keine Gewalt!” gerufen. Heute müsse ihr Ruf lauten “Keinen Krieg!”. epd


Katholischer Militärbischof verurteilt Bushs Irak-Poltik

Berlin. Der katholische Militärbischof Walter Mixa hat die Irakpolitik der USA als “verantwortungslos” verurteilt. Mit der jüngsten Drohung George Bushs, auf mögliche ABC-Angriffe des Irak sofort mit Nuklearwaffen zu antworten, werde der Gegner nur unnötig gereizt, sagte der Eichstätter Bischof der Berliner Zeitung “Welt am Sonntag”. “Ich halte dieses Gerede des amerikanischen Präsidenten für provozierend und gefährlich.”

Durch solche Äußerungen werde “eine Spirale der Gewalt in die Höhe geschraubt, um dann zu einem furchtbaren Ausbruch zu kommen”, sagte Mixa. Damit werde jede Bereitschaft zur Verständigung zwischen den Religionen und Kulturen zunichte gemacht. Der 61-jährige Militärbischof berief sich auf das Zweite Vatikanische Konzil, das die gegenwärtige Kriegsführung mit ihren hoch technisierten Vernichtungsmöglichkeiten als “absolut unmoralisch” verurteilt habe.

Mixa betonte, seine Kritik an den USA bedeute nicht, dass er vor der Militanz des Islamismus seine Augen verschließe. Im Islam sei problematisch, dass Gewalttätigkeit gegenüber Andersgläubigen mit dem Koran begründet werde. Dies müsse im Dialog der Religionen “ganz hart diskutiert” werden, forderte der Bischof. “Aus purer Friedseligkeit heraus dürfen keine Unterschiede verwischt werden.” epd


Krieg gegen Irak “rechtswidrig” und “erfolglos”

Generalsekretär Raiser und Politologe Czempiel kritisieren USA
Wolfenbüttel. Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Konrad Raiser, und der Friedensforscher Ernst-Otto Czempiel haben den USA vorgeworfen, gegen das Völkerrecht zu verstoßen. Die offene Kriegsdrohung gegenüber dem Irak sei Ausdruck eines überwunden geglaubten imperialen Denkens und verstoße gegen die Charta der Vereinten Nationen, schreibt Raiser in einem Beitrag für die neueste Ausgabe von “Synode direkt”, einer Publikation der braunschweigischen Landeskirche.

Die UN-Charta verpflichte alle Mitgliedsstaaten, ihre Streitigkeiten durch friedliche Mittel beizulegen und jede Gewaltandrohung zu unterlassen, schreibt Raiser. Nicht nur ethische und völkerrechtliche Gründe, sondern auch die politische Vernunft sprechen nach Auffassung des deutschen Theologie-Professors gegen einen Angriff auf den Irak. Ein Krieg beseitige selten oder nie die Konfliktursachen. Nur in seltenen Fällen ebene er den Weg zu einem dauerhaften Frieden.

Der Frankfurter Friedensforscher Czempiel bezeichnet in einem Interview der evangelischen Kirchenzeitschrift die Politik der USA als “rechtswidrig” und “erfolglos” Sie werde den Terrorismus nicht besiegen, sondern anstacheln. Die Folge könne eine Welt in Flammen sein, warnt der emeritierte Politikprofessor und Mitbegründer der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. Die Gefahr sei groß, dass durch Gewaltmaßnahmen der USA “der Terrorismus geradezu explodiert”.

Nach Auffassung Czempiels benutzt die Bush-Regierung den Terrorismus “lediglich als Vorwand”, um andere außenpolitische Ziele durchzusetzen. Diese seien: “Weg von der Rüstungskontrolle, hin zum nationalen Raketenabwehrsystem und zu einem Regimewechsel im Irak.” Es sei absolut verfehlt, auf eine ganz neue Gefahr eine Antwort klassischen Typs wie Krieg zu geben. epd

Zusammengestellt von Michael Schmid

Veröffentlicht am

26. Dezember 2002

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