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Risiko für einen Super-GAU in Europa bei 16 Prozent

Angesichts der Diskussionen um Laufzeitverlängerungen für die deutschen Atomkraftwerke weist die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW einerseits auf die Gefahr eines schweren Atomunfalls hin, andererseits darauf, dass den Atomkraftwerken in absehbarer Zeit der Brennstoff ausgeht.

Nach der offiziellen “Deutschen Risikostudie Kernkraftwerke - Phase B” von der Gesellschaft für Reaktorsicherheit kommt es in einem deutschen Atomkraftwerk bei einer Betriebszeit von rund 40 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,1 Prozent zum Super-GAU. In der Europäischen Union sind mehr als 150 Atomkraftwerke in Betrieb. Die Wahrscheinlichkeit für einen Super-GAU in Europa liegt somit bei 16 Prozent. Das entspricht der Wahrscheinlichkeit, beim Würfeln auf Anhieb eine 6 zu bekommen.

Weltweit sind etwa 440 Atomkraftwerke in Betrieb. Die Wahrscheinlichkeit, dass es weltweit in 40 Jahren zu einem Super-GAU kommt, liegt bei 40 Prozent.

“Das Risiko für einen Super-GAU nimmt ständig zu”, sagte IPPNW-Atomenergieexperte Henrik Paulitz. “Ebenso wie ein Auto im Laufe der Jahre so seine Macken bekommt und irgendwann liegen bleibt, häufen sich auch in den alternden Atomkraftwerken die Ausfälle sicherheitsrelevanter Komponenten. Die Rohrleitungen und Armaturen der deutschen Atomkraftwerke sind seit 20-30 Jahren extrem hohen Drücken, Temperaturen und der radioaktiven Strahlung ausgesetzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es in den Schweißnähten zu gefährlichen Rissen kommt, nimmt von Jahr zu Jahr zu. Schon ein kleines Leck in einer Schweißnaht kann zum Super-GAU führen.”

Den Atomkraftwerken geht bald der Brennstoff aus!

Außer dem enormen Risiko eines Super-GAUs sieht IPPNW einen weiteren Grund, warum ein Umbau der Energiewirtschaft dringend erforderlich ist: den Atomkraftwerken geht in absehbarer Zeit der Brennstoff aus. Uran wird immer knapper und teurer.

Der Uranbedarf für die weltweit über 440 kommerziellen Atomkraftwerke liegt bei rund 62.000 Tonnen pro Jahr. Allein die Europäische Union hat einen jährlichen Bedarf von etwa 20.000 Tonnen Uran.

Die “wirtschaftlich” gewinnbaren Uranreserven wurden von der Internationalen Atomenergie Organisation (IAEA) und der OECD Nuclear Energy Agency (NEA) im Jahr 1999 im so genannten “Red Book” ausgewiesen. Demnach sind - je nach Höhe der unterstellten Förderkosten - insgesamt noch zwischen 1,25 und 4 Millionen Tonnen Uran mehr oder weniger “wirtschaftlich” abbaubar. Es handelt sich zum Teil um gesicherte, zum Teil aber nur um vermutete Uranvorkommen.

Die Gesamtmenge mit dem großteils nur sehr aufwendig und entsprechend teuer zu gewinnenden Uran reicht demnach nur noch zwischen 20 und 65 Jahre lang. Knappe Güter werden im Allgemeinen teurer. Der Uranpreis dürfte also in den kommenden Jahren deutlich anziehen, gerade auch weil die Energiepreise insgesamt wegen der zunehmenden Verknappung der fossilen Energieträger weiter steigen dürften.

Vor diesem Hintergrund muss es verwundern, wenn der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) in seiner jüngsten Studie “Ökonomische Auswirkungen alternativer Laufzeiten von Kernkraftwerken in Deutschland” annimmt, dass die Brennstoffkosten für die Atomkraftwerke in den kommenden 25 Jahren konstant bleiben! Man darf hier auch am ökonomischen Sachverstand des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln zweifeln, das die Studie im Auftrag des BDI federführend erstellt hat.

“Angesichts des knappen Urans und der knappen fossilen Energieträger können wir es uns nicht leisten, noch mehr Zeit mit absurden Diskussionen um die Atomenergie zu verschwenden”, sagte Henrik Paulitz, Energieexperte der IPPNW. “Alle Kraft ist nun einzusetzen für eine drastische Reduktion des Energieverbrauchs und für die zügige Umstellung des Strom-, Wärme- und Verkehrssektors auf erneuerbare Energien. Ein solcher Umbau der Energiewirtschaft ist auch erforderlich, um Kriege um knappe Energie-Rohstoffe wie Öl, Erdgas und Uran zu verhindern.”

Quelle: IPPNW - Presseinformationen vom 30.10. und 31.10.2005. Zusammengestellt von Michael Schmid.

Veröffentlicht am

02. November 2005

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