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Das Dorf, der Wald und ein bisschen über Gott

Adam Keller - Crazy Country 8.2.11

Gestern wurden um 7 Uhr große Polizeikräfte, Bulldozer und viele LKWs an der Kama-Kreuzung nordwestlich von Ber Sheba beobachtet. Bewohner von Al Arakib verstanden sofort, dass sie das Ziel dieser Kräfte waren.

AlArakib ist schon zwölfmal innerhalb eines knappen Jahres zerstört worden und jedes Mal kehrten die Bewohner zurück und bauten Hütten und Schuppen an der Stelle ihrer zerstörten Häuser wieder auf. Gestern war es das 13. MalInzwischen 16 Mal, Ellen Rohlfs.

Polizeikräfte umgaben das Gebiet von allen Seiten, um zu verhindern, dass Dorfbewohner und Menschenrechtsaktivisten das Zerstören behindern. Mitglieder von "Bimkom" - einer Vereinigung von Architekten und Städteplanern, die versuchen, alternative Pläne zu denen des politischen Establishments zu zeichnen - wurden auch von der Polizei gestoppt, ihnen wurden die Identitätskarten abgenommen und gesagt, dies Gebiet sei gesperrtes und der Zugang verboten.

"Wie weit erstreckt sich das gesperrte Gebiet?" fragte der Aktivist Alon Cohen-Lifshitz. Die Antwort lautete: "Von Horizont zu Horizont." Mit dieser Antwort war er nicht zufrieden und erklärte: "Wenn Ihr ein Gebiet abschließt, müsst ihr eine genaue Karte zeigen können." Die unmittelbare und entscheidende Antwort darauf war, dass die Aktivisten zum Polizeiwagen gezerrt wurden, um dort sieben Stunden in Haft zu verbringen, da sie "einen Polizeioffizier beleidigt und ihm nicht gehorcht hätten".

Unterdessen fuhren die Bulldozer hinter der Polizeikette mit ihrer Arbeit fort. Die zwölf erbärmlichen Hütten, in denen die Dörfler hausten, wurden abgerissen, auch das Protestzelt, in dem sie Gäste aus Israel und dem Ausland empfingen. Jedes Überbleibsel aus dieser und früheren Zerstörungen wurde auf die zehn LKWs geladen und weggefahren, um sicher zu gehen, dass die Dorfbewohner sie nicht noch mal zum Wiederaufbau benützen. Die Bewohner beobachteten die Zerstörung vom Friedhof aus, wo ihre Vorfahren im letzten Jahrhundert beerdigt worden waren und der bis jetzt von den Bulldozern unberührt geblieben war. Die Moschee im Friedhof war der einzige Bau, den man stehen gelassen hatte. Er bildete für die Kinder ein Schutz gegen die kalten Winternächte im Negev.

Die Polizei hat nicht genügend Kräfte, um das Gebiet auf Dauer abzusperren. Morgen oder übermorgen wird sie das Gebiet verlassen, und die Bewohner werden zu ihrem Land zurückkehren. Sie haben nicht die Absicht aufzugeben. Sie werden neue Hütten aufbauen und darin leben, bis die nächste Welle der Zerstörung in ein oder zwei Monaten kommt.

Warum ist die Regierung Israels, die einzige Demokratie im Nahen Osten (?), so hartnäckig, ein kleines Dorf immer wieder zu zerstören, das existiert hatte, lange bevor Israel entstanden ist? Die Antwort ist wohl bekannt: um die Wüste zum Blühen zu bringen. Ja, das ist die proklamierte und ausgesprochene Absicht des Jüdischen Nationalfond (JNF), hier einen Wald zu pflanzen. Dieses verdammte, nicht anerkannte Dorf mit Namen Arakib stellt für ihre edlen Waldanpflanzpläne ein Hindernis dar.

Ein Wald? Ist es wirklich möglich, in dieser trockenen Zone einen Wald wachsen zu lassen, selbst dann, wenn eine Menge Wasser aus anderen Gegenden hierher gepumpt wird? Möglicherweise schafft es der JNF, hier einen kleinen Wald gedeihen zu lassen, wenn die Polizei es schaffen sollte, die sturen Bewohner loszuwerden.

Tatsächlich beabsichtigte der JNF schon vor einigen Wochen, am Baumfesttag, mit dem Pflanzen zu beginnen. Aber die Dorfbewohner unterbrachen diese Pläne und bauten ihre Hütten am Ort ihres zerstörten Dorfes wieder auf und demonstrierten vor dem JNF-Hauptquartier in Jerusalem und legten Berufung ein vor dem Gericht in Ber Sheba.

Die Richterin Nehama Netzer-Shalom verordnete dem JNF keinen Stopp ihrer Arbeit, empfahl ihm aber, nicht an dieser Stelle zu pflanzen, da es sein könnte, dass dieses Pflanzen mit dem Erhalt der bestehenden Situation vereinbar sei. Sie sagte auch, dass kein Zweifel darüber bestehe, dass die Zeit gekommen sei, das Bauproblem zu regeln, dass auch Leute wie die Beduinen von Al-Arakib in die Lage kommen könnten, legal zu bauen und Gemeinschaften aufzubauen, die dann später nicht zu "nicht anerkannten Dörfern" erklärt werden. Dies sind allerdings nur Empfehlungen ohne Kraft eines Urteils. In diesem fortschrittlichen demokratischen Land führen die Behörden aber oft sehr langsam auch ausdrücklich richterliche Entscheidungen durch. (Die Bewohner von Bilin warten z.B. schon seit drei Jahren auf die Erfüllung einer richterlichen Entscheidung, den Verlauf der Mauer zu verändern - aber das ist eine andere Geschichte…).

Auch Gott ist in diese Geschichte verwickelt - zumindest GOD-TV - das von einer amerikanischen evangelikalen Kirche in den USA errichtet wurde. Sie hat großzügig das Baumpflanzen finanziell unterstützt. "Es ist ein apostolischer, prophetischer Akt, die Wüste wieder in üppige grüne Landschaften zu verwandeln, so wie sie (angeblich) einmal war, damit man wieder darin wohnen kann, und das Heilige Land für die Rückkehr des "Königs aller Könige" vorbereitet wird, so erklärte Gott gestern über ein Kommuniqué, das auf der Website seiner TV-Station veröffentlicht wurde.

Und wie ist es mit dem Entwurzeln der Bewohner von Al-Arakib von ihrem Land? Nun das ist ein Problem der Dorfbewohner und der Regierung von Israel, kein Geschäft des GOD-TV. Welche Bedeutung haben denn schon ein paar Dorfbewohner verglichen mit der Rückkehr des Königs der Könige ins Heilige Land?

Deutsche Übersetzung: Ellen Rohlfs

Fußnoten

Veröffentlicht am

13. Februar 2011

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