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Friedensbewegung fordert: Konflikte ohne Krieg lösen!

Grossdemonstrationen am 13.10.2001: 50.000 in Berlin, 30.000 in Stuttgart

Mitteilung vom 14.10.2001: Keine Bomben mehr auf Afghanistan! Die Ursachen des Terrorismus bekämpfen Offensichtlich darf nicht wahr sein, was nicht ins derzeitige Bild passt. Es passt nicht, dass es hierzulande massive Proteste gegen die Bombardierung Afghanistans und militärische Terrorbekämpfung gibt. Deshalb spielt die Presse die Zahlen der TeilnehmerInnen der gestrigen bundesweiten Demonstrationen für ein Ende der Bombardements auf Afghanistan und gegen einen Kriegseinsatz der Bundeswehr stark herunter. Doch tatsächlich waren es wunderbare Massenveranstaltungen. Nach Einschätzung der Veranstalter waren alleine in Berlin rund 50.000 und in Stuttgart mehr als 30.000 demonstrierende FriedensaktivistInnen. So viele Menschen auf der Straße: das macht Mut! Und sollten die Bombardements und andere Militäreinsätze nicht gestoppt werden, dann waren diese Aktionen hoffentlich erst der Auftakt für weitere Proteste.

Eingeladen zur Demonstration und Kundgebung in der Stuttgarter Innenstadt hatten u. a. das Friedensnetz Baden-Württemberg, verschiedene Gewerkschaften, die ökumenische Aktion Ohne Rüstung Leben, die Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK), die katholische Friedensbewegung Pax Christi, der Versöhnungsbund - Landesgruppe Baden-Württemberg, die Gesellschaft Kultur des Friedens und das Lebenshaus Schwäbische Alb e.V.

“Gewalt ist nicht mit Gegengewalt wegzubomben” erklärte Jürgen Grässlin, Bundessprecher der DFG/VK und forderte “Demokratie, die ihrem Namen gerecht werden will, muss demokratische Mittel einsetzen und das Völkerrecht wahren. Bombenterror ist das Mittel bin Ladens und seines Terrornetzes. Mit jeder US-Bombe, die auf afghanische Städte und Dörfer abgeworfen wird, sterben unschuldige Zivilisten, wird neuer Hass geschürt”

“Unser Mitgefühl gilt den Toten, den Verletzten, den Trauernden und den Geschädigten”, so Martin Klumpp, Dekan der evangelischen Landeskirche in Stuttgart. Für Klumpp ist der “kriegerische Terror gegen die USA schrecklich und gewissenlos”. Doch genauso gelte: “Krieg ist kein Mittel, den Terror zu überwinden.” Damit bringe man, so Klumpp weiter “dem Terror nur noch mehr Menschenopfer”. Eine wahre Friedenspolitik zeichne sich dadurch aus “wenn für Entwicklungshilfe und soziale Krisenprävention” genauso viel Geld ausgegeben werde “wie für Rüstung und innere Sicherheit”.

Für die ver.di Landesbezirksleiterin Sybille Stamm “droht dieser Krieg einen Flächenbrand des Hasses zu entfesseln”. Der Krieg “koste Menschenleben - Tote, die keinen der im Ground Zero Begrabenen wieder lebendig macht”. Die jetzt schon katastrophale Lage der afghanischen Bevölkerung werde “durch die Bombardierung noch bedrohlicher, als sie ohnehin schon war”.

Für Jürgen Rose, Oberstleutnant der Bundeswehr, ist “das Gemetzel an Unschuldigen wie es in Washington und New York geschah” keine Rechtfertigung dafür, “im Gegenzug nun wiederum Unschuldige zu töten”. Bereits seit der Antike wisse “die Menschheit, dass der Umstand erlittenen Unrechts nie und nimmer den eigenen Rechtsbruch - und sei es nur zur Vergeltung - zu rechtfertigen vermag”. Nicht Krieg könne den Frieden bringen, sondern allein Gerechtigkeit.

Am Vormittag demonstrierten mehr als 300 Pazifistinnen und Pazifisten mit einer Mahnwache vor dem Zufahrtsweg der Kommandoeinsatzzentrale der US-Armee für Europa, Afrika und den Nahen Osten in Stuttgart-Vaihingen (EUCOM)
In Berlin demonstrierten ca. 50.000 Menschen gegen den Krieg und für den Frieden und soziale Gerechtigkeit in der Welt. In der Abschlusserklärung heißt es u.a.:

“Die Friedensbewegung warnt vor den innenpolitischen Auswirkungen der teils beschlossenen, teils diskutierten Antiterrormaßnahmen. Ein Generalverdacht gegen islamische Gruppierungen und die Diskriminierung von Moslems sind das Gegenteil von Terrorismusbekämpfung, sie sind vielmehr die Vorstufe einer neuen gesellschaftlichen Konfrontation. Schnellschüsse aus der Mottenkiste der ‘Inneren Sicherheit’ wie eine neuerliche ‘Kronzeugenregelung’, die Ausweitung der Raster- und Schleierfahndung oder den Einsatz der Bundeswehr im Inneren lehnen wir ab. (…) Mit der vom Bundeskanzler versprochenen ‘vorbehaltlosen’ Unterstützung des Krieges missbraucht die Bundesregierung die Gefühle und Anteilnahme der Solidarität, die in der Bevölkerung während der letzten Wochen mit den Opfern und Angehörigen der Terroranschläge von New York und Washington so eindrucksvoll geäußert wurden.” Abschließend zitiert der Aufruf die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner: “Rache und immer wieder Rache! Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecke mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegputzen zu wollen - nur Blut, das soll immer wieder mit Blut ausgewaschen werden.” Der Aufruf schließt mit der Forderung: “Stoppt den Krieg! Stoppt den Terror!”

Veröffentlicht am

14. Oktober 2001

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