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Auf 2,1 Prozent Atomstrom kann man verzichten

Offizielle Zahlen täuschen die Öffentlichkeit

Anlässlich des EU-Energiegipfels fordert die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einer “ideologiefreien Bewertung” der Atomenergie auf. “Die Atomkraftwerke liefern weltweit nur 2,1 Prozent der benötigten Energie und sind somit für die Energieversorgung der Menschheit praktisch bedeutungslos”, sagte die IPPNW-Vorsitzende Angelika Claußen. “Auch Frau Merkel und die Atomkonzerne Siemens, RWE, E.On, EnBW und Vattenfall müssen zugeben, dass man selbst mit einer Verdoppelung der Zahl der Atomkraftwerke die Energieprobleme der Menschheit nicht lösen kann. Frau Merkel und die Energiekonzerne sollten endlich damit aufhören, sich beständig an dieser 2-Prozent-Technik festzubeißen”, so Claußen.

Nach Angaben der Internationalen Energie Agentur (IEA) wurde im Jahr 2004 weltweit mit 2808 Terawattstunden mehr Strom in Wasserkraftwerken erzeugt als in Atomkraftwerken mit 2738 Terawattstunden. Dabei weist allerdings die IEA für die Wasserkraft einen Primärenergieanteil von 2,2 Prozent aus, während sie der Atomenergie - die weniger Strom produziert - einen Anteil von 6,5 Prozent zuschreibt. “Hier wird die Öffentlichkeit mit Hilfe zweifelhafter statistischer Tricks getäuscht “, kritisiert IPPNW-Energieexperte Henrik Paulitz. “Während die IEA bei der Kernenergie nach der Wirkungsgradmethode Verluste bei der Umwandlung von Uran in Strom berücksichtigt, unterlässt sie dies bei der Wasserkraft und berücksichtigt dort die Umwandlungsverluste nicht. Wenn eine Technologie in der Realität weniger Energie liefert als eine andere, dann sollte sich dies auch beim offiziellen Energieträgervergleich so widerspiegeln. Wenn die Wasserkraft 2,2 Prozent Energie liefert, dann trägt die Atomenergie nur zu 2,1 Prozent zur Energieversorgung bei. Schalten wir also diese überflüssige und gefährliche Technik ab und konzentrieren uns auf die wirklich notwendigen Dinge.”

Nach Auffassung der IPPNW müssen wir den dezentralen Ausbau der erneuerbaren Energien forcieren. “Damit können wir bis zum Jahr 2050 nach offiziellen Studien 100 Prozent der erforderlichen Energie bereitstellen”, so Paulitz. “Während man seit 15 Jahren über den Bau weiterer Atomkraftwerke diskutiert und bis jetzt nur ein einziges in Westeuropa seit mehreren Jahren gebaut wird, vollzieht sich der Ausbau der erneuerbaren Energien in bemerkenswertem Tempo: Allein von 2005 auf 2006 legten die erneuerbaren Energien in Deutschland um 13 Prozent zu. Während das in Bau befindliche finnische Atomkraftwerk noch jahrelang keinen Strom liefern wird, beziehen wir von den im vergangenen Jahr zügig errichteten erneuerbaren Energieanlagen von Anfang an schon Energie. Im Jahr 2006 wurden in Europa 7 Atomkraftwerke endgültig stillgelegt, aber kein neues in Betrieb genommen. Sieht so die Renaissance der Atomenergie aus?”

Die IPPNW fordert Bundeskanzlerin Merkel auf, sich gemeinsam mit ihren europäischen Amtskollegen von den großen Energiekonzernen zu emanzipieren. Hierzu gehört nach Auffassung der Organisation auch eine klare Absage an die Planungen der Konzerne, zahlreiche neue fossile Großkraftwerke zu errichten, während sie gleichzeitig vom Klimaschutz reden. “Deshalb muss in Europa unser Ziel sein, die Energiewirtschaft schnellstmöglich auf 100 Prozent dezentrale erneuerbare Energien umzustellen”, fordert Claußen.

Quelle: Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges   (IPPNW) - Pressemitteilung vom 07.03.2007

Veröffentlicht am

12. März 2007

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