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Nach einer internationalen Umfrage führen die USA die Liste der terroristischen Staaten an

Der emeritierte Professor Noam Chomsky, einer der renommiertesten Kritiker der US-Außenpolitik, wirft den USA vor, die Liste der terroristischen Staaten anzuführen.

Von Noam Chomsky

Eine internationale Umfrage hat ergeben, dass die USA derzeit mit großem Abstand als "größte Bedrohung für den Weltfrieden" angesehen werden; weit abgeschlagen folgen Pakistan auf dem zweiten Platz und mit größerem Abstand andere Staaten.

Stellen Sie sich vor, die russische Zeitung Prawda hätte in einem Leitartikel über eine Studie des (sowjetischen Geheimdienstes) KGB berichtet, in der untersucht wurde, ob sich vom Kreml (der sowjetischen Führung) veranlasste terroristische KGB-Operationen auf der ganzen Welt als Erfolge oder Misserfolge erwiesen hätten; weil die Misserfolge überwogen, habe der KGB dem Kreml in seiner Studie empfohlen, seine Politik zu ändern.

Stellen Sie sich des Weiteren vor, Putin habe diese KGB-Untersuchung in Auftrag gegeben, um herauszufinden, ob die "Finanzierung und Bewaffnung von Aufständischen in einem anderen Land schon jemals den erhofften Erfolg hatte", und der KGB hätte fast nur Misserfolge vorweisen können. Deshalb zögere der russische Präsident jetzt, derartige KGB-Operationen fortzusetzen.

Die Veröffentlichung eines solchen Artikels ist zwar nur schwer vorstellbar, denn bei seinem Erscheinen wären weltweit Schreie der Entsetzens und der Empörung zum Himmel aufgestiegen, und nicht nur der Staat Russland wäre wegen seiner öffentlich eingestandenen terroristischen Aktivitäten schärfstens verurteilt worden, auch seiner Führung und seiner politischen Elite hätte man rücksichtsloses (und rechtsbrecherisches) Verhalten vorgeworfen, weil sie den russischen Staatsterrorismus nicht etwa beenden, sondern nur effizienter machen wollten.

Man kann sich tatsächlich kaum vorstellen, dass ein derartiger Artikel publiziert werden könnte, aber eine US-Zeitung hat das tatsächlich getan.

Am 14. Oktober (2014) wurde in der Titelgeschichte der New York Times über eine Studie der CIA berichtet, in der die wichtigsten, vom Weißen Haus veranlassten terroristischen Operationen rund um die Welt auf Faktoren überprüft wurden, die zu deren Erfolg oder Misserfolg geführt hatten; dabei kam heraus, dass die wenigen Erfolge, die damit erzielt werden konnten, ein Überdenken dieser Politik (der verdeckten Operationen) notwendig machen. (Eine deutsche Übersetzung dieses Artikels ist hier nachzulesen )

In dem Artikel wird auch der Auftrag zitiert, den Obama der CIA erteilt hat: Die Untersuchung sollte Fälle aufzeigen, in denen "die Finanzierung und Bewaffnung von Aufständischen in einem anderen Land den erhofften Erfolg gebracht hat". Weil die CIA kaum Erfolge vorweisen konnte, zögere der US-Präsident jetzt, derartige CIA-Operationen fortzusetzen.

Dieser (tatsächlich erschienene) Artikel rief keine "Schreie des Entsetzens und der Empörung" hervor, es geschah überhaupt nichts.

Der daraus zu ziehende Schluss ist eindeutig: In der politischen Kultur des Westens scheint es niemanden zu stören, dass der führende Staat der Freien Welt ein von Terroristen beherrschter Schurkenstaat ist, der seine schweren Verbrechen folgenlos öffentlich bekennen darf.

Und es scheint auch niemanden zu stören, dass der Friedensnobelpreisträger, der einmal als liberaler Verfassungsrechtler eingeschätzt wurde, jetzt die uneingeschränkte Macht in Händen hält und sich nur dafür interessiert, wie die (völkerrechts- und verfassungswidrigen) Operationen seiner Geheimdienste noch effektiver gestaltet werden könnten.

Beim genaueren Hinschauen wird diese Schlussfolgerung bestätigt.

In dem Artikel werden (verdeckte) US-Operationen aufgezählt, die "von Angola, über Nicaragua bis nach Kuba" reichen. Lassen Sie uns einige Fakten hinzufügen, die in dieser Aufzählung weggelassen wurden.

In Angola haben die USA zusammen mit dem Apartheid-Regime Südafrikas den Terroristen Jonas Savimbi und seine UNITA unterstützt, und die USA haben das auch weiterhin getan, nachdem Savimbi in einer sorgfältig kontrollierten freien Wahl besiegt worden war und Südafrika seine Unterstützung für dieses "Monster" eingestellt hatte, "dessen Machthunger entsetzliches Elend über die Angolaner gebracht hat", wie es Marrack Goulding, der damalige britischen Botschafter in Angola ausdrückte.

Dessen Meinung teilte auch der damalige CIA-Stationschef im benachbarten Kinshasa, der äußerte: "Es war keine gute Idee, dieses Monster trotz seiner furchtbaren Verbrechen zu unterstützen. Er war schrecklich brutal."

Kubanische Kämpfer beendeten die von den USA geförderten terroristischen Gräueltaten in Angola und vertrieben die größtenteils aus Südafrika stammenden Angreifer nicht nur aus diesem Land, sie beendeten auch deren illegale Besetzung Namibias; sie ebneten den Weg für freie Wahlen in Angola, in denen Savimbi auch nach Feststellungen von fast 800 ausländischen Wahlbeobachtern und der New York Times eine klare Niederlage erlitt; er erkannte seine Niederlage aber nicht an und setzte seinen Terrorkrieg mit US-Unterstützung fort.

Als Nelson Mandela endlich aus dem Gefängnis entlassen wurde, bedankte er sich bei den Kubanern besonders dafür, dass sie sich für die Befreiung Afrikas eingesetzt und maßgeblich zur Beseitigung des Apartheid-Regimes beigetragen hatten. Zu seinen ersten Äußerungen gehörte folgende Erklärung:

"Während meiner Jahre im Gefängnis hat mich Kuba immer inspiriert, und Fidel Castros Widerstand hat auch mir Kraft gegeben. … Kubas Siege zerstörten den Mythos von der Unbesiegbarkeit der weißen Unterdrücker (und) begeisterten die kämpfenden Massen in Südafrika. … Sie waren ein Wendepunkt für die Befreiung unseres Kontinents - und besonders meines Volkes - von der Geißel der Rassentrennung. … Kein anderer Staat war selbstloser als Kuba in seinem Einsatz für Afrika." (Weitere Infos dazu hier )

(Der damalige US-Außenminister) Henry Kissinger, der aus dem Hintergrund auch die Terroristen kommandierte, schäumte vor Wut über das Eingreifen des "Wichtigtuers" Castro und hätte ihn am liebsten "zerquetscht" ( siehe hier ); das haben William LeoGrande und Peter Kornbluh in ihrem Buch "Back Channel to Kuba" (Geheimverhandlungen mit Kuba, siehe hier ) unter Berufung auf erst kürzlich freigegebene Dokumente berichtet.

Wenden wir uns Nicaragua zu, ohne uns allzu lange mit dem Terrorkrieg Reagans gegen dieses Land aufzuhalten. Der ging auch noch weiter, nachdem der Internationale Gerichtshof Washington aufgefordert hatte, seine "illegale Gewaltanwendung" zu beenden, also die Unterstützung des internationalen Terrorismus einzustellen und (den Betroffenen) Wiedergutmachung zu leisten (weitere Infos dazu hier ); gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, in der alle Staaten - gemeint waren aber vor allem die USA - aufgefordert wurden, das Völkerrecht zu achten, legte Washington sein Veto ein.

Es muss jedoch zugestanden werden, dass der Terrorkrieg Reagans gegen Nicaragua - den der "Staatsmann" Bush (Vater) fortsetzte - nicht so zerstörerisch war, wie der Staatsterrorismus in El Salvador und Guatemala, den Bush auch unterstützte. Nicaragua hatte den Vorteil, über eine Armee zu verfügen, die den US-geführten Terroristen entgegentreten konnte, während die Terroristen, welche die Bevölkerung seiner Nachbarstaaten angriffen, die eigenen staatlichen Sicherheitskräfte waren, die von Washington trainiert und bewaffnet worden waren. (Weitere Infos dazu hier )

In wenigen Wochen wird in Gedenkfeiern an das große Finale der Terrorkriege Washingtons in Lateinamerika erinnert: an die Ermordung von sechs Jesuiten-Priestern, die zu den führenden lateinamerikanischen Intellektuellen gehörten, durch das berüchtigte Atlacatl-Bataillon , eine terroristische Eliteeinheit der Armee El Salvadors, die von Washington bewaffnet und ausgebildet worden war und auf ausdrücklichen Befehl des US-Oberkommandos auch noch andere Massaker an Gegnern der US-Einmischung beging.

Dieses schockierende Verbrechen, das am 16. November 1989 in der Jesuiten-Universität in San Salvador begangen wurde, war der Schlussakt einer Terrorserie, die sich wie eine Seuche über den ganzen Kontinent ausgebreitet hatte, als John F. Kennedy/JFK den Auftrag der Armeen der lateinamerikanischen Staaten von der "Verteidigung nach außen" - einem überholten Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg - in "Wahrung der inneren Sicherheit" änderte und damit den Krieg gegen die eigene Bevölkerung (der lateinamerikanischen Staaten) entfachte.

Die Auswirkungen wurden kurz und bündig von Charles Maechling beschrieben, der von 1961 bis 1966 für die Planung der von den USA durchgesetzten "inneren Verteidigung" zuständig war. Er charakterisierte die 1962 getroffene Entscheidung Kennedys als "Übergang von der bloßen Duldung der Raubgier und Brutalität der lateinamerikanischen Militärs zur direkten Komplizenschaft bei deren Verbrechen"; er warf den USA vor, Methoden unterstützt zu haben, die schon die Sondereinsatzgruppen Heinrich Himmlers angewandt hatten.

Diese "unangenehmen Tatsachen" sollen natürlich verdrängt werden.

Um die Terroroperationen Washingtons gegen Kuba kümmerte sich Präsident Kennedy/JFK persönlich, weil er wütend über das Scheitern der von den USA inszenierten Invasion in der Schweinebucht war und die Kubaner dafür bestrafen wollte.

Der Historiker Piero Gleijeses hat darauf hingewiesen, dass JFK seinen Justizminister und Bruder Robert Kennedy mit der Leitung der hochrangigen, ressortübergreifenden Arbeitsgruppe beauftragt hat, die für die "Operation Mongoose" (Mungo) zuständig war - für ein aus paramilitärischen Aktionen, Wirtschaftssanktionen und Sabotageakten bestehendes Programm, das gegen Ende 1961 gestartet wurde, um Fidel Castro mit "allen Schrecken der Erde" zu konfrontieren oder prosaischer ausgedrückt, ihn zu stürzen.

Der Ausdruck "alle Schrecken der Erde" wurde von dem Kennedy-Vertrauten und Historiker Arthur Schlesinger in der von ihm verfassten halboffiziellen Biografie Robert Kennedys überliefert. Robert Kennedy/RFK trug die Verantwortung für den Terrorkrieg gegen Kuba und machte der CIA klar, dass das kubanische Problem "bei der US-Regierung höchste Priorität vor allen anderen genieße; deshalb dürfe bei den Bemühungen zum Sturz des Castro-Regimes durch ‘alle Schrecken der Erde’ auch weder an Zeit, noch an Manpower gespart werden".

Der von den Kennedy-Brüdern entfachte Terrorkrieg (gegen Kuba) war kein kleines Unternehmen. Daran beteiligt waren 400 US-Amerikaner und 2.000 Kubaner, die über eine Privatflotte schneller Boote und ein jährliches Budget von 50 Millionen Dollar verfügten. Er wurde von einer CIA-Außenstelle in Miami befehligt, die nicht nur das Neutralitätsgebot verletzte, sondern vermutlich auch gegen das US-Gesetz verstieß, das CIA-Operationen in den USA selbst verbietet.

Zu diesem Terrorkrieg gehörten Sprengstoffanschläge auf Hotels und Industrieanlagen, das Versenken von Fischerbooten, die Vergiftung von Getreidefeldern und Viehherden, die Verunreinigung kubanischer Zuckerexporte und sonstige Sabotageakte. Einige dieser Operationen waren nicht direkt von der CIA angeordnet, wurden aber von kubanischen Terroristen ausgeführt, die von der CIA finanziert und unterstützt wurden, was keinen großen Unterschied macht.

Die Terroroperation Mongoose wurde von General Edward Lansdale geleitet, der bereits bei US-Terroroperationen auf den Philippinen und in Vietnam Erfahrungen gesammelt hatte. Sein Fahrplan für die Operation Mongoose sah "eine offene Revolte und den Sturz des kommunistischen Regimes" im Oktober 1962 vor; nach der Vorbereitung durch "subversive terroristische Akte" sollte eine "direkte US-Militärintervention" den Erfolg sicherstellen.

Der Oktober 1962 war ein sehr bedeutender Monat in unserer Geschichte. In diesem Monat wollte Nikita Chruschtschow Raketen auf Kuba stationieren und hat dadurch die Kubakrise ausgelöst, die fast zu einem finalen Atomkrieg geführt hätte.

Historiker erkennen heute an, dass Chruschtschows Vorhaben wegen der riesigen Überlegenheit der USA bei den Interkontinentalraketen, wegen der Ablehnung eines russischen Angebotes zur Reduzierung der Offensivwaffen und wegen des drohenden US-Angriffs auf das verbündete Kuba berechtigt war.

Jahre später hat auch Kennedys Verteidigungsminister Robert McNamara bestätigt, dass die Ängste Kubas und Russlands vor einem US-Angriff begründet waren. "Hätte ich in kubanischen oder sowjetischen Schuhen gesteckt, hätte ich das auch gedacht", erklärte McNamara auf einer internationalen Konferenz zum 40. Jahrestag der Kubakrise.

Der sehr angesehene Politikanalyst Raymond Garthoff , der viele Jahre Erfahrungen in US-Geheimdiensten sammeln konnte, hat berichtet, dass einige Wochen vor Ausbruch der Kubakrise eine kubanische Terroristengruppe, die mit Genehmigung der US-Regierung von Florida aus operierte, "mit einem schnellen Boot einen mutigen Angriff auf ein kubanisches Seehotel in der Nähe von Havanna durchgeführt und außer den dort untergebrachten sowjetischen Militärtechnikern auch viele Kubaner getötet hat". Kurz danach hätten Terroristen auch britische und kubanische Frachtschiffe angegriffen und weitere Überfälle in Kuba unternommen, die seit Anfang Oktober ständig zugenommen hätten.

Obwohl die Kubakrise noch andauerte, hätte am 8. November ein aus den USA kommendes Terroristenteam eine kubanische Fabrik in die Luft gesprengt, obwohl die Operation Mongoose offiziell ausgesetzt war. Fidel Castro behauptete damals, bei diesem Anschlag, der von einem US-Spionageflugzeug gefilmt worden sei, hätten 400 Arbeiter ihr Leben verloren. Sofort nach Beendigung der Krise nahmen die terroristischen Anschläge wieder zu; die Terroristen versuchten wiederholt, Castro und andere kubanische Politiker umzubringen.

Aufsehen erregten aber nur die vielen dilettantischen Versuche der CIA, Castro zu ermorden. Die anderen Anschläge wurden kaum zur Kenntnis genommen. Die erste systematische Untersuchung des Terrorkrieges gegen Kuba in englischer Sprache legte der kanadische Forscher Keith Bolender 2010 vor - mit seinem Buch "Voices From The Other Side: An Oral History Of Terrorism Against Cuba" (Stimmen von der anderen Seite: Eine mündlich überlieferte Geschichte des Terrors gegen Kuba), einer weitgehend ignorierten, aber sehr wertvollen Studie.

Die drei in dem eingangs erwähnten Artikel der New York Times genannten Beispiele des US-Terrorismus sind zwar nur die Spitze des Eisbergs, es ist aber wichtig, sich diese historischen Belege für den mörderischen, äußerst destruktiven US-Terrorkrieg in Erinnerung zu rufen, weil die politische Elite der USA es auch heute noch für völlig normal und richtig hält, dass die USA eine terroristische Supermacht sind, die ständig das Völkerrecht und nationale Gesetze bricht.

Auch dann, wenn die übrige Welt nicht damit einverstanden ist. Eine internationale Umfrage, die vor einem Jahr von der Worldwide Independent Network/Gallup International Association (WIN/GIA) durchgeführt wurde ( siehe hier ), hat ergeben, dass die USA derzeit mit großem Abstand als "größte Bedrohung für den Weltfrieden" angesehen werden; weit abgeschlagen folgen Pakistan auf dem zweiten Platz und mit noch größerem Abstand andere Staaten.

Natürlich wurde den US-Bürgern diese unbedeutende Information bisher vorenthalten.

Quelle: Luftpost vom 10.11.2014. Originalartikel: It’s Official: The US is a Leading Terrorist State . Übersetzung und Links in Klammern: Wolfgang Jung.

Veröffentlicht am

12. November 2014

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