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Friedenserklärung der Stadt Hiroshima

Von Kazumi Matsui, Bürgermeister der Stadt Hiroshima, 6. August 2014

Sommer 2014, 69 Jahre später. Die brennend heiße Sonne nimmt uns mit zurück in "jenen Tag", den 6. August 1945. Eine einzige Atombombe verwandelt Hiroshima in eine verbrannte Fläche. Zehntausende unschuldiger Zivilisten, von den Kleinkindern bis zu den Alten, verlieren an einem einzigen Tag das Leben. Am Jahresende sind 140.000 gestorben. Bitte hören Sie die Stimmen der Überlebenden, damit Sie dieses heilige Opfer nicht vergessen und damit Sie eine Wiederholung dieser Tragödie verhindern!

Ungefähr 6.000 Jungen und Mädchen starben, als sie Gebäude einrissen, um Wege für die Feuerwehr zu schaffen. Ein Mann, der damals ein zwölfjähriger Schüler war, sagt: "Auch heute noch trage ich die Narben des Krieges und dieser Atombombardierung auf meinem Körper und in meinem Herzen. Fast alle meine Klassenkameraden waren sofort tot. Mein Herz wird von Schuldgefühlen gequält, wenn ich daran denke, wie sehr sie sich zu leben wünschten und dass ich der Einzige bin, der überlebt hat." Die HibakushaAls Hibakusha (jap. 被爆者, dt. Explosionsopfer) werden in Japan die Überlebenden der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 bezeichnet. http://de.wikipedia.org/wiki/Hibakusha und http://www.lebenshaus-alb.de/cgi-bin/cms/mt-search.cgi?tag=Hibakusha&blog_id=1 . haben zwar irgendwie überlebt, aber sie leiden immer noch unter starken körperlichen und emotionalen Wunden.

"Wasser bitte!" Die Stimmen vom Rand des Todes sind immer noch tief ins Gedächtnis des damals fünfzehnjährigen Schülers eingegraben. Die flehentliche Bitte kam von Schülern, die Gebäude abgerissen hatten. Als er ihre durch den Hitzestrahl stark verbrannten, grotesk angeschwollenen Gesichter, abgesengten Augenbrauen und Wimpern und in Lumpen herunterhängenden Schuluniformen sah, wollte er ihnen ihre Bitte erfüllen, aber er wurde zurückgehalten: "‚Wenn du den so stark Verletzten Wasser gibst, werden sie sterben, Junge!’ Ich verschloss also meine Ohren und verweigerte ihnen das Wasser. Wenn ich gewusst hätte, dass sie ohnehin sterben mussten, hätte ich ihnen so viel Wasser gegeben, wie sie wollten." Tiefe Reue ist ihm geblieben.

Menschen, die selten über die Vergangenheit sprechen, weil ihre Erlebnisse so entsetzlich waren, öffnen sich jetzt im Alter. "Ich möchte, dass Menschen die wahre Grausamkeit des Krieges kennenlernen", sagt ein Mann, der durch die Atombombe seine Eltern verloren hat. Er spricht von Kindern, wie er eines war, die in einer Stadt aus Asche lebten, unter Brücken, in den Winkeln ausgebrannter Gebäude und in Luftschutzkellern schliefen und nicht mehr als die Kleider auf dem Leibe besaßen. Sie stahlen und kämpften um etwas zu essen, gingen nicht zur Schule und lebten nur von einem Tag auf den anderen, indem sie für Verbrecher arbeiteten.

Direkt nach dem Bombenabwurf schwebte eine sechsjährige Erstklässlerin zwischen Leben und Tod. Später durchlitt sie einen unausgesetzten furchtbaren Kampf mit den Nachwirkungen der radioaktiven Strahlungen. Jetzt erhebt sie ihre Stimme und sagt: "Ich will nicht, dass irgendein junger Mensch eine derartige Erfahrung macht." Sie hatte sich mit nicht japanischen Kriegsopfern ausgetauscht und dann entschlossen, die Botschaft weiterzugeben, wie wichtig es sei, dass "junge Menschen in aller Welt Freunde werden", und wie wichtig die "unaufhörlichen Bemühungen" seien, "keine Kriegskultur, sondern eine Friedenskultur aufzubauen."

Das "absolute Böse", das Kindern ihre liebevollen Familien und Träume für die Zukunft raubte und ihr Leben ins Chaos stürzte, ist nicht durch Drohungen und Gegendrohungen, Töten und Getötetwerden wiedergutzumachen. Militärmacht ruft nur neue Hass-Zyklen hervor. Um das Böse auszurotten, müssen wir Unterschiede in Nationalität, Rasse, Religion usw. überwinden, persönliche Beziehungen wertschätzen und eine Welt aufbauen, in der ein der Zukunft zugewandter Dialog möglich ist.

Hiroshima verlangt, dass die Menschen in aller Welt diesen Wunsch der Hibakusha erfüllen und mit ihnen den Weg zur Abschaffung der Kernwaffen und zum Weltfrieden beschreiten.

Wir alle tragen dazu bei, die Zukunft der Menschenfamilie mitzubestimmen. Versetzen Sie sich bitte in die Lage der Hibakusha! Stellen sie sich vor, Ihnen oder jemandem in Ihrer Familie würde tatsächlich das widerfahren, was diesen Menschen geschehen ist, alles Schreckliche und auch der eine Tag aus der Höllentiefe. Damit sich die Tragödien von Hiroshima und Nagasaki nicht ein drittes Mal ereignen, lassen Sie uns miteinander reden und mit den Hibakusha gemeinsam denken und handeln, um eine friedvolle Welt ohne Kernwaffen und ohne Krieg aufzubauen.

Wir werden alles uns Mögliche tun. Die Vereinigung Bürgermeister für den Frieden umfasst jetzt die Bürgermeister von 6.200 Mitgliedsstädten. Sie wird durch führende Städte, die uns in ihren jeweiligen Teilen der Welt vertreten, und in Verbindung mit NGOs und den UN wirken, um die Tatsachen über die Bombenabwürfe und die Botschaft von Hiroshima zu verbreiten. Wir werden die neue Bewegung unerschütterlich fördern und die humanitären Folgen von Kernwaffen hervorheben, damit diese Waffen geächtet werden. Wir werden unseren Teil zur Stärkung der Forderung der internationalen Öffentlichkeit nach Verhandlungen über ein Kernwaffen-Abkommen beitragen. Diese Verhandlungen verfolgen das Ziel, bis 2020 alle Kernwaffen vollkommen abzuschaffen.

Das Hiroshima Statement, das im letzten April von der Ministerialversammlung der NPDI (Non-Proliferation and Disarmament Initiative) herausgebracht wurde, lud die Politiker der Welt ein, Hiroshima und Nagasaki zu besuchen. Wir appellieren an Präsident Obama und die Führer aller Nationen, die Kernwaffen besitzen, auf diese Einladung zu reagieren, indem sie die Städte, die durch Atombomben zerstört worden sind, besuchen und sich sobald wie möglich mit eigenen Augen davon überzeugen, was damals geschehen ist. Wenn Sie es tun, wird Sie das davon überzeugen, dass Kernwaffen das absolute Böse sind, dessen Existenz nicht noch länger zugelassen werden darf. Bitte hören Sie damit auf, ihre Länder dadurch zu verteidigen, dass sie mit dem Einsatz dieses absolut Bösen drohen. Stattdessen setzen Sie alle Ihnen zur Verfügung stehenden Mittel ein, um ein neues Sicherheitssystem zu errichten, das sich auf Vertrauen und Dialog gründet.

Japan ist die einzige Nation, auf die Atombomben abgeworfen wurden. Eben weil unsere Sicherheitslage zunehmend ernst ist, sollte unsere Regierung das ganze Gewicht der Tatsache akzeptieren, dass wir dank dem edlen Pazifismus der japanischen Verfassung 69 Jahre lang jeden Krieg vermieden haben. Wir müssen weiterhin in Wort und Tat eine Friedensnation bleiben und gemeinsam mit anderen Ländern an einem neuen Sicherheitssystem arbeiten.

Japan freut sich auf die NPT Review ConferenceThe 2010 Review Conference for the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons (NPT) was held at United Nations Headquarters in New York from 3 to 28 May 2010. Findet alle fünf Jahre statt. http://en.wikipedia.org/wiki/2010_NPT_Review_Conference . und es sollte die Kluft zwischen den Staaten mit und ohne Atomwaffen überbrücken, um die Geltung der Herrschaft des Atomwaffensperrvertrages zu stärken.

Außerdem fordere ich von der Regierung, dass sie die "Gebiete des schwarzen Regens"Eine Sonderform von radioaktivem Niederschlag ist der Schwarze Regen, der vor allem mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki in Verbindung gebracht wird. […] Die beim Zünden einer Atomwaffe freigesetzte Energie verdampft alles in ihrem Umkreis und entzündet weiter Entferntes. Die dabei entstehende Asche bzw. Rauch, hochgewirbelter Staub und der Wasserdampf vermischen sich mit den ebenfalls sublimierten radioaktiven Resten der Waffe zu einer radioaktiven Wolke, die sich beim Aufsteigen abkühlt und schließlich abregnet. Dieser radioaktive Regen ist aufgrund des hohen Aschegehalts schwarz. http://de.wikipedia.org/wiki/Radioaktiver_Niederschlag . ausdehnt und mehr Gesundheitsfürsorge und mehr Mitgefühl für die Hibakusha und alle die aufbringt, die unter den Folgen der Strahlung leiden.

Hier und jetzt sprechen wir den Seelen der Opfer der Atombomben unser tief empfundenes Mitgefühl aus und wir bitten flehentlich darum, dass sich die Kräfte der Menschen in aller Welt, die die Abschaffung des absolut Bösen, der Kernwaffen, und die Verwirklichung eines dauerhaften Weltfriedens anstreben, mit den unseren verbinden mögen.

Übersetzung von Ingrid von Heiseler.

Quelle:  The City of Hiroshima . Originalartikel:  Peace Deklaration .

Fußnoten

Veröffentlicht am

05. Oktober 2014

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