Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.

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Frieden durch Sonne. Persönliche Energie-Einsparpotentiale am Beispiel Lebenshaus

Aus: “andere achten”. Materialheft Ökumenische FriedensDekade 11.-21. November 2007. Herausgegeben vom Gesprächsforum Ökumenische FriedensDekade, S. 23ff.:

Michael Schmid ist überzeugt: Der persönliche Umgang mit Energie spielt für Krieg und Frieden eine große Rolle. Seine lebensnahen Beschreibungen sind Anreiz für große und kleine Haushalte.


Frieden durch Sonne.

Persönliche Energie-Einsparpotentiale am Beispiel Lebenshaus


Von Michael Schmid

Die Gefriertruhe, die wir vor über zehn Jahren geschenkt bekommen haben und die davor auch schon viele Jahre in Betrieb war, ist gewiss ein ziemlicher Energiefresser. Also bald ein neues, energieeffizientes Gerät anschaffen? Aber benötigen wir überhaupt eine Gefriertruhe und Tiefkühlkost?

Diese Fragen wurden in unserem Verein “Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie e.V.” aufgeworfen. Hintergrund für solche und viele andere Überlegungen ist die Erkenntnis, dass wir heute nicht mehr einfach ohne nachzudenken Energie verbrauchen wollen und dürfen. Eine Fortsetzung der gegenwärtigen Entwicklung wird zu noch größeren Umweltzerstörungen und zu weiteren Kriegen führen. Der Klimawandel mit seinen spürbaren Auswirkungen ist inzwischen in aller Munde. Aber auch unter dem Gesichtspunkt von Krieg und Frieden spielt der Umgang mit Energie eine große Rolle.

Die Reserven an Erdöl, Erdgas und Uran reichen nur noch für wenige Jahrzehnte. Und die Konkurrenz um die verfügbare Ölförderung und das Erdgas wächst rasch. Die Militärpräsenz der USA in Nahost und Zentralasien und nicht zuletzt der Irak-Krieg zeugen davon, dass sie sich auf zunehmende Konkurrenz bei sich dem Ende zuneigenden Ölvorräten eingestellt haben. Kriege um Öl sind eben nicht kurz vor 2050 zu führen, sondern jetzt zu Beginn der mühsamen Öljahre, wo die Förderung aufgrund bereits ausgebeuteter Quellen schwieriger wird. Auch ein Land wie Deutschland, das unter derzeitigen Vorzeichen stark von Energieeinfuhren abhängig ist, sorgt dafür, dass ihm der Energiehahn nicht zugedreht werden kann. Nicht nur, aber auch mit militärischen Mitteln. Schon in den Verteidigungspolitischen Richtlinien des Jahres 1993 wurde die Sicherung der Transportwege für Öl und Gas als mögliche Aufgabe der Bundeswehr betrachtet. Auch das Weißbuch 2006 greift das Thema in dieser Form auf. Insgesamt wächst also die Gefahr von Konflikten und Kriegen.

Die immer ins Spiel gebrachte Atomenergie kommt nicht als Alternative in Betracht. Abgesehen von sonstigen Risiken stellt sie auch die Brücke zu Atomwaffen dar. Die heute ohnehin schon bedrohliche Situation mit rund 28.000 Atomwaffen im Besitz von neun Atomwaffenstaaten wird noch dadurch bedrohlicher, dass in den kommenden Jahren eine Reihe weiterer Länder in den Besitz von Atomwaffen gelangen könnten.

Aus friedenspolitischer Sicht lautet die Frage etwas plakativ ausgedrückt: Krieg um Öl oder Frieden durch die Sonne? Eine 100prozentige Energieversorgung über Sonne, Wind, Biomasse, Wasser und Erdwärme ist möglich. Und wer von dezentral erzeugten erneuerbaren Energien lebt, muss nicht rund um die Welt Kriege führen um knappe Rohstoffe und liefert kein Futter für den Bau von Atombomben.

Wir müssen also den vollständigen Umstieg auf Erneuerbare Energien anstreben. Und weil diese auch nicht völlig unbegrenzt und konfliktfrei zur Verfügung stehen werden, muss es gleichzeitig um eine konsequente Einsparung von Energie und eine Erhöhung der Energieeffizienz gehen.

Auf diesem Weg muss die Auseinandersetzung geführt werden mit den billionenschweren Unternehmen, mit den Eliten aus Wirtschaft und Politik, die den jetzigen Kurs fortsetzen wollen. Dass eine verantwortbare Energiepolitik durchgesetzt wird, dafür sollten wir uns einerseits engagieren. Und andererseits kann jede und jeder mit seinem Verhalten dazu beitragen, ob weiter fossile und atomare Brennstoffe verbraucht werden. Oder ob wir den Umstieg zu einer verantwortbaren Energiepolitik fördern helfen.

Am Beispiel unseres eingangs erwähnten Vereins Lebenshaus sollen ein paar konkrete Beispiele aufgezeigt werden.

Baumaßnahmen zur Energieeinsparung

Als Verein haben wir 1994 ein Gebäude in Gammertingen (Kreis Sigmaringen) gekauft, das unter anderem Wohnraum für Menschen bietet, die sich in einer Krisen- oder Übergangssituation befinden.

Von Anfang an bestand eine reizvolle Aufgabe in diesem 1949 erbauten Gebäude darin, den enormen Verbrauch von Heizöl zu verringern. Nach wie vor ist es ja so, dass in Deutschland die Nutzung von Brennstoffen (wie Gas, Öl, Kohle) reichlich mehr als die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs ausmacht. Und von diesen verbrauchten Brennstoffen wiederum wird knapp die Hälfte von Privathaushalten für die Raumheizung verwendet. Ein Energiespargutachten, das wir früh anfertigen ließen, bestätigte unsere Vermutung, dass ein so altes Gebäude ein enormes Potential zur Einsparung von Energie besaß.

Aus finanziellen Gründen konnten natürlich nicht alle Empfehlungen des Energiespargutachtens sofort umgesetzt werden. Doch früh wurde eine Wärmedämmung des Daches vorgenommen, die ältere der beiden mit Öl betriebenen Heizkesselanlagen im ehemaligen Zweifamilienhaus wurde stillgelegt, es wurden neue Fenster eingebaut. Durch diese Maßnahmen konnte der Ölverbrauch von ca. 7500 Liter auf rund 3000 Liter im Jahr mehr als halbiert werden.

Im vergangenen Jahr haben wir eine Solar-Anlage zur Erzeugung von Warmwasser einbauen lassen. Dadurch lassen sich ebenfalls mehrere hundert Liter Heizöl pro Jahr einsparen. Und es ist schon ein tolles Gefühl, vom Frühjahr bis zum Herbst unter der Dusche zu stehen und zu wissen, für das warme Wasser, das jetzt über den Körper rieselt, wurde nicht der Ölbrenner angeworfen. Allerdings muss der Genuss auch hier seine Grenzen finden, denn Wasser ist ebenfalls ein kostbares und knappes Gut.

Es gibt bei unserem Gebäude immer noch ein erhebliches Einsparpotential beim Verbrauch von Heizwärme. Durch eine Wärmedämmung der Außenwände ließe sich der Ölverbrauch nochmals deutlich senken. Doch dafür hatten wir in der Vergangenheit das Geld nicht. Zumal wir auch hier nicht die billigste Form anwenden wollten, denn wir haben bei den gesamten Renovierungs- und Ausbaumaßnahmen Wert auf die Verwendung ökologischer Baustoffe gelegt. Doch dieses Jahr wollen wir nun die Wärmedämmung der Außenwände angehen. Ein weiterer Schritt weg vom Öl, auf das wir in der Perspektive bei der Erzeugung von Warmwasser und Wärme ganz verzichten wollen.

Wechsel zu Ökostrom

Vor Jahren stellten wir uns der Frage: Wie wird unser Strom erzeugt, von wem also beziehen wir diesen?

Obwohl ein Wechsel bei den Stromanbietern bereits seit der Liberalisierung des Energiemarktes ab 1998 möglich war, hat es dann doch einige Jahre gedauert, bis wir als Lebenshaus diesen Schritt vollzogen haben. Seit 2002 beziehen wir nun für das vereinseigene Gebäude “sauberen Strom” von den “Stromrebellen” der Elektrizitätswerke Schönau (EWS). Der Aufwand für den Wechsel des Versorgers war sehr gering - wenige Minuten reichten. Damit haben wir uns für einen Strom entschieden, der ökologisch erzeugt wird und keinen Atommüll hinterlässt. Und weil im Strompreis ein Förderanteil (“Sonnencent”) enthalten ist, tragen wir außerdem mit jeder Kilowattstunde dazu bei, dass neue ökologische Stromerzeugungsanlagen überall in Deutschland ans Netz gehen.

Praktisch jede und jeder kann seinen persönlichen Atomausstieg vornehmen und zur erheblichen Verringerung von Kohlendioxidproduktion sowie von fossilen Brennstoffen beitragen. Dieser Umstieg beim Strom ist einfach zu machen und häufig viel kostengünstiger als oft erwartet. Deshalb ist es geradezu unglaublich, dass sich zwar 81 % der Deutschen um Umwelt und Klima sorgen, dass 70 % die Atomenergie ablehnen, aber weniger als 5 % auf Ökostrom umgestiegen sind. Hier liegt ein großes Potential. Mit unserer Konsumentenmacht könnten wir einen Wechsel zu Erneuerbaren Energien maßgeblich vorantreiben.

Stromverbrauch verringern!

Als sich 2006 die Fußball-WM näherte, hatte unser Fernsehgerät immer öfter Aussetzer. Diese erzwungene Stromeinsparungspause ließ für die WM-Spiele nichts Gutes ahnen. Beim Kauf eines neuen Gerätes waren niedriger Stromverbrauch und die Ausstattung mit einem Netzhauptschalter, mit dem das Gerät vollständig vom Stromnetz genommen werden kann, wichtige Kriterien. Sehr hilfreich waren die Empfehlungen der EcoTopTen-Kampagne. Die empfohlenen “EcoTopTen-Produkte” haben eine hohe Qualität, ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und sind allesamt ökologische Spitzenprodukte. Diese Empfehlungen haben uns auch bei der Anschaffung einer neuen Spülmaschine und eines Bildschirms geholfen. Haushaltsgeräte der Güteklasse A++ benötigen übrigens 40 Prozent weniger Strom als die mit dem auch schon hohen Standard A.

Bereits vor vielen Jahren haben wir im Lebenshaus einen großen Teil der herkömmlichen Glühbirnen ersetzt durch Energiesparleuchten. Diese verbrauchen bei gleicher Helligkeit nur 20 Prozent Strom gegenüber Glühlampen und sie haben eine bis zu 12 Mal längere Lebensdauer.

Ebenso achten wir konsequenter darauf, dass die PCs vor jeder längeren Pause möglichst ganz ausgeschaltet werden. Natürlich klappt das nicht immer. Und die Wartepause, bis der PC nach einem Neustart wieder betriebsbereit ist, ist oft lästig. Aber stromsparend.

Übrigens haben wir die eingangs in Bezug auf eine Gefriertruhe aufgeworfenen Fragen derart beantwortet, dass wir überhaupt keine Gefriertruhe mehr haben möchten. Den alten Stromfresser haben wir ersatzlos außer Betrieb gesetzt.

Ernährung: Regionale Bioprodukte bevorzugen

Mit dem im Garten des Lebenshauses wachsenden Salat, Gemüse, Tee und den Gewürzpflanzen können wir leider nur einen kleinen Teil unserer Ernährung abdecken. Über ein “Gemüse-Abo” beziehen wir biologisch angebautes Obst und Gemüse aus der Region. Seit wenigen Jahren gibt es einen wöchentlichen Markttag in Gammertingen mit einem reichhaltigen Angebot an Produkten aus der Region. Indem wir zumindest einen Teil unserer Lebensmittel über diese Wege beziehen, haben wir nicht nur gesündere Nahrungsmittel zur Verfügung, sondern sparen erheblich Energie ein. Kurze Transportwege erfordern ebenso weniger Energie wie ökologisch erzeugte Nahrungsmittel. So beträgt der Energieaufwand beim herkömmlichen Ackerbau rund das Dreifache gegenüber dem Ökolandbau.

Leider lassen sich nicht alle Lebensmittel aus der näheren Umgebung beziehen. Bananen, Reis, Kaffee und Tee z.B. wachsen auf der Schwäbischen Alb nicht. Soweit möglich, beziehen wir solche Produkte aus dem “fairen Handel” unseres örtlichen Weltladens.

Summe von Energieeinsparungen bewirkt etwas

Wir alle sollten diese und weitere Lebensbereiche unter dem Gesichtspunkt “Energieverbrauch” anschauen, z.B. unsere Mobilität im Alltag, unser Reiseverhalten, unsere Geldanlagen oder die Frage, ob wir alle Konsumgüter, die wir nutzen wollen, auch selber anschaffen müssen.

Wenn sich jede und jeder bewusst macht, dass das eigene gesamte Verbraucherverhalten auch ökologische und friedenspolitische Auswirkungen hat, und in seinem eigenen Lebensbereich Schritte geht, die einen möglichst geringen Energieverbrauch im Blick haben, dann bewirkt dies in der Summe etwas. Wir wissen doch: “Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.” Natürlich enthebt dies Politik und Wirtschaft nicht aus ihrer großen Verantwortung. Und diese Verantwortung sollten wir gemeinsam ebenfalls immer wieder nachhaltig einfordern.

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Veröffentlicht am

26. August 2007

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