Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.




Spenden Sie online!

spenden

Ihre Spende
ermöglicht unser Engagement.

Suche in www.lebenshaus-alb.de
 

Südafrika fand Frieden - warum nicht auch der Nahe Osten?

Von Desmond Tutu - 25.12.2007 - Business Daily (Africa) / ZNet

21. Dezember 2007. Es war auf dem Höhepunkt des Kampfes, es war, als die Apartheid in Südafrika am schlimmsten wütete und es so aussah, als säßen die Apartheid-Herrscher fest im Sattel ihrer Macht. Damals gedachten wir unserer hebräische Tradition und unserer Vorbilder (in der Bibel).

Als ich an einem (israelischen) Sicherheits-Checkpoint sah, wie Palästinenser über fast alle Dinge ihres Lebens verhandeln müssen, war es für mich ein Déjà-vu-Erlebnis. Ich könnte viel Zeit damit verbringen, diese Erfahrung wiederzugeben, sie erinnerte mich so schmerzhaft an die gleichen Checkpoints, die es während der Apartheid in Südafrika gab. Nein, ich will einen anderen Weg beschreiten.

Ich ziehe einen anderen Ansatz vor. Vor kurzem erschien der Bericht eines ärztlichen Psychologen. Er war früher selbst Soldat der Israelischen Armee (IDF) und heißt Nufan Yishai Kartrim. In dem Report berichtet er, wie israelische Soldaten im Gazastreifen Gewalt gegen Palästinenser verübten. Ein Soldat erzählte, so Katrim, wie er mit einem neuen Kommandeur auf Patrouille ging.

Es herrschte Ausgangssperre. Kein Palästinenser war also zu sehen - bis auf einen vierjährigen Knaben, der mit Sand spielte. Der Kommandeur ging hin und brach dem Vierjährigen den Arm.

Wer dazu beiträgt, ein ungerechtes System zu erhalten, korrumpiert seine Menschlichkeit. Ein südafrikanisches Beispiel ist der ehemalige Minister des Apartheidsystems Jimmy Kruger: Als er vom Tode Steven Bikos erfuhr, habe ihn dies kalt gelassen, sagte Kruger. (Im Falle Israel/Palästina) glauben wir an eine Zweistaatenlösung. Es soll zwei souveräne, lebensfähige Staaten mit jeweils durchgehenden Grenzen geben, deren Sicherheit durch die internationale Gemeinschaft gewährleistet wird.

Wir verdammen Akte der Gewalt, ganz gleich, durch wen sie verübt werden. Die Selbstmordattentäter, die unschuldige Zivilisten angreifen, sind zu verdammen - doch nicht minder die Israelis, wenn sie unterschiedslos zurückschlagen, auch dabei wurden unschuldige Zivilisten zum Ziel. Wir sagen, bitte, lernt wenigstens eine einzige positive Lektion aus der Zeit der Südafrikanischen Apartheid.

Unter (dem südafrikanischen Regierungschef) Frederick W. le Klerk, der für seinen außergewöhnlichen Mut zu loben ist, entschlossen sich die Herrscher der Apartheid zu Verhandlungen - nicht mit genehmen Leuten, sondern mit ihren eingeschworenen Feinden. Auf diese Weise fanden sie - nach all dem Blut und all dem Leid - lang entbehrte Sicherheit wieder.

Nicht durch Waffengewalt wurde dieses Ziel erreicht. Es wurde erreicht, indem legitime Ansprüche und die Menschenrechte anerkannt und respektiert wurden. Dies geschah vor 13 Jahren, und der Friede hält noch immer an.

Viele haben prophezeit, Südafrika werde von einem katastrophalen Gemetzel überrollt werden. Dies ist nicht eingetreten - weil in Treu und Glauben mit dem Gegner verhandelt wurde. Man sagt, wenn etwas einmal gelang, wird es ganz sicher wieder möglich sein. In Südafrika war es möglich - warum nicht auch im Nahen Osten?

Bischof Desmond Tutu ist der frühere Erzbischof von Cape Town und Träger des Friedensnobelpreises.

Quelle: ZNet Deutschland   vom 25.12.2007. Orginalartikel: South Africa found peace, why not Middle East? - Übersetzt von: Andrea Noll.

Veröffentlicht am

25. Dezember 2007

Artikel ausdrucken

Artikel weiterverbreiten

Weitere Artikel auf der Lebenshaus-WebSite zum Thema bzw. von