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Streit in Berlin um satirisches Antikriegs-Plakat

Dokumentiert: BILD findet Plakat "widerlich" - Politiker haben in der LINKEN den Schuldigen gefunden - Friedensbewegung wendet sich gegen "zynische" Darstellung und gegen den "widerlichen Krieg"

Anfang September "entdeckte" die BILD-Zeitung ein fünf Jahre altes Plakat - und machte einen Skandal daraus. Wir veröffentlichen nachfolgend die Dokumentation der AG Friedensforschung, die im einzelnen folgende Artikel enthält:

  • einen sachlich informierenden Artikel von der Internetzeitung ngo-online.de,
  • den BILD-Artikel,
  • eine Erklärung des Bundesausschusses Friedensratschlag,
  • der DFG-VK
  • und von Ulla Jelpke (Fraktion DIE LINKE).

Wirbel um Anti-Bundeswehr-Satire

Kritik an älterem Plakat zu toten Bundeswehr-Soldaten

04. September 2008

Ein bereits vor fünf Jahren veröffentlichtes satirisches Plakat gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr sorgt für neuen Streit in Berlin. Spitzenpolitiker von Union und FDP bezeichneten das Plakat als geschmacklos und menschenverachtend. Auch Vertreter von Friedensorganisationen distanzierten sich am Donnerstag (4. September) von der als "unangemessen" und "zynisch" empfundenen Darstellung. Trotz der Kritik will der Berliner Landesverband der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) die Veröffentlichung nicht zurückziehen. Das auf der Internetseite des Landesverbandes (bamm.de) gezeigte Plakat unter der Überschrift "Schritt zur Abrüstung" zeigt den Sarg eines toten Soldaten und die Sätze: "Wieder einer weniger. Wir begrüßen diese konkrete Maßnahme, den Umfang der Bundeswehr nach und nach zu reduzieren." Ein Mitarbeiter des Landesverbandes verteidigte die Veröffentlichung: "Uns ist klar, dass das Plakat provozierende Wirkung hat", sagte René Schulz. Dies solle die Diskussion über die Bundeswehreinsätze befördern. "Das Plakat bleibt auf den Seiten."

Die DFG-VK-Bundesspitze distanzierte sich dagegen von der Darstellung. "Unser humanistisches Weltbild verbietet uns die Genugtuung über den Tod eines jeden Menschen - auch in Form einer satirischen Darstellung", teilte der Bundessprecherkreis des DFG-VK mit. Auch wenn der Landesverband unabhängig sei, wolle man ihn dazu auffordern, "dieses Plakat von der Seite zu nehmen", sagte DFG-VK-Sprecher Monty Schädel. Der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, Peter Strutynski, bezeichnete das Plakat als "zynisch, dumm und schädlich".

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) hatten zuvor gegen die Veröffentlichung des Plakates protestiert. "Das ist geschmacklos und verantwortungslos. Es ist ein Schlag ins Gesicht unserer Soldaten, die ihr Leben für die Freiheit Deutschlands einsetzen", sagte Jung. Nach Ansicht Robbes ist das Plakat "eine menschenverachtende Geschmacklosigkeit, die nicht mehr zu überbieten ist".

Dem wiederum widersprach der Friedensforscher Strutynski: "Nein, Herr Robbe, die nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit ist der Krieg selbst." Für "Bild" handele es sich um ein "widerliches Plakat". Über den "widerlichen Krieg" müsse dann auch nicht mehr geschrieben werden, so Strutynski.

Aus: Internetzeitung www.ngo-online.de, 4. August 2008


Dokumentiert:

Widerliches Plakat feiert Tod eines Bundeswehrsoldaten

Von H. MÜLLER-VOGG, J. MEYER, U. BRENDLIN und G. STREITER

"Wieder einer weniger" jubelt die Deutsche Friedensgesellschaft/Vereinigte Kriegsdienstgegnerinnen (DFG-VK) im Internet auf einem Plakat, das den Sarg eines toten deutschen Soldaten zeigt. Und: "Wir begrüßen diese konkrete Maßnahme, den Umfang der Bundeswehr nach und nach zu reduzieren."

WER STECKT hinter dieser widerlichen Aktion?

Verantwortlich für dieses Machwerk sind der Landesverband Berlin-Brandenburg der DFG-VK und das "Büro für antimilitaristische Maßnahmen" (BamM). Die DFG-VK unterhält enge Verbindungen zur Linkspartei. So ruft der Bundesvorstand der Linken mit Oskar Lafontaine und Gregor Gysi an der Spitze zusammen mit der DFK-VK gerade für den 20. September zu Großdemonstrationen in Berlin und Stuttgart auf. Motto: "Truppen raus aus Afghanistan".

Besonders enge Kontakte zur "Friedensgesellschaft" hat der Fraktionschef der Linken im Hessischen Landtag, Willi van Ooyen. Er war in den 70er-Jahren Vorstandsmitglied der DFG und später Landesgeschäftsführer in Hessen. Die Sprecherin des Linken-Vorstandes nannte das Poster, das offenbar schon vor Jahren gestaltet wurde, gegenüber BILD "nicht akzeptabel". Van Ooyen sagte, er halte dies für einen "respektlosen Umgang mit dem Leid von Menschen". Beide sehen aber keinen Grund wegen des ekligen Hetzplakates die Zusammenarbeit mit der DFK-VK aufzukündigen.

Der Bundesgeschäftsführer der DFG-VK, Monty Schädel, erklärte BILD, das "fünf Jahre alte" Poster sei "kein DFG-Plakat", sondern ein Plakat des Berliner "Büros für antimilitaristische Maßnahmen".

Wer jedoch über die Internetseite der DFG-VK den Berliner Landesverband anklickt, landet automatisch auf den Seiten von DFG-VK und BamM. "Willkommen auf den gemeinsamen Seiten …", heißt es da.

Die Bundeswehr ist über das Plakat entsetzt. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (59, CDU) sagte BILD in Masar el Sharif (Nordafghanistan): "Das ist geschmacklos und verantwortungslos. Es ist ein Schlag ins Gesicht unserer Soldaten, die ihr Leben für die Freiheit Deutschlands einsetzen."

Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (53, SPD) erklärte: " Das ist eine menschenverachtende Geschmacklosigkeit, die nicht mehr zu überbieten ist."

Nach Ansicht des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) zeigt das Bild "ein Ausmaß an Unmenschlichkeit, ja Menschenverachtung, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte". Die Verbindung zwischen Linkspartei und DFG-VK "müsste alle Sozialdemokraten und Bündnisgrüne davor abschrecken, mit ihr zusammenzuarbeiten".

Quelle: BILD-online (abgerufen am 4. September 2008)

"Widerliches Plakat" oder "widerlicher Krieg"?

Ein zynisches Plakat über die Bundeswehr bietet Grund für Ablenkungsmanöver

Pressemitteilung des Bundesausschusses Friedensratschlag:

Kassel, 4. September 2008 - Zur Auseinandersetzung um ein von der DFG-VK-Gruppe Berlin-Brandenburg herausgegebenes Plakat, worin der Tod eines Bundeswehrsoldaten "begrüßt" wird, erklärte der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag:

Der Friedensbewegung wurde mit der Herausgabe des umstrittenen Plakats ein Bärendienst erwiesen: Sie muss sich jetzt mit Angriffen, Verdächtigungen und Verleumdungen auseinandersetzen, die sie weder will noch verdient hat.

Das Plakat ist zynisch, dumm und schädlich. Sich über den Tod von Soldaten zu freuen, ist zynisch und menschenverachtend, weil übersehen wird, dass es sich dabei um Menschen handelt, die wie alle anderen Menschen auch ein Recht auf Leben haben. Der Einsatz von Soldaten in einem Krieg, den man ablehnt und sogar für ein Völkerrechts-Verbrechen hält, rechtfertigt unter keinen Umständen, dem einzelnen Soldaten den Tod zu wünschen.

Das Plakat ist dumm. Wer die Bundeswehr reduzieren oder gar ganz abschaffen will (wozu es gute Gründe gibt), kann das nur auf politischem Weg durchsetzen. Die "Hoffnung" auf eine allmähliche Selbst-Reduzierung der Armee durch eine ansteigende Zahl von getöteten Bundeswehrsoldaten soll zwar witzig gemeint sein, ist aber idiotisch und führt völlig in die Irre. Sie setzt nämlich voraus, dass die Bundeswehr sich noch stärker im Afghanistan-Krieg verstrickt und möglichst noch in andere Kriege geschickt wird. Gerade das zu verhindern, ist aber das Ziel der Friedensbewegung.

Das Plakat ist schädlich. Die Friedensbewegung argumentiert in der Öffentlichkeit gegen den Krieg in Afghanistan und für den Abzug der deutschen Truppen. Eine große Mehrheit der Bevölkerung steht dem Afghanistaneinsatz ebenfalls ablehnend gegenüber. Zur Zeit bereitet die Friedensbewegung eine bundesweite Demonstration am 20. September in Berlin und Stuttgart vor. In einer solchen Situation kommt dieses Plakat gerade jenen recht, die vom Krieg ablenken wollen, damit er möglichst ungestört weiter geführt werden kann. Statt sich mit den Argumenten der Kriegsgegner auseinanderzusetzen, verlagern sie die Auseinandersetzung auf einen "Nebenkriegsschauplatz", eben das Plakat.

Der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) erklärte zum Plakat gegenüber der BILD-Zeitung: "Das ist eine menschenverachtende Geschmacklosigkeit, die nicht mehr zu überbieten ist." Nein, Herr Robbe, die nicht zu überbietende Geschmacklosigkeit ist der Krieg selbst. Für BILD handelt es sich um ein "widerliches Plakat". Über den "widerlichen Krieg" muss dann auch nicht mehr geschrieben werden.

Für den Bundesausschuss Friedensratschlag:
Peter Strutynski (Sprecher)


 

Erklärung des Bundessprecherkreises zur Arbeit der DFG-VK

04.09.2008

"Der Zynismus des Plakates ist für uns schwer erträglich. Unser humanistisches Weltbild verbietet uns die Genugtuung über den Tod eines jeden Menschen - auch in Form einer satirischen Darstellung."

Verhandeln statt schießen - BUNDESWEHR RAUS AUS AFGHANISTAN!

AUSEINANDERSETZUNG MIT FRIEDLICHEN MITTELN FÜHREN!

In verschiedenen Veröffentlichungen der letzten Tage wird auf die Friedensarbeit des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der DFG-VK und dessen gemeinsam mit dem ‘Büro für antimilitaristische Maßnahmen’ betriebenen Homepage bamm.de verwiesen. Stein des Anstoßes ist dabei ein seit ca. fünf Jahren dort zum Download angebotenes provokatives Plakat, welches in drastischer Form versucht, auf die tödlichen Folgen von Kriegseinsätzen hinzuweisen.

Der Bundessprecherkreis der DFG-VK hält das satirische Plakat für eine unangemessene Form der Auseinandersetzung mit der Problematik deutscher Kriegsbeteiligung und deren Folgen. Der Zynismus des Plakates ist für uns schwer erträglich. Unser humanistisches Weltbild verbietet uns die Genugtuung über den Tod eines jeden Menschen - auch in Form einer satirischen Darstellung. Allerdings stellt das Plakat kein Verbrechen dar, sondern der Krieg, in dem der Tod von Soldaten und unschuldigen Zivilisten bewusst in kauf genommen wird. Die DFG-VK weiß sich darin mit der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung einig.

Das Plakat ist eine Entwicklung des ‘Büro für antimilitaristische Maßnahmen’ (bamm), welches keine Gliederung der DFG-VK ist und deshalb korrekterweise ‘bamm’ als Herausgeber benennt. Die Zusammenarbeit zwischen dem DFG-VK-Landesverband Berlin-Brandenburg und ‘bamm’ ist ausschließlich eine Entscheidung des DFG-VK-Landesverbandes Berlin-Brandenburg. Die DFG-VK ist ein pluralistischer Verband. Entsprechend der innerverbandlichen Organisation der DFG-VK regeln die Gliederungen der DFG-VK (Landesverbände und Gruppen) ihre Angelegenheiten selbst.

In mehreren Internetforen nehmen Nazis und Kriegsbefürworter das jetzt entdeckte Plakat zum Anlass, um ihren Hasstiraden gegen Antimilitaristen freien Lauf zu lassen. Der Bundessprecherkreis der DFG-VK verurteilt diese Form der Auseinandersetzung entschieden.

Unseres Erachtens ist Krieg ein Verbrechen an der Menschheit. Eindringlich fordert der Bundessprecherkreis der DFG-VK die Bundesregierung auf, alle Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan abzuziehen und stattdessen ausschließlich beim friedlichen Aufbau des Landes mitzuhelfen. Die DFG-VK unterstützt deshalb die Demonstrationen am 20. September in Stuttgart und Berlin gegen die Verlängerung des Kriegseinsatzes in Afghanistan.


Jeder Tote im Krieg ist einer zuviel

Zur Falschmeldung des CDU-Generalsekretärs Ronald Pofalla

In einer Presseerklärung des CDU-Generalsekretärs Ronald Pofalla vom 4.September wird behauptet: "Abgeordnetenbüro der Linkspartei steht hinter Hassplakat". Gemeint ist ein Plakat auf der Internetseite der Deutschen Friedensgesellschaft/Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen Berlin-Brandenburg (DFG-VK). Das satirisch gemeinte Plakat zeigt Soldaten der Bundeswehr mit einem Sarg unter der Überschrift "Schritt zur Abrüstung".

Hierzu erklärt Ulla Jelpke, MdB DIE LINKE:

Die Behauptung von Herrn Pofalla, mein Abgeordnetenbüro stände hinter diesem Plakat, ist falsch. Für den Inhalt der Internetseite www.bamm.de sind alleine die DFG-VK Berlin-Brandenburg und das Büro für Antimilitaristische Maßnahmen (BamM) verantwortlich.

Nach meinen Informationen ist das abgebildete Plakat bereits fünf Jahre alt. Dass die CDU dieses alte Plakat jetzt mit meinem Büro und der Partei DIE LINKE in Verbindung bringt, beweist nur, wie verzweifelt die Unionsparteien angesichts der wachsenden Zustimmung zur LINKEN auch in den westlichen Bundesländern nach jedem Haar in der Suppe suchen.

Ebenfalls falsch ist die von Pofalla unter Bezugnahme auf das Internetportal Spiegel-Online wiedergegebene Behauptung, in meinem Büro würden "Kontakte zur in Deutschland verbotenen PKK koordiniert werden." Gegen Spiegel-Online habe ich bereits rechtliche Schritte eingeleitet. Ich behalte mir entsprechende Schritte auch gegen jeden anderen vor, der mich oder mein Büro mit derartigen Behauptungen zu kriminalisieren versucht.

Abschließend möchte ich meine Auffassung deutlich machen, dass jeder Tote in einem kriegerischen Konflikt einer zuviel ist. Daher tritt DIE LINKE für den Rückzug der Bundeswehr aus Afghanistan ein und ruft zu den Großdemonstrationen der Friedensbewegung am 20. September in Berlin und Stuttgart auf.

Ulla Jelpke, MdB
Innenpolitische Sprecherin
Fraktion DIE LINKE

Quelle der Gesamtdokumentation:  AG Friedensforschung   vom 05.09.2008.

 

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Veröffentlicht am

05. September 2008

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