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Leonardo Boff: Globalisierung oder Planetisierung?

Von Leonardo Boff

Es gibt aktuell einen starken Widerstand gegenüber dem Prozess der Globalisierung, der durch Donald Trump verstärkt wird, der mit Macht die Idee des "Die Vereinigten Staaten zuerst" oder besser "Nur die Vereinigten Staaten" vorantrieb. Trump unterstützt den Krieg gegen globale Unternehmen zugunsten derer, die nur innerhalb der USA arbeiten.

Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich hierbei um einen Kampf gegen die gigantischen finanzökonomischen Konglomerate handelt, die einen großen Teil des weltweiten Reichtums in den Händen einer sehr kleinen Anzahl von Personen kontrollieren. Joseph Stiglitz, dem Nobelpreisträger von 2001 für Ökonomie, zufolge haben wir 1 % Multimillionäre, die 99 % abhängiger oder verarmter Personen gegenüber steht.

Diese Art von Globalisierung trägt einen finanzökonomischen Charakterzug, der an Dinosaurier erinnert, Edgar Morin zufolge die Eisenzeit der Globalisierung. Doch Globalisierung ist mehr als nur Ökonomie. Es geht um einen irreversiblen Prozess, einen neuen Entwicklungsstatus der Erde, der zu dem Zeitpunkt begann, als wir sie vom Blick von außen entdeckten, als die Astronauten sie uns von ihrem Raumschiff aus zeigten. Da wurde klar, dass Erde und Menschheit eine einzigartige komplexe Einheit bilden.

Der Augenzeugenbericht des nordamerikanischen Astronauten John W. Young auf der fünften Reise zum Mond am 16. April 1972 ist eindrucksvoll: "Da unten ist die Erde, der blaue und weiße Planet, unglaublich schön, strahlend, die Heimat der Menschheit. Von hier aus gesehen würde der Mond in meine Handfläche passen. Aus dieser Perspektive gibt es weder Weiße noch Schwarze auf der Erde, keine Trennung zwischen Ost und West, Kommunisten und Kapitalisten, Nord und Süd. Gemeinsam bilden wir eine einzige Erde. Wir müssen lernen, diesen Planeten zu lieben, dessen Teil wir sind."

Aus dieser Erfahrung werden die Worte von Pierre Teilhard de Chardin von 1933 prophetisch und provokativ: "Das Zeitalter der Nationen ist vorüber. Wenn wir nicht sterben wollen, ist dies der Augenblick, die alten Vorurteile über Bord zu werfen und die Erde zu bilden. Die Erde wird ihrer selbst bewusst sein durch kein anderes Mittel als durch eine Krise aus Konversion und Transformation." Diese Krise ist in unsere Köpfe eingedrungen: Jetzt sind wir für das einzige Gemeinsame Heim, das wir besitzen, verantwortlich. Und wir haben die Mittel unserer eigenen Selbstzerstörung erfunden, was unsere Verantwortung für den ganzen Planeten nur noch verstärkt.

Wenn wir genauer hinsehen, entstand dieses Bewusstsein früh im 16. Jahrhundert, genau genommen im Jahr 1521, als Ferdinand Magellan zum ersten Mal den Globus umrundete und damit empirisch bewies, dass die Erde rund ist und dass wir überall hin kommen können, unabhängig davon, an welchem Ort wir uns befinden.

Die Globalisierung nahm mit der Verwestlichung der Welt Form an. Europa begann das koloniale und imperialistische Abenteuer von Eroberung und Beherrschung aller entdeckten und noch zu entdeckenden Länder, indem es sie den Interessen Europas zu Diensten machte, wie der Wille zur Macht zeigte, den man gut übersetzen kann mit dem Willen zu unbegrenzter Bereicherung, der Durchsetzung der Weißen Kultur, seiner politischen Institutionen und seiner christlichen Religion.

Aus der Sichtweise der Opfer dieser Entwicklung wurde dieses Abenteuer gewalttätig durchgeführt, was zu großen Vernichtungen von Völkern, Ethnien und der Umwelt führte. Dieses Abenteuer war ein Trauma und eine Tragödie für die Mehrheit der Völker, und dessen Konsequenzen sind noch heute zu spüren, selbst unter denen, die die Kolonialmacht stellten, die Sklaverei einführten und zur Unterwerfung unter die großen imperialistischen Mächte zwangen.

Wir müssen nun die positive und essentielle Bedeutung des Begriffs Planetisierung sicherstellen, ein Wort, das besser ist als "Globalisierung" wegen seinen ökonomischen Konnotationen. Am 22. April 2009 machten die Vereinten Nationen die Nomenklatur Mutter Erde offiziell, um ihr die Konnotation etwas Lebendigen zu verleihen, das respektiert werden und verehrt werden muss wie eine Mutter. Papst Franziskus benutzte den Ausdruck Gemeinsames Haus, um die tiefe Verbundenheit der Menschen herauszustreichen, die den gemeinsamen Platz bewohnen.

Dieser Moment ist ein Schritt nach vorn im Prozess der Geo-Genese. Wir können nicht zurückgehen mit einem verringerten Bewusstsein und uns abschotten wie Donald Trump vorgibt, innerhalb unserer nationalen Grenzen. Wir müssen uns selbst für diesen neuen Schritt vorbereiten, den die Erde gegeben hat, dieser lebendige Super-Organismus, gemäß der Gaia-These. Wir sind das Momentum von Bewusstsein und Intelligenz auf der Erde. Wir sind die Erde, die fühlt, denkt, liebt, Achtsamkeit pflegt und verehrt. Wir sind die einzigen Wesen der Natur, deren ethische Mission darin besteht, sich um dieses geheiligte Erbe zu kümmern, zu sichern, dass es ein bewohnbarer Ort für uns alle bleibt und für die ganze Gemeinschaft der Lebewesen.

Wir sind noch nicht aufgestanden, um diesem Ruf der Erde zu folgen. Daher müssen wir jetzt aufwachen und diese edle Berufung annehmen, an dieser Planetisierung mitzuwirken.

Leonardo Boff ist Theologe und Philosoph; Mitglied der Erd-Charta Kommission

Quelle:  Traductina , 25.04.2017.

Veröffentlicht am

03. Mai 2017

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