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Korea-Talks: Der Knopfdrücker

Wie sich die Dinge schlagartig ändern können - plötzlich reden Nord- und Südkoreaner wieder miteinander. Und Kim Jong-un gibt der Diplomatie eine Chance

Von Lutz Herden

Kim Jong-un hat auf seinen Schreibtisch offenbar außer dem Atom- auch den Knopf, der auf Dialog umschalten lässt. Dabei dürfte es ihm vermutlich als deplatziert oder gar als Kapitulation erschienen sein, ein Entspannungssignal in die USA zu schicken, deren Präsident ihm den Untergang an den Hals wünscht.

In Richtung Südkorea hingegen war ein Gesprächsangebot kein Makel für einen Standhaften, der weiß, was möglich sein kann. Schließlich gelang es mit der Sonnenschein-Politik des südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung (1998 bis 2003 im Amt) vor fast zwei Jahrzehnten schon einmal, das Verhältnis zwischen Nord und Süd zu entkrampfen. Es gab Mitte 2000 in Pjöngjang den ersten Korea-Gipfel seit Ende des Korea-Krieges 1953 (damals regierte noch Kims Vater Kim Jong-il), dazu etliche Verträge und eine "Nord-Süd-Erklärung", in der von "enger bilateraler Kooperation" die Rede war.

Der Sonnenschein sollte jäh verflogen sein, als der damalige US-Präsident George W. Bush 2001 glaubte, Nordkorea auf der "Achse des Bösen" ausgemacht zu haben, Ein Land, das Terror schüre und sich nuklearer Vermessenheit schuldig mache, die ihm nicht zustehe. Südkorea musste sich aus Bündnisräson der Konfrontationsräson fügen. Da der Norden nach Bushs Verdikt umgehend auf eine Semantik der Feindseligkeit umstellte, fiel das nicht weiter schwer.

Ein Testballon

Wenn Kim Jong-un heute der Entspannung eine Chance geben will, ist das auch ein Test, inwieweit die Regierung Südkoreas hält, was sie verspricht. So gab es im Mai den Vorschlag, als Zeichen innerkoreanischer Versöhnung und Sportdiplomatie, bei den Winterspielen in Pyeongchang mit einem gemeinsamen koreanischen Team anzutreten. Man bot sogar an, einige Wettbewerbe auf nordkoreanischen Boden zu verlegen, was das IOC nicht gutheißen konnte und in Pjöngjang sowieso auf Ablehnung stieß. Darüber hinaus wurden sportliche Entwicklungshilfe angeboten, dazu der kostenlose Versand von Medikamenten und Gespräche über bessere ökonomische Kontakte. Alles getragen vom Bedürfnis, einer friedlichen Koexistenz mit dem Norden eine materielle Basis zu geben?

Der erst im Mai gewählte südkoreanische Präsident Moon Jae-in von der linksliberalen Demokratischen Vereinten Partei (Minju-tonghap) gilt nicht als Anhänger der Eskalationsrhetorik Donald Trumps und apokalyptischer Drohungen vom Kaliber Fire and Fury. Im Wahlkampf hatte er angekündigt, auf mehr Eigenständigkeit gegenüber Washington bedacht zu sein. Tatsächlich schien er die Trump-Parole vom "maximalen Druck" auf Pjöngjang nicht übernehmen zu wollen. Vor seinem Antrittsbesuch Ende Juni in Washington wurde gar die Auffassung eines Beraters kolportiert, als Gegenleistung für ein Einlenken Pjöngjangs bei der Atomrüstung sollten die USA und Südkorea weniger Manöver auf der koreanischen Halbinsel veranstalten. Zwar wurde das sofort zur Einzelmeinung heruntergestuft, doch kam sie trotzdem aus der Umgebung des Präsidenten.

Wäre Kim Jong-un mit seiner Offerte an Seoul abgewiesen worden, hätte er das als Beweis dafür nehmen können, dass der anderen Seite nicht zu trauen sei, wenn sie beteuere, mit dem Norden auskommen zu wollen. Da Kim erhört wurde, lässt sich das als Zeichen des Respekts deuten, das dem Führer eines souveränen Staates gebührt, der auf seinem Existenzrecht beharrt und Vorkehrungen trifft, dies nicht zu verlieren. Dass dazu in dieser Welt Kernwaffen gehören, ist nicht die Schuld Nordkoreas.

Quelle: der FREITAG vom 09.01.2018. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Veröffentlicht am

10. Januar 2018

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