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60. Jahrestag - Hiroshima mahnt: Atomwaffenfrei bis 2020!

Von Michael Schmid

Dieses Jahr jähren sich die amerikanischen Atombombenabwürfe auf die beiden japanischen Städte Hiroshima (6.8.1945) und Nagasaki (9.8.1945) zum 60. Mal. Es ist wichtig, dass dies ein weltweites Jahr des Gedenkens und der Aktionen für eine atomwaffenfreie Welt wird. Es gilt zu erinnern an den damaligen Schrecken und das unendliche Leid, das mit diesen beiden Atombombenabwürfen hunderttausenden von Menschen angetan wurde. Solidarität mit den Opfern muss aber vor allem heißen, künftiges Leiden solchen Ausmaßes zu verhindern. Konkret bedeutet dies, auf die Abschaffung und Ächtung aller Atomwaffen hinzuarbeiten.

General Lee Butler , in den 90er Jahren Oberbefehlshaber des US-Atomraketenarsenals, hat nach einer jahrzehntelangen Karriere als Militär als Wahrheit erkannt: “Wir sind im Kalten Krieg dem atomaren Holocaust nur durch eine Mischung von Sachverstand, Glück und göttlicher Fügung entgangen, und ich befürchte, das letztere hatte den größten Anteil daran.” Nach Ansicht General Butlers verdanken wir also die Tatsache, dass es zu keinem atomaren Holocaust kam, in erster Linie göttlicher Fügung. Können wir uns darauf verlassen, dass die göttliche Fügung auch künftig die Welt vor der völligen Vernichtung in einem atomaren Holocaust bewahren wird? Handelt es sich nicht vielmehr um eine Gnadenfrist, die uns für die Abschaffung und völkerrechtliche Ächtung der Atomwaffen gewährt wurde?

Der Kalte Krieg ist zwar vorüber, aber 60 Jahre nach den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki gibt es ca. 30.000 Atomwaffen auf der Erde, knapp 7.000 werden in ständiger Alarmbereitschaft gehalten und die USA sowie andere Atommächte planen die Entwicklung und den Einsatz neuer Atombomben. Auch Deutschland ist nicht außen vor: In Rheinland-Pfalz lagern nach wie vor mindestens 65, vermutlich aber bis zu 150 US-Atombomben.

Bereits durch diese Fortsetzung atomarer Rüstung sieht General Lee Butler die große Gefahr eines atomaren Holocausts: “Wir handelten wie ein Betrunkener beim russischen Roulett, der zehnmal die Pistole abdrückt und dann erklärt: Guck mal, es ist überhaupt nicht gefährlich. In Wahrheit war das Nuklear-Roulett überaus gefährlich und arrogant. Es ist ein Wunder, dass wir es geschafft haben, uns irgendwie durchzuwursteln. Nukleare Abschreckung ist ein Hasardspiel, das irgendwann verloren geht.”

Und ein Experte wie Mohammed El Baradei, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, hält die Gefahr eines Atomkriegs für “noch nie so groß wie heute.”

Der Bürgermeister von Hiroshima Tadatoshi Akiba warnt: “Unsere Städte und unsere Zukunft stehen auf dem Spiel. Wenn wir tatenlos zuschauen, wird das wahrscheinliche Ergebnis ein nuklearer Holocaust sein. Selbst wenn dieses Ereignis auf eine einzelne Stadt begrenzt wäre, ist das immer noch eine Stadt zu viel!”

Aufklärung über Atomwaffen und Kampagnen für atomwaffenfreie Welt

Wir befinden uns also in einer äußerst gefährlichen Lage. Es muss uns darum gehen, mit aller Kraft darauf hinzuwirken, die gefährlichste aller Unfreiheiten für die Menschheit abzubauen: die atomare Bedrohung. Das Stadtoberhaupt von Hiroshima hat deshalb die “Mayors for Peace” (“Bürgermeister für den Frieden”) ins Leben gerufen, der sich inzwischen ca. 700 Bürgermeister aus aller Welt angeschlossen haben. Mit der “Vision 2020” verfolgt dieser Zusammenschluss das Ziel, bis zum Jahr 2020 alle Atomwaffen abzuschaffen.

In Deutschland wurde die Kampagne “Auf keinem Auge blind. Atomwaffenfrei bis 2020” des deutschen Trägerkreises “Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen” ( www.atomwaffenfrei.de ) begonnen, die ihren Teil zur Verwirklichung der Vision einer atomwaffenfreien Welt beitragen möchte. Sie ist Teil der internationalen Kampagne “Abolition Now!”, die vom globalen Netzwerk “Abolition 2000” von über 2000 Organisationen weltweit getragen wird. Die Kampagne “… auf keinem Auge blind! Atomwaffenfrei bis 2020” arbeitet eng mit den “Mayors for Peace” zusammen.

In Deutschland ist der überwiegende Teil der Bevölkerung gegen Atomwaffen eingestellt. Nach einer Forsa-Umfrage im Jahr 2004 meinten 93 , Atomwaffen seien grundsätzlich völkerrechtswidrige Waffen und sollten weder produziert noch gehortet werden. 92 der Bevölkerung vertraten die Meinung, die Atommächte sollten zur Schaffung einer atomwaffenfreien Welt schnellstmöglich mit der Verschrottung der eigenen Atomwaffen vorangehen.

Ideale Voraussetzungen für atomare Abrüstung? Es reicht nicht aus, eine Meinung in einer Umfrage zu äußern. Für uns alle gilt es, diese Meinung aktiv zu vertreten, aufzuklären über den atomaren Wahnsinn, zu protestieren, sich für eine Welt ohne Atomwaffen einzusetzen.

Wie in der Vergangenheit wird sich das Lebenshaus Schwäbische Alb an der Aufklärung über Atomwaffen und in Kampagnen für eine atomwaffenfreie Welt engagieren.

Teilnahme an der Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags in New York

Im Mai 2005 findet die Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages bei den Vereinten Nationen statt. Diplomatische Delegationen aus 188 Ländern treffen sich in New York, in den ersten Tagen angeführt von Regierungschefs, Außenministern oder Staatssekretären, um über die Umsetzung des Nichtverbreitungsvertrages zu verhandeln.

Bisher ist die Erfüllung des Atomwaffensperrvertrags bzw., wie er auch heißt, des Nichtverbreitungsvertrages, von 1970 ausgeblieben. Der Vertrag macht die Einleitung von Verhandlungen mit dem Ziel einer vollständigen nuklearen Abrüstung zur Pflicht und untersagt in Artikel I die unmittelbare oder mittelbare Weitergaben von Atomwaffen an atomwaffenfreie Länder.

Damit Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen kommt, sagen viele Menschen und Organisationen von der Basis: diesmal werden wir uns einmischen. Deshalb wurde von den internationalen (“Bürgermeister für den Frieden”), von Nichtregierungsorganisationen und interessierten Bürgerinnen und Bürgern eine weltweite Abrüstungskampagne gestartet. Diese hat das Ziel, dass bei der bevorstehenden Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages wirkliche Abrüstungsverhandlungen beginnen sollen und entsprechend die “Vision 2020” der “Mayors for Peace” verwirklicht wird. Auch wenn diese Vision aus heutiger Sicht ziemlich vermessen erscheint: um des Überlebens der Menschheit Willen sollte nichts unversucht bleiben, was diesem Ziel näher bringen könnte.

Aus diesem Grund ist beabsichtigt, etwa 1.000 Vertreterinnen und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen bei der Überprüfungskonferenz der UN dabei zu haben - diesmal nicht nur die Experten, sondern auch viele Jugendliche und junge Erwachsene, die an den zahlreichen Informationsveranstaltungen teilnehmen können.

“Komm mit zur Aktions- und Studienreise 2005 zur UNO nach New York!”

So lautet das Motto, mit dem Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 27 Jahren für die Reise zur UNO nach New York eingeladen werden. Dass sich die jüngere Generation überhaupt mit dem Thema Atomwaffen beschäftigt, ist keine Selbstverständlichkeit, und noch weniger, dass sie sich für eine atomwaffenfreie Welt engagiert. Deshalb ist die Initiative der Friedenswerkstatt Mutlangen zu begrüßen, eine Aktions- und Studienreise nach New York für junge Menschen anzubieten.

Auf dem Programm der vom 28. April bis 16. Mai 2005 geplanten Reise stehen neben Aktionen gegen Atomwaffen und der Teilnahme an der Konferenz bei der UNO die Begegnung mit Delegierten, Aktivisten und Jugendgruppen, Sightseeing und jede Menge Spaß. Mit den Aktionen werden sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die Verhandlungen einmischen und zeigen, dass die Menschen der Erde endlich die Abrüstung von Atomwaffen wollen. Wolfgang Schlupp-Hauck, Julia Kramer und Felix Dania werden die Reisegruppe leiten (Kontakt: Friedenswerkstatt Mutlangen e.V., Tel. 07171-75661, E-Mail: post@pressehuette.de, www.pressehuette.de ).

Erfreulich, dass diese Aktions- und Studienreise bei jüngeren Menschen auf großes Interesse stößt. 41 Menschen haben sich angemeldet. Hier beispielhaft Auszüge aus Schreiben von jungen Menschen, warum sie gerne mit nach New York reisen möchten.

“Für uns ist es wichtig an der Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrages teilzunehmen, da wir nicht wollen, dass unsere und folgende Generationen weiter mit der Bedrohung eines atomaren Krieges leben müssen. … In New York wollen wir unser soziales und politisches Engagement zum Ausdruck bringen und mit Politikern über eine nicht atomare Zukunft diskutieren.” (Nina Eisenhardt, Hannah Buchter, Martina Stahl - drei 14- bzw. 15-jährige Schülerinnen)

“… es ist ein sehr großer Wunsch von mir ein friedenspolitisches Zeichen während der Überprüfungskonferenz des Atomwaffensperrvertrags in New York zu setzen. Meiner Meinung nach bietet die Aktionsreise eine einmalige Chance sich vor Ort in die Debatte einzumischen und etwas zu bewegen. … Ich bin natürlich gerne bereit, von der Reise und meinen Erfahrungen in Friedensgruppen zu erzählen.” (Christina Amanatidis - 19-jährige Studentin)

“Das Anliegen der Gruppe Delegierter ist, vor Ort die Entscheidungsträger zu beeinflussen und sie zur Einhaltung des Vertrages zu bewegen. Dies soll unter anderem in Form von kreativen Aktionen, Lobbygesprächen und Demonstrationen vor und im UN-Gebäude stattfinden. Hierbei möchte auch ich mitwirken. … Zusammen mit einer Freundin habe ich nun schon zum zweiten Mal eine Ausstellung zum Thema ‘Hiroshima und Nagasaki’ initiiert. Unser Ziel ist, zum 60. Jahrestag der Atombombenabwürfe Schülerinnen und Schüler zu informieren und an dieses Thema heranzuführen.” (Sabrina Apicella - 17-jährige Schülerin)

Lebenshaus und Versöhnungsbund vergeben Unterstützungsstipendien für Aktionsreise nach New York

Nun ist es so, dass nicht alle interessierten Jugendlichen und junge Erwachsenen die gesamten Kosten für die Aktionsreise nach New York selber aufbringen können.

Weil es aber vom Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. und vom Internationalen Versöhnungsbund - Landesgruppe Baden-Württemberg als eine großartige Idee begriffen wurde, wenn junge Menschen in dieser Angelegenheit nach New York reisen wollen, haben beide Organisationen beschlossen, Teilstipendien in einer Gesamthöhe von 2.800 € zu vergeben. (>> Lebenshaus vergibt Unterstützungsstipendien für Aktionsreise nach New York ) Es ist ja nicht nur ihr pures Privatvergnügen, sondern die jungen Menschen nehmen etwas wahr, was wir hoffentlich alle als wichtiges Anliegen begreifen: den Einsatz für eine atomwaffenfreie Welt. Und mit den Stipendien soll dieser Einsatz für eine Welt ohne Atomwaffen gewürdigt und die Chance eröffnet werden, sich direkt vor Ort in New York aktiv in die Verhandlungen zum Atomwaffensperrvertrag einzumischen. Mit den Stipendien wird 12 jungen Menschen die Teilnahme an der Aktionsreise nach New York ermöglicht.

Nach ihrer Rückkehr aus New York werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über ihre Aktivitäten und Erfahrungen berichten.

Spenden für die bereits verauslagten Kosten zur Unterstützung junger Menschen für die Aktionsreise nach New York sowie für das weitere Engagement des Lebenshauses für eine atomwaffenfreie Welt bitte auf das Konto: Lebenshaus Schwäbische Alb e.V., Konto-Nr. 8023334800, GLS Gemeinschaftsbank, BLZ 430 609 67. Für Spenden ab 25 ? werden automatisch Spendenbescheinigungen zugestellt, für niedrigere Beträge auf Anforderung (bitte Anschrift wegen Spendenbescheinigung angeben).

Veröffentlicht am

09. April 2005

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