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Afghanistan: Das neue Jahr beginnt, wie das alte endete

Mit Anschlägen, die viele Menschenleben fordern - und mit Abschiebungen aus Deutschland. Wieder war die Hauptstadt Kabul betroffen, davon unbeirrt landen genau dort weiterhin die Abschiebeflieger. Der nächste ist für den 23.1. geplant.

Mindestens zwanzig Tote , darunter Teilnehmer einer Demonstration: Auch 2018 reißen die Meldungen über blutige Anschläge in Afghanistan nicht ab. Allein in der Hauptstadt Kabul gab es im vergangenen Jahr über 20 große Anschläge mit mehr als 500 Todesopfern. Erst vergangene Woche starben über 30 Personen bei einem Anschlag auf ein Kulturzentrum. Zu beiden Anschlägen bekannte sich der afghanische IS-Ableger , der seine Aktivität im letzten Jahr merklich erhöht hat.

Allerdings zeigen nicht nur die aktuellen, dem IS zugeschriebenen, Terrorakte, sondern auch Anschläge der Taliban, in welch großem Maße auch Zivilpersonen unterschiedslos dabei  zu Tode kommen, selbst wenn deren primäres Ziel staatliche Einrichtungen, Sicherheitskräfte oder ähnliches gewesen sein mögen.

Ausführliche Quellen zeigen verfahrene Lage

Eine Übersicht über fast alle relevanten Medienberichte zu Gewaltakten in Afghanistan aus den letzten Monaten des Jahres 2017 findet sich im Bericht "Individuals targeted by armed actors in the conflict" des European Asylum Support Office (EASO). Dazu enthält der Report auch für Asylverfahren von Afghan*innen in Deutschland relevante Informationen zur Vorgehensweise der Taliban (modus operandi) und sich daraus ergebenden Gefährdungsprofilen für bestimmte Personengruppen.

In einem weiteren Report aus dem Dezember 2017 beschreibt EASO die Sicherheitslage im Land detailiert auch für einzelne Distrikte und Provinzen und führt die am Konflikt beteiligten Akteure auf.

Traurige Spitzenplätze im Terror-Ranking

Der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete und Afghanistan-Experte Winnie Nachtwei hat bereits im November 2017, anlässlich der Verlängerung des deutschen Afghanistan-Mandats, eine ausführliche Zwischenbilanz der Sicherheitslage gezogen (den empfehlenswerten Volltext gibt es hier ): "Kämpfe, Anschläge, Zivilopfer und Opfer unter den Konfliktparteien sind so zahlreich wie nie seit 2002. Laut Global Terrorism Index 2017 stand Afghanistan 2016 nach Irak auf Platz 2 der terrorbetroffenen Länder. 17,8 Prozent aller Terror-Toten weltweit entfielen auf Afghanistan."

Eskalation statt Wiederaufbau

Dabei wird es für die internationalen Aufbauhelfer und ihre lokalen Partner immer schwieriger, sich im Land zu bewegen und ihren Auftrag zu erfüllen. Auch der UN-Sicherheitsrat äußert sich sehr besorgt über die Sicherheitslage im Land.

"Die Lageverschärfungen der letzten Jahre in Afghanistan müssen als Weckrufe genommen werden, nach Jahren von Schönrednerei und Verdrängung sich endlich ehrlich zu machen über die komplexe - und noch erheblich eskalationsfähige - Lage in Afghanistan."

                                                                           Winnie Nachtwei

Nachtwei plädiert - bei aller Kritik an den aktuellen Sachständen und den Strategien der Truppensteller-Nationen und einer pessimistischen Sicht auf die Bilanzen - nicht für einen schnellen Abzug des verbliebenen  deutschen Kontingentes mit seiner Beratungsfunktion. Das wäre, so seine Meinung, der Anfang vom Ende.

Man mag letztere Einschätzung teilen oder nicht: Die Lage im Lande wird jedenfalls immer gefährlicher. Mit dem Einsickern von immer mehr IS-Kämpfern und der IS-Strategie, die Gräben zwischen Religionen und Ethnien zu vertiefen, etwa durch Angriffe auf schiitische Einrichtungen, mehren sich die Befürchtungen der afghanischen Bevölkerung, dass weitere Eskalationen drohen.

Realitätsverweigerung in Deutschland

Dessen ungeachtet ist in Deutschland der nächste Abschiebungsflug schon für den 23.1. (ab Düsseldorf) geplant. Obwohl immer noch kein neuer Lagebericht des Auswärtigen Amtes vorliegt - der eigentlich turnusgemäß bereits im Oktober 2017 hätte erscheinen sollen. Realitätsverweigerung scheint Abschiebungsvoraussetzung zu sein.

Quelle: PRO ASYL Bundesweite Arbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge e.V. - News vom 05.01.2018.

Veröffentlicht am

07. Januar 2018

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