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Mossad: Mörder mit falschen Pässen

Von Karl Grobe

Der israelische Journalist Or Kashti war überrascht, als eine ältere Dame ihn im Gemüseladen beglückwünschte: "Da haben Sie es den Arabern gegeben." Seine Kollegen fragten, wieso er ihnen denn keine zollfreien Zigaretten aus Dubai mitgebracht hatte. Da war der Bildungsexperte der liberalen Tageszeitung Haaretz, wie er in der Mittwochausgabe schrieb, aber gar nicht gewesen. Nur das Passbild eines dort Gesuchten sieht ihm zum Verwechseln ähnlich. Der Name des Pass-Inhabers: Kevin Daveron. Den Namen und die Passnummer gibt es aber nicht, stellte das irische Außenministerium klar.

Der Pass war falsch wie zehn weitere auch. Mit den unechten Dokumenten waren elf Personen am 20. Januar nach Dubai eingereist, um den Hamas-Führer Mahmud al-Mabhuh zu ermorden. Im Hotel Rotana erledigten sie das, was im Geheimdienstjargon "nasse Sache" heißt: Auftragsmord. Ihre Bewegungen und die des Opfers zeichneten Überwachungskameras auf. Zunächst hatte es nach einem natürlichen Tod ausgesehen, bis Ermittlungen ergaben: Mabhuh wurde in seinem Hotelzimmer mit einem Elektroschock betäubt und danach wohl mit einem Kissen erstickt.

"Politik der Zweideutigkeit"

Nach Erkenntnissen der Polizei in Dubai waren die zehn Männer und eine Frau aus Europa, Nahost und Hongkong angereist. Sie gaben sich als Touristen aus und flogen alsbald wieder ab. Die Reisepapiere waren den Grenzern nicht verdächtig vorgekommen. Polizeichef Dahi Chalfan Tamim deutete an, dass dies die Handschrift des israelischen Geheimdiensts Mossad sei. Israels Außenminister Avigdor Liebermann will das weder bestätigen noch bestreiten. In Geheimdienstdingen halte Israel sich an eine "Politik der Zweideutigkeit", sagte er.

Beweise für eine Mossad-Beteiligung gebe es nicht, auch "ein anderer Geheimdienst oder Staat" könnte Urheber sein. Das Fälschen von Pässen ist Routine bei den Diensten. Fatal für die Leute, deren Daten von den Dokumentenfälschern benutzt wurden: Ihre Namen stehen nun auf Fahndungslisten. Es sind sechs nach Israel emigrierte Briten und ein Israeli, die ihre Unschuld nachweisen konnten, ein Deutscher und drei Iren, die es augenscheinlich nicht gibt. Offenbar ist Dubais Polizei noch sechs weiteren Personen - echt oder mit gestohlener Identität - auf der Spur.

Mehrere betroffene Israeli protestierten entrüstet. Er müsse nun bei Auslandsreisen um sein Leben fürchten, sagte einer von ihnen. Die Zeitung Haaretz forderte den Rücktritt von Mossad-Chef Meir Dagan. Der Militärrundfunk zitierte einen Ex-Mossad-Verantwortlichen mit den Worten, es könne sich als "schwerer Fehler" erweisen, wenn der Mossad Pässe von israelischen Bürgern und gefälschte Pässe verwendet habe.

Ursachen werden übersehen

Das Mordopfer Mabhuh wird für die Entführung zweier israelischer Soldaten zu Beginn der ersten Intifada von 1987 bis 1993 verantwortlich gemacht. Die Soldaten wurden ermordet. Die Ursachen des Aufstands werden dabei meist übersehen. Die Zerstückelung des Westjordanlandes durch israelische Siedlungen, die mangelnden Arbeitsmöglichkeiten und das Scheitern der Friedensbemühungen haben die Hamas stark gemacht - auch gegenüber der älteren Bewegung Al Fatah.

Mossad-Aktionen

1973: Mit einem falschen kanadischen Pass reist eine Mossad-Agentin nach Norwegen, um einen mutmaßlichen Gegenagenten zu töten, beidem es sich tatsächlich um einen unpolitischen Kellner aus Marokko handelt.

1997: Mossad-Agenten mit falschen kanadischen Pässen verüben in Jordanien einen Giftanschlag auf Hamas-Führer Chalid Meschaal.

2005 werden zwei Mossad-Agenten in Neuseeland wegen des Versuchs, sich illegal neuseeländische Pässe zu verschaffen zu Haftstrafen verurteilt. (gro)

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 18.02.2010. Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Karl Grobe.

Veröffentlicht am

18. Februar 2010

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