Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Terroranschläge in den USA - Gewalteskalation und Terror überwinden - Gerechtigkeit und Frieden herstellen

Der Internationale Versöhnungsbund - Landesgruppe Baden Württemberg und das Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. erklären:

Wir sind zutiefst entsetzt und voller Trauer über die Terroranschläge in den USA. Unser Mitgefühl gehört den Opfern und ihren Angehörigen, denen mit diesem Terror unendliches Leid zugefügt wurde. Wir verabscheuen solche barbarischen Gewaltakte und verurteilen sie ganz entschieden.

Inzwischen bereiten die USA offensichtlich Vergeltungsschläge vor. Aber auf Gewalt mit Gegengewalt, auf Gegengewalt mit neuer Gewalt zu reagieren, das bringt keine Lösung, das bringt nur eine Eskalation immer neuer Gewalt.

Terrorismus läßt sich nicht militärisch “lösen”. Es gilt, die Ursachen von Terrorismus in den Blick zu nehmen. Dabei gibt es einen unmittelbaren Zusammenhang mit weltgesellschaftlichen und weltwirtschaftlichen Entwicklungen, die offensichtlich auch Nährboden für Terrorismus sind. Die gegenwärtige Form ökonomischer Globalisierung geht an elementaren Interessen der Mehrheit der Menschen vorbei. Um einer privilegierten Minderheit Vorteile zu verschaffen, werden die Lebensgrundlagen einer großen Mehrheit vernichtet. Die Kluft zwischen Arm und Reich hat ein absolut unerträgliches Ausmaß angenommen. In diesem stillen “Krieg der Reichen gegen die Armen” verrecken buchstäblich Tag für Tag zigtausende von Menschen an Hunger und vermeidbaren Krankheiten.

Die katholischen Bischöfe Deutschlands haben im vergangenen Jahr in ihrem Bischofswort “Gerechter Friede” festgestellt: “Eine Welt, in der den meisten Menschen vorenthalten wird, was ein menschenwürdiges Leben ausmacht, ist nicht zukunftsfähig. Sie steckt auch dann voller Gewalt, wenn es keinen Krieg gibt. Verhältnisse fortdauernder schwerer Ungerechtigkeit sind in sich gewaltgeladen und gewaltträchtig.”

In einer solchen gewaltgeladenen und gewaltträchtigen Welt leben wir. Und die Realität zeigt: es wächst eine globale Wut der Verarmten, Ausgeschlossenen und Überflüssiggemachten auf jene, die Gewinner in dem weltweiten Monopoly sind. Zumal die ausgeschlossene Mehrheit der Weltbevölkerung über die Medien mit der Welt des Massenkonsums der Wohlstandsgesellschaften ständig konfrontiert ist.

Deshalb ist zu befürchten, dass verabscheuungswürdige Terroranschläge wie jetzt in den USA erst die Vorboten eines globalen Aufstands sind, der sich in weiteren furchtbaren Gewaltakten entladen und die Welt noch in ganz anderer Weise erschüttern wird, als dies aktuell der Fall ist.

Nur wenn es gelingt, die strukturellen Ursachen von Armut und Elend in der Welt zu beseitigen und Gerechtigkeit herzustellen, wird dem Terror der Nährboden entzogen. Deshalb appellieren wir an unsere Regierungen, sich für einen solchen Kurswechsel zu engagieren. Das wäre auch der wirksamste Schutz vor zunehmenden Terrorakten und gewalttätigen Aufständen.

Wir appellieren an die USA und ihre Verbündeten, jetzt keine Vergeltungsschläge durchzuführen. Die Verantwortlichen der Terrorakte gehören vor ein Gericht gestellt und verurteilt. Konsequente Anwendung von Recht statt militärische Vergeltung - das könnte ein Beitrag zu Deeskalation von Gewalt sein.

Wir appellieren an die Bundesregierung, im Zusammenhang mit den jetzigen Terrorakten nicht weiter die Rede von einer “Kriegserklärung gegen die zivilisierte Welt” im Munde zu führen. Denn damit besteht die Gefahr, die Welt in eine “zivilisierte” und eine angeblich “unzivilisierte” zu spalten. Statt einer Spaltung brauchen wir aber die “Eine Welt”, die gemeinsam dafür kämpft, ausnahmslos allen Menschen ein würdiges, friedvolles Leben zu ermöglichen.

Nur wenn dieses Ziel ernsthaft verfolgt wird, wird es auch gelingen, den barbarischen Terrorismus und andere verabscheuungswürdige Gewalt wirksam zu überwinden.

Und weil wir unserer Regierung diese schwierige Aufgabe nicht alleine überlassen können, bitten wir unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger, in der jetzigen schwierigen Situation besonnen zu reagieren und sich für die Verwirklichung von Frieden und Gerechtigkeit zu engagieren.

Veröffentlicht am

13. September 2001

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