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Malalai Dschoja: Die große Lüge Afghanistan

Von Malalai Dschoja, 26.07.2009 - ZNet

2005 war ich die jüngste Person, die in das neue Afghanische Parlament gewählt wurde. Frauen wie ich, die sich um ein (öffentliches) Amt bewarben, wurden als Beispiele vorgezeigt, wie der Krieg in Afghanistan die Frauen befreit habe. Aber die Demokratie war Fassade, und die so genannte "Befreiung" eine große Lüge.

Im Namen meines Volkes, das schon so lange leidet, spreche ich allen Menschen in Großbritannien, die auf afghanischem Boden Angehörige verloren haben, mein herzliches Beileid aus. Wir teilen den Schmerz der Mütter, Väter, Ehefrauen, Söhne und Töchter der Gefallenen. Meiner Meinung nach sind diese britischen Toten - ebenso wie die vielen tausend zivilen afghanischen Toten - Opfer einer ungerechten Afghanistan-Politik der Nato-Länder unter Führung der Regierung der USA.

Fast acht Jahre nach dem Sturz der Taliban-Regierung sehen wir uns um unsere Hoffnungen auf ein Afghanistan betrogen, das wirklich demokratisch und unabhängig ist - durch die fortdauernde Dominanz der Fundamentalisten und die brutale Besatzung, die letztendlich nur den strategischen Interessen der USA in der Region dient.

Sie sollten begreifen, dass die Regierung unter Leitung Hamid Karsais voll von Warlords und Extremisten ist. Beim Thema "Gier" sind sie Brüder der Taliban. Während des Afghanischen Bürgerkrieges in den 90er Jahren verübten diese Männer furchtbare Verbrechen gegen das afghanische Volk.

Weil ich meine Ansichten äußerte, nahm man mir meinen Parlamentssitz weg. Ich habe zahllose Attentatsversuche überlebt. Die Tatsache, dass man mich aus dem Parlament warf, während brutale Warlords Immunität genießen und nicht wegen ihrer Verbrechen verfolgt werden, sagt alles, was Sie über diese "Demokratie", die den Rückhalt der Nato-Truppen hat, wissen müssen.

Unsere Verfassung verbietet es Kriegsverbrechern, für hohe politische Ämter zu kandidieren. Dennoch hat Karsai zwei berüchtigte Warlords - Fahim und Khalili - als Mitbewerber bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl http://news.bbc.co.uk/2/hi/south_asia/8102805.stm . benannt. Es ist eine Wahl im Schatten des Kriegsherrentums, der Korruption und der Okkupation. Sie wird keine Legitimität haben. Es scheint, als würden die wirklichen Entscheidungen wieder einmal hinter verschlossenen Türen - im Weißen Haus - getroffen.

Bis heute verfolgt Obama die gleiche Afghanistan-Politik wie zuvor Bush. Doch die Entsendung weiterer Truppen und die Ausweitung des Krieges auf Pakistan wird nur weiter Öl ins Feuer gießen. In den dunklen Jahren der Taliban riskierte ich - wie viele andere Afghanen - mein Leben, indem ich Mädchen an Untergrundschulen unterrichtete. Heute ist die Situation der Frauen so schlimm wie je zuvor. Opfer von Vergewaltigungen und Misshandlungen finden keine Gerechtigkeit, da die Justiz von Fundamentalisten beherrscht wird. Immer mehr Frauen sehen keinen anderen Ausweg aus ihrem leidvollen Dasein, als es durch Selbstverbrennung zu beenden http://www.worldpoliticsreview.com/article.aspx?id=873 ..

In dieser Woche sagte US-Vizepräsident Joe Biden, "weitere Verluste an Menschenleben" in Afghanistan seien "unausweichlich" More troops will die in Afghanistan’ says Joe Biden . und die fortdauernde Besatzung im "nationalen Interesse" sowohl der USA als auch Großbritanniens.

Ich habe eine andere Botschaft für die Briten. Ich glaube nicht, dass es in Ihrem Interesse ist, sich mit an zu sehen, wie noch mehr junge Leute in den Krieg geschickt und noch mehr Steuergelder auf eine Besatzung verwendet werden, die eine Bande von korrupten Kriegsherren und Drogenbaronen in Kabul an der Macht hält.

Noch wichtiger ist, dass ich nicht glaube, dass es unausweichlich ist, dass das Blutvergießen immer weitergeht. Manche sagen, wenn die ausländischen Truppen aus Afghanistan abziehen, werde das Land in einen Bürgerkrieg abgleiten. Doch was ist mit dem Bürgerkrieg und der Katastrophe, die wir bereits haben? Je länger die Besatzung dauert, desto schlimmer wird der Bürgerkrieg werden.

Das afghanische Volk will Frieden. Die Geschichte zeigt, dass wir uns gegen Besatzungen und Dominanz von außen immer gewehrt haben. Wir wünschen uns eine helfende Hand in Form von internationaler Solidarität. Gleichzeitig wissen wir, dass wir Afghanen uns Werte wie "Menschenrechte" selbst erkämpfen und erringen müssen.

Ich weiß, Millionen von Briten wollen, dass dieser Konflikt möglichst bald endet. Gemeinsam können wir unsere Stimme erheben für Frieden und Gerechtigkeit.

Malalai Dschoja ist die jüngste und freimütigste Parlamentarierin Afghanistans. Sie hat die Kriegsherren, die von den USA unterstützt werden und das afghanische Parlament beherrschen, offen angegriffen. Seitdem erhielt sie eine ununterbrochene Folge von Morddrohungen.            

Quelle:  ZNet Deutschland vom 26.07.2009. Originalartikel:  The big lie of Afghanistan . Übersetzt von: Andrea Noll.

Fußnoten

Veröffentlicht am

28. Juli 2009

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