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Fünf Jahre “Operation Iraqi Freedom” - vorläufige Bilanz eines Angriffskriegs

Matthias Jochheim

Etwa 300 Aktive aus Friedens- und Solidaritätsbewegung trafen sich vom 7.-9. März 2008 in Berlin bei der Konferenz “Alternativen zu Krieg und Besatzung” zum fünften Jahrestag des Krieges, die von der deutschen IPPNW mitgetragen wurde. Referentinnen und Referenten stammten vor allem aus dem Irak selber und aus den USA, und berichteten in eindrucksvollen Vorträgen über die grauenhafte Situation der Menschen im Zweistromland: Schätzungen auf Basis wissenschaftlicher Studien lassen bis heute eine Zahl von rund eine Million irakischer Todesopfer durch Gewalteinwirkung und indirekte Kriegsfolgen erwarten; laut UN-Flüchtlingsorganisationen wurden 4 Millionen Iraker zu Flüchtlingen, davon etwa die Hälfte im eigenen Land, weitere 2 Millionen unter elenden Bedingungen vor allem in Syrien und Jordanien. Das Leben im Lande selber steht unter ständiger Gewaltdrohung, zum einen durch die Besatzungstruppen, zum anderen durch die Ergebnisse der imperialen Politik des “teile und herrsche”, die ethnische und religiöse Spaltung planvoll zur Stabilisierung der eigenen Hegemonie vorantreibt und fördert.

Für Ärztinnen und Ärzte von besonderem Interesse war der Vortrag des US-amerikanischen Epidemiologen Les Roberts, der an der in “Lancet” 2006 veröffentlichten Studie über die Zahl der Kriegsopfer im Irak führend beteiligt war. Die wissenschaftlich gut fundierte Untersuchung ergab damals eine bis dahin zu erwartende Zahl von Todesopfern in Höhe von etwa 650.000 Menschen, davon etwa 600.000 unmittelbar in Folge von Gewalttaten. 31% davon müssten direkt den Invasions-Streitkräften zugeordnet werden. Spannend war Les Roberts Resümee bezüglich der Rezeption dieser Studie: während in Großbritannien über die Ergebnisse eine heftige Kontroverse unter Einschluss des Premierministers entbrannte, wurden sie in den USA weitgehend aus den öffentlichen Medien ferngehalten. Bezeichnend war die Reaktion der Herausgeberschaft der renommierten “Washington Post”: das Material sei sehr interessant, kurz vor den wichtigen Kongresswahlen 2006 aber “too hot” für eine Publikation! Entsprechend ist die US-Öffentlichkeit laut demoskopischen Untersuchungen zwar recht exakt über die Zahl der getöteten GIs im Irak im Bilde, bei der Frage nach den irakischen Opferzahlen liegen die Angaben der Bürger aber um den Faktor 66 zu niedrig (9.000 statt 600.000)!

In dieser medial erzeugten Wahrnehmungstrübung liegt sicher ein wesentlicher Grund dafür, dass trotz vom US-Steuerzahler zu tragenden finanziellen Kriegslasten in Höhe von solide geschätzten 3 Billionen $ bis heute durch die US-Amerikaner diesem Kriegstreiben kein Ende bereitet werden konnte. Die Europäer und die Deutschen forderte Roberts auf, den US-Krieg entschieden zu kritisieren, dies sei ein Freundschaftsdienst gegenüber Amerika.

In einer sonntäglichen Arbeitsgruppe wurde allerdings herausgearbeitet, dass auch die direkte deutsche Beteiligung am Irak-Krieg wesentlich größer ist, als öffentlich wahrgenommen. Viele der hier stationierten über 60.000 US-Soldaten rotieren immer wieder zu Kampfeinsätzen, Verweigerer sitzen in US-Militärgefängnissen auf deutschem Gebiet, und die zahlreichen Basen, zuallererst Ramstein, sind die wichtigsten Nachschubdrehkreuze außerhalb der USA. Diese Unterstützung endlich aufzukündigen, muss ein wichtiges Ziel aller Kriegsgegner hierzulande sein - zusammenarbeiten können wir dabei auch mit kriegsgegnerischen US-Soldaten, wie sie z.B. bei den Iraq Veterans Against War zusammengeschlossen sind.

Dokumentiert wird die wichtige Konferenz “Alternativen zu Krieg und Besatzung” zum fünften Jahrestag des Irak-Krieges: www.irakkonferenz2008.de .

Veröffentlicht am

13. März 2008

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